
(stma) Am gestrigen Montagabend veröffentliche die Landeshauptstadt Schwerin auf ihrer Facebookseite erfreut, dass Schwerin um eine Skulptur reicher wird.
Schwerin.de freut sich: „Schwerin kann sich mit einem neuen Kunstwerk schmücken. Es trägt den Namen „Donna Bella“ und ist ein Geschenk der Schweizer Künstlerin Claire Ochsner. Die „Schöne Frau“ wird in der Werdervorstadt auf einer kleinen städtischen Grünfläche Am Werder aufgestellt. Dort übergibt Claire Ochsner am Donnerstag um 11 Uhr das farbenfrohe Windspiel an Oberbürgermeister Rico Badenschier. Zu dieser kleinen feierlichen Zeremonie sind alle Kunstinteressierten herzlich eingeladen.“
MEINUNG:
Doch Freud und Leid liegen bekanntermaßen oft nahe beieinander. Es ist selbstverständlich toll wenn Kunst ihren Platz in Schwerin findet. Doch während neue Kunst Platz findet, vergammelt und verschwindet andernorts in Schwerin Kunst, Denkmal und Skulptur.
Beispiel 1, Grabmal Ludwig Willebrand „vergammelt“.
Seit über einem Jahr sind im „Werderpark“/Schelffriedhof an der Werderstraße in Schwerin verschiedene Grabmale/Gedenkstein eingezäunt. Im Schelfpark befinden sich mehrere Grabmale, unter anderem der Grabstein für Ludwig Willebrand mit der Aufschrift: Ludwig Willebrand, Bauconducteur, geb. d. 18. August 1821, gest. d. 23. Juli 1853. Seit über einem Jahr sind dort verschiedene Grabmale/Gedenkstein eingezäunt. Wir hatten mal nachgefragt:
Weswegen und seit wann ist das Grabmal mit Bauzäunen umzäunt?
Der Grabstein für Ludwig Willebrand ist seit mehr als einem Jahr zum Schutz vor weiteren Schäden und von Besucherinnen und Besuchern eingezäunt.
Wie bewertet die Stadt, die untere Denkmalschutzbehörde den Zustand?
Zwei Grabsteine sind in ihrer Standsicherheit eingeschränkt. Der Grabstein für Ludwig von Willebrand hat sich vom Fundament gelöst und wurde daher eingezäunt. So soll das mutwillige Umkippen des Grabsteines verhindert werden. Ein zweiter Grabstein, ein Kreuz, ist „angeschoben“ aber nicht unmittelbar kippgefährdet. Alle weiteren Grabsteine sind uneingeschränkt verkehrssicher.
Wie und wann wird das Grabmal saniert? Wann wird der denkmalgerechte Zustand hergestellt?
Eine Sanierung der Grabmäler ist nach Aussage der Stadtverwaltung nicht vorgesehen. Es wird lediglich die Standsicherheit in Gänze wiederhergestellt bzw. werden bestandsichernde Maßnahmen ergriffen. Die Wiederherstellung der Verkehrssicherheit soll bis Jahresmitte 2022 abgeschlossen sein.
FAZIT: VERGAMMELT
Beispiel 2: „Namenlose Statue“ vergessen und verschwunden.

Die vom Künstler Reinhard Dietrich erschaffene Skulptur wurde 1983 auf dem Grundstück Plater Straße / Am Hang aufgestellt. Sie ist unvollständig erhalten und befindet sich heute im Eigentum
einer Eigentümergesellschaft, welche durch ein Immobilien- und Projektentwicklungsunternehmen vertreten wird. Dieses hatte auf Nachfrage des Kulturbüros mitgeteilt, dass mittelfristig Abrissarbeiten und die Beräumung des Grundstücks bevorstehen. Vor diesem Hintergrund erfolgte eine gemeinsame Verständigung darüber, wie mit dem Kunstobjekt weiter umzugehen sei.
Sowohl das Kulturbüro als auch die Eigentümergesellschaft signalisierten dabei das grundsätzliche Interesse, das Kunstwerk für den öffentlichen Raum der Landeshauptstadt Schwerin in den vorhandenen Teilen zu erhalten. Ob hierbei eine Übertragung der Skulptur an die Stadt oder ihr Verbleib bei der jetzigen Eigentümerin in Frage käme, wurde noch nicht abschließend erörtert.
Die Eigentümerin hat nun zwischenzeitlich mitgeteilt, dass das Kunstwerk, hier die beiden restlichen Figuren, vom Grundstück entwendet wurden. Es wurde Strafanzeige bei der Polizei in Schwerin gestellt.
Der Oberbürgermeister teilte indes mit, dass die Eigentümer einen „Nachdruck“ / Kopie anfertigen lassen wollen und diesen dann der Stadt überlassen wollen.
FAZIT: VERGAMMELT(e) und verschollen.
Beispiel 3: Hinweisschilder vergammeln
In der Innenstadt gibt es mehrere Hinweisschilder an Gebäuden und Sehenswürdigkeiten. Diese sind aktuell kaum noch lesbar und machen gerade in der Altstadt, die ja als Welterbe in den Fokus gerät, kein guten Bild. Ob das Hinweisschild am (Pf)Affenteich, das Geburtshaus des Baumeister Demmler oder Sterns Hotel, die Hinweisschilder sind schlicht als „verrottet“ zu bezeichnen.
FAZITI: HINWEISSCHILDER VERGAMMELN
Beispiel 4: Die Plinthen des Säulengebäudes.

Seit einigen Monaten sind die Plinthen des Säulengebäude auf dem Markt in einem alles andere als ansehnlichen Zustand. Eine Anfrage an den Oberbürgermeister, wie die Stadt den Zustand einschätzt und wie es mit Sanierung/Sicherung der Bausubstanz des Gebäudes aussieht blieb bisher gänzlich unbeantwortet. Ein Maurer bestätigte uns, dass der Zustand, wenn er nicht behoben wird, auf Dauer die Struktur Schädigen könnte.

Das alles und noch viel mehr.
Die vorgenannten 4 Beispiele sind nur wenige von vielen weiteren.

Es gibt weitere Beispiele, wie das Gebäude der Hyparschale in der Weststadt. Seit Monaten wartet der derzeitige Eigentümer auf die Genehmigung der Denkmalschutzbehörde, dass er mit der Fachgerechten Sanierung loslegen kann. Er hat mehrere Sachverständigengutachten vorgelegt, doch die Denkmalschutzbehörde reagiert sehr langsam.
Auch bei diesem Thema gibt es auf Anfrage hin nach Wochen noch keine Antwort.
Schwerin möchte Weltkulturerbe werden. Doch es gibt viele, oft unbemerkte Skulpturen, Denkmäler und Gebäude die verfallen. Da muss Schwerin dringend handeln. Es reicht nicht aus, immer neue Skulpturen oder Kunstwerke auszustellen. Das was da ist, muss auch gehalten, saniert, gerettet werden.






















