(stm)

Die Todesursache des „Roten Panda“ im Schweriner Zoo scheint geklärt. Im Alter von nur 3 Monaten ist der Kleine Panda Anfang September überraschend verstorben.

Die Todesursache gibt der Zoo Schwerin mit „hämorrhagische Enteritis (blutige Darmentzündung), eine erosiv-ulzerative Gastritis (Magenentzündung) sowie eine geringgradige Pneumonie (Lungenentzündung) festgestellt.“ an. Als Ursache dieser Organschäden vermutet der Zoo eine bakterielle Infektion mit „Clostridiose„.

Bei Clostridiose handelt es sich um natürliche, die beim Menschen und Tier auch im gesunden Zustand vorkommende Bakterien. Bei geschwächten Tieren können allerdings Toxine freigesetzt werden, die die Organe angreifen.

Zuviel Stress für Rote Pandas durch PR Aktion der Ministerpräsidentin Schwesig und Minister Backhaus?

Im Kern empfehlen internationale Tierschutzorganisationen wie der WWF dass Jungtiere keinem Stress ausgesetzt werden sollen. Und zwar bis mindestens nach dem dritten Monat nicht. Bei Roten Pandas wird gar von sechs Monaten Schonzeit gesprochen. Nach einem SVZ Bericht war es auch so vorgesehen dass das Jungtier „Etwa ein Vierteljahr … in der Schutzhütte bleiben“ sollte. Doch in Schwerin wurde das Tier dennoch einem unnötigen Stress ausgesetzt. Und Stress ist für Rote Pandas nicht ungefährlich. Zu frühe Stressbelastung kann auch bei Roten Pandas zu stressbedingten Erkrankungen führen, die sich negativ auf die Entwicklung und Gesundheit der Tiere auswirkt.

Zu früh vorgeführt? Hat Stress das Immunsystem des Jungtieres geschwächt?

Umso bemerkenswerter ist es, dass der Rote Panda anlässlich des Landeszootages am 25. August durch Politprominenz in einem viel zu jungem Alter der Öffentlichkeit präsentiert wurde.

Geboren wurde der Rote Panda am 9. Juni. nach bereits 11 Wochen statt der minimalsten empfohlenen Schonzeit von 3 bis 6 Monaten, wurde das Tier in Anwesenheit des Dezernatsleiters Silvio Horn, des Landwirtschaftsministers Till Backhaus, der Ministerpräsidentin Manuela Schwesig am 22. August beim Landeszootag öffentlich vorgeführt (Inklusive Kameras, lachende Laute, Moderation, lärmende Gäste, fremde Personen die das Tier halten, eine Kindergartengruppe…). Diese PR Aktion wurde also gut besucht.

Nur wenige Tage später am 4. September ist das Jungtier dann gestorben.

https://www.youtube.com/watch?v=6zLRsaXiMNg Ab Minute 00:04:18

Fachexperten der EAZA mit klaren Empfehlungen zum Umgang mit Roten Pandas

Die Europäische Vereinigung der Zoos und Aquarien (EAZA) ist eine Organisation, die sich für die Verbesserung der Tierhaltung und des Tierschutzes in Zoos und Aquarien einsetzt. Sie veröffentlicht „Best Practice Guidelines“, die Empfehlungen und Richtlinien für die Haltung und Pflege von verschiedenen Tierarten enthalten. Diese Richtlinien basieren auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und praktischen Erfahrungen und sollen dazu beitragen, das Wohlergehen der Tiere zu verbessern und ihre Überlebenschancen zu erhöhen.

In den EAZA „Best Practice Guidelines“ für den Roten Panda (Ailurus fulgens) wird empfohlen, den Kontakt zwischen den Pflegern und den roten Pandas auf ein Minimum zu beschränken und nur erfahrene und vertrauenswürdige Personen zuzulassen. Von „Tierbegegnungen“ und „Besuchen“ zum Beispiel bei Fütterungen oder ähnliches wird gänzlich abgeraten. Gerade bei Jungtieren sei es laut dem Dokument wichtig, dass die Mutter und das Jungtier so wenig Stress wie möglich ausgesetzt werden. In dem Dokument heißt es sinngemäß, dass die Geruchempfindlichen Tiere, in dem Fall die Muttertiere bei zu viel Stress ein Fehlverhalten zeigen können, dass letztendlich zum Tode der Jungtiere führen kann.

Aus dem englischen übersetzt: „Beispielsweise reagieren Weibchen mit Nachwuchs sehr empfindlich auf Umwelteinflüsse. Daraus resultierender mütterlicher Stress kann die Wahrscheinlichkeit der Jungensterblichkeit erhöhen, beispielsweise durch übermäßiges Tragen oder Fellpflege oder Milchunterdrückung“ (Siehe Punk „2.7.3. Staff and Animal Interactions“ im EAZA „Guide“)

Zoo sieht keinen Zusammenhang zwischen PR Aktion und Erkrankung des Jungtieres

Der Zoo sieht keinen direkten oder indirekten Zusammenhang, teilte man auf Anfrage mit. „Es besteht kein Zusammenhang zwischen dem Versterben des Tieres und dem Besuch der Ministerpräsidentin Manuela Schwesig.“ so der Wortlaut. Oder anders ausgedrückt, der Zoo sieht keinerlei Stresspotenzial in der durchgeführten PR Aktion am Landeszootag.

In der Pressemitteilung zum Ableben des Roten Panda wird zur Todesursache allerdings von einem schwachen Immunsystem gesprochen, dass zu der Erkrankung, dem Ausbruch der Infektion bei dem Roten Panda geführt hat. Der Zoo schreibt in der Pressemitteilung zum Tod des Kleinen Pandas: „Eine solche Infektion ist nicht unüblich, wirkt sich aber gerade bei Jungtieren aufgrund ihres noch geringen Körpergewichtes und nur schwach ausgeprägtem Immunsystem sehr schnell tödlich aus“

Eine Frage die niemand mit Sicherheit beantworten kann ist nun, was zu dem schwachen Immunsystem und zur Erkrankung geführt hat. Stress, so implementiert es die Antwort des Zoos, sei kein Faktor. Dem entgegen steht die wissenschaftliche Einschätzung der Experten des EAZA., nachdem Stress durchaus dazu führen kann.

Landesamt nicht Auskunftsbereit

Das Landesamt, das die pathologische Untersuchung an dem verstorbenen Jungtier durchgeführt hat, beantwortet unsere Anfrage überraschend oberflächlich und bat uns den Schweriner Zoo für weitere Auskünfte zu kontaktieren. Der Zoo Schwerin ist wie bereits erwähnt der Auffassung, dass die PR Aktion im Schutzbereich der Roten Pandas, keinerlei Verbindung zur Erkrankung des jungen „Roten Pandas“ hatte.

Meinung:

Rote Pandas sind empfindliche Tiere. Sie sind vom Aussterben bedroht. Gerade der Schweriner Zoo hat sich dem Artenschutz gewidmet.

Wäre es da nicht angemessen gewesen, alles zu unterlassen, was dem Jungtier, den Roten Pandas unnötigen Stress aussetzt? Denn es ist wissenschaftlich unbestritten dass Stress, sowohl bei dem Jungtier, als auch beim Muttertier zu Verhaltensstörungen führen kann. So schreibt es auch die EAZA.

Natürlich ist es nicht möglich einen direkten Zusammenhang zwischen der PR Aktion und der Erkrankung des Jungtieres herzustellen, weil die Quelle, der Grund für das schwache Immunsystem nicht zweifelsfrei festgestellt werden kann. Verunreinigtes Wasser, falsche Fütterung, zu viel Antibiotika und weitere Faktoren werden da immer wieder genannt. Aber eben auch Stress.

Dass der Zoo Stress durch die PR Aktion als einen Faktor gänzlich ausschließt, obwohl die EAZA Stress durchaus als Faktor benennt, macht da stutzig.



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