(stm)
Der Kinder- und Jugendrat Schwerin (KiJuRa) hat sich unmissverständlich zum neuen Nutzungskonzept für das Jugendhaus „Dr. Külz“ geäußert. Die Jugendlichen kritisieren, dass viele der geplanten Maßnahmen ihre Lebensrealität nicht berücksichtigen und fordern Änderungen, die das Dr. K wirklich zu einem jugendfreundlichen und inklusiven Raum machen.
„Ein Ort der Selbstverwirklichung – kein Gefühl der Kontrolle“
Besonders kritisch sehen die Jugendlichen die geplante Präsenz des Fachamts für Jugend im Dr. K. Ein Jugendzentrum müsse, so der KiJuRa, frei von jeglichem Überwachungsgefühl sein. „Viele junge Menschen wollen Auszeiten von Verhältnissen der Kontrolle, da sie diesen sowohl in der Schule als auch zu Hause, also dem Großteil ihres Alltages, permanent ausgesetzt sind,“ betont die Stellungnahme. Die Jugendlichen fordern stattdessen ein Peer-to-Peer-Beratungsmodell, bei dem junge Menschen sich gegenseitig unterstützen können und in schwierigen Fällen an Fachkräfte weiterleiten. „Ein Ort, der als Jugendzentrum gestaltet werden soll, sollte die Voraussetzung eines freien Handelns für die Nutzenden und einen Raum zum ‘Abschalten’ gewährleisten,“ so der KiJuRa weiter.
Finanzierung der Bandräume – „Exklusion von Jugendlichen aus benachteiligten Verhältnissen“
Ein großes Konfliktpotenzial birgt das geplante Finanzierungsmodell der neuen Bandräume. Die Jugendlichen lehnen die Miete der Bandräume entschieden ab, da dies nur wohlhabenderen Jugendlichen zugutekäme. „Dieser Vorschlag widerspricht dem Anspruch eines offenen Jugendhauses, in dem die finanzielle Herkunft der jungen Menschen nicht von Relevanz sein sollte und zeigt eindeutig, dass die Lebensrealität junger Menschen nicht ausreichend berücksichtigt wurde,“ heißt es in der Stellungnahme. Stattdessen schlagen sie vor, die Bandräume durch freie Jugendhilfeträger zu betreiben und Instrumente über Stiftungen wie die Sparkassenstiftung zu finanzieren. Ein alternatives Konzept zur Finanzierung durch Gärtnereiarbeit lehnen die Jugendlichen strikt ab: „Das hat den Anschein von Sozialstunden und schafft eine spürbare Ungleichheit,“ so die deutliche Botschaft des KiJuRa.
„Yoga und Büroflächen – das ist nicht unsere Vorstellung von Jugendarbeit“
Im Nutzungskonzept sind im Dachgeschoss Angebote wie Yoga vorgesehen, die bei den Jugendlichen auf Unverständnis stoßen. „Es ist uns unklar, inwiefern Yoga Jugendbeteiligung stärkt,“ kritisiert der KiJuRa und schlägt stattdessen eine multifunktionale Nutzung als Jugendverbandsraum vor. Auch die geplante Nutzung der Büroflächen für Externe, wie den Stadtschülerrat oder den Landesjugendring, wird hinterfragt: „Zu prüfen ist, ob eine Vergabe von Büroflächen an die Jugendmedienbildung, dem Stadtschülerrat oder dem Landesjugendring überhaupt deren Interesse entspricht,“ heißt es in der Stellungnahmee.
„Raum zur Selbstverwirklichung, keine Überstrukturierung“
Die Jugendlichen fordern zudem, dass die Räume im Dr. K für freie und selbstgestalterische Treffpunkte genutzt werden, anstatt eine Überstrukturierung durch externe Projekte zu riskieren. „Uns wären frei verfügbare und selbstgestalterische Treffpunkte für junge Menschen wichtiger, um Überstrukturierung zu vermeiden und das Dr. K für Jugendliche als Ort der Selbstverwirklichung zu gestalten,“ stellt der KiJuRa klar.
Mitgestaltung der Räumlichkeiten – ein Beitrag zum Zusammenhalt
Ein zentraler Punkt ist für die Jugendlichen auch die Mitgestaltung der Räumlichkeiten. Die Gestaltung der Wände im Dr. K durch gemeinsame Projekte könnte, so der KiJuRa, dazu beitragen, dass sich die Jugendlichen stärker mit ihrem Jugendzentrum verbunden fühlen. „Durch die gemeinsame Gestaltung würde ein emotionaler Draht zum Haus selbst hergestellt werden, was fördernd für darauffolgende Projekte wirkt,“ argumentieren die Jugendlichen.
Bisher keine echte Beteiligung
Der KiJuRa kritisiert zudem das bestehende Beteiligungssetting als unzureichend und fordert, dass sie regelmäßig in die Planungen eingebunden werden. „Wir waren ausschließlich bei den Veranstaltungen am 1.9.23 und 25.4.24 anwesend und wurden zu besagtem Meeting im DIZ nicht eingeladen,“ heißt es. Die Jugendlichen fordern, dass Beteiligung im Dr. K transparent und verbindlich gestaltet wird, sodass ihre Wünsche und Bedürfnisse wirklich berücksichtigt werden.
„Ein Raum für die Jugend – ohne Kompromisse“
Abschließend unterstreicht der KiJuRa, dass das Dr. K als freier Raum für die Selbstentwicklung der Jugendlichen dienen sollte. „Ein so weit wie möglich freier Raum für Selbstentwicklung und Lernprozesse der Selbstständigkeit, ist eines unserer Ziele für das Dr. Külz-Haus,“ lautet die Forderung. Ein Vorbild sei das „Haus der Schüler*innen“ in München. Das Dr. K sollte sich auf die Bedürfnisse der Jugend konzentrieren und politische Teilhabe, Demokratie, Inklusion und Integration förderrn.
HIer kann diwe Stellunganhme der Jugendlichen des Kinder und Jugendrat in Gänze eingesehen und heruntergeladen werden:
Hier kann das aktuell zur Debatte stehende Konzept für das Dr. K eingesehen und heruntergeladen werden:
















