(stm/ Kommentar)
Der Messerangriff in Aschaffenburg, bei dem ein abgelehnter Asylbewerber zwei Menschen tötete, erschütterte die Republik. Der Täter war polizeibekannt und hätte Deutschland verlassen sollen. Doch er blieb – ein tragisches Beispiel dafür, was passiert, wenn Behörden ineffizient agieren und notwendige Maßnahmen nicht greifen.
Mecklenburg Vorpommerns Innenminister Christian Pegel hat die Tragödie nun zum Anlass genommen, weitreichende Forderungen aufzustellen: Er plädiert für eine zentrale Speicherung psychischer Auffälligkeiten, um potenzielle Gefährder frühzeitig zu identifizieren. Doch dieser Vorschlag greift nicht nur rechtlich und ethisch zu weit, sondern lenkt auch von den wahren Problemen ab – Problemen, die Pegel als Innenminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern selbst mitverantwortet.
Pegel ist in seiner Rolle nicht nur für öffentliche Sicherheit zuständig, sondern auch für die kommunalen Finanzen. Und genau hier zeigt sich die Absurdität seines Vorschlags: Kommunen wie Schwerin stehen seit Jahren unter enormem Konsolidierungsdruck. Strikte Sparvorgaben und ein ständiger Zwang zur Haushaltskonsolidierung führen dazu, dass genau die sozialen Hilfestrukturen, die präventiv wirken könnten, systematisch ausgehöhlt werden. Jede Kürzung, die der Innenminister fordert, trifft Beratungsstellen, Sozialarbeiter, Jugendhilfe und psychotherapeutische Angebote – all jene Einrichtungen, die dringend gebraucht werden, um Menschen in Notlagen zu unterstützen und Eskalationen zu verhindern, bevor es zum schlimmsten kommt.
Überwachung statt Politikwechsel
Statt Kommunen wie Schwerin mehr Spielraum zu geben, um genau in diese Hilfsstrukturen zu investieren, schlägt Pegel nun eine zentralisierte Überwachungslösung vor. Psychische Auffälligkeiten, die eine besondere Gewaltneigung erkennen lassen, sollen unabhängig von einer extremistischen Gesinnung in einer zentralen Datenbank gespeichert und für alle Behörden zugänglich gemacht werden. Der Ansatz mag auf den ersten Blick nach Prävention klingen, doch in der Praxis ist er hochproblematisch: Er würde das Vertrauen psychisch kranker Menschen in die Hilfssysteme untergraben. Wer Hilfe sucht, müsste befürchten, stigmatisiert oder gar kriminalisiert zu werden – eine gefährliche Spirale, die viele Betroffene noch weiter in die Isolation treiben würde. Und sind es doch gerade aich psychisch erkrankte, die kaum bis gar kein Vertrauen in Behörden haben. der Vorschlag Pegels würde diese Menschen noch weiter von Hilfangeboten entfernen.
Vorschlag Pegels würde psychisch Kranke in Isolation treiben
Genau diese Isolation ist es, die die Situation potenziell verschärfen könnte. Menschen, die sich aus Angst vor Überwachung und Speicherung nicht trauen, ärztliche oder therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen, bleiben mit ihren Problemen allein. Das Risiko, dass sich psychische Belastungen in gewalttätigen Handlungen entladen, steigt dadurch. Pegels Vorschlag führt also nicht zu mehr Sicherheit, sondern zu einer verstärkten Stigmatisierung und einem Vertrauensverlust in staatliche Institutionen.
Dabei wäre die Lösung so klar: Statt auf Überwachung zu setzen, müsste der Innenminister die Kommunen entlasten und ihnen ermöglichen, gezielt in präventive Arbeit zu investieren. Was es braucht, sind ausfinanzierte Beratungsstellen, mehr Sozialarbeiter, bessere Zugänge zu psychotherapeutischer Hilfe und niedrigschwellige Angebote, die Menschen auffangen, bevor sie in eine Notlage geraten. Doch diese Strukturen kosten Geld – Geld, das Pegel den Kommunen durch Konsolidierungsauflagen und Sparzwänge entzieht. Es ist ein perfider Widerspruch: Während die Hilfssysteme durch finanzielle Engpässe erodieren, präsentiert Pegel eine Lösung, die das Problem ignoriert und stattdessen noch mehr Misstrauen und Ängste schürt.
Politisch Kurzsichtig
Eine zentrale Datenbank, die sensible psychische Informationen speichert, ist nicht nur rechtlich fragwürdig, sondern auch ein Zeichen von politischer Kurzsichtigkeit. Anstatt Verantwortung auf die Betroffenen abzuwälzen und sie unter Generalverdacht zu stellen, sollte der Innenminister seine Politik überdenken. Jedes Sparprogramm, das soziale Strukturen schwächt, verschärft die Probleme, die er nun scheinbar bekämpfen will. Und jeder Vorschlag, der die Privatsphäre und Grundrechte gefährdet, ist ein Eingeständnis politischer Hilflosigkeit.
Die Tragödie von Aschaffenburg sollte ein Anlass sein, echte Lösungen zu finden: Strukturen stärken, nicht abbauen. Hilfe ermöglichen, nicht behindern. Vertrauen aufbauen, nicht zerstören. Doch mit seinem aktuellen Kurs zeigt Christian Pegel, dass er diesen Weg nicht gehen will – und stattdessen auf Maßnahmen setzt, die weder rechtlich noch praktisch zu verantworten sind.
Hier kann die Pressemitteilung des Innenministers eingesehen und heruntergeladen werden:
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