(stm)
Die aktuellen Schuleingangsuntersuchungen in Schwerin zeigen ein ambivalentes Bild, so geht es aus einer Pressemitteilung der Stadt Schwerin hervor. Während die meisten Kinder körperlich demnach gesund und medizinisch gut versorgt sind, offenbaren die Daten deutliche Defizite in Sprache, Motorik und grundlegenden Lernvoraussetzungen. Die Ergebnisse für das Schuljahr 2025/2026 liegen nun vor – und sie sind ernüchternd.
Nur 82 Prozent ohne Einschränkung schulreif
Insgesamt wurden 980 Kinder untersucht. Bei 82 Prozent konnte das Gesundheitsamt eine reguläre Einschulung empfehlen. Doch für 108 Kinder (11 Prozent) lautete die Empfehlung: ein zusätzliches Jahr vor der Einschulung. Damit gilt mehr als jedes neunte Kind in Schwerin als noch nicht ausreichend schulfähig, obwohl es gemeinhin altersbeding „schulreif“ wäre.
Fachdienstleiterin Carolin Templin erläutert in der Pressemitteilung der Stadt: „Wir erleben in zunehmender Tendenz, dass zukünftige Erstklässler in der Untersuchungssituation auffällig sind. Diese Kinder profitieren manchmal von einem Jahr zusätzlicher vorschulischer Förderung.“
Sprachförderbedarf bei knapp einem Drittel der Kinder
Besonders besorgniserregend bleibt die Sprachentwicklung: Bereits 24 Prozent der Kinder befanden sich zum Zeitpunkt der Untersuchung in logopädischer Behandlung. Hinzu kamen 54 weitere Kinder, bei denen eine Sprachtherapie neu empfohlen wurde. Damit benötigt insgesamt rund jedes dritte Kind Unterstützung im sprachlichen Bereich – ein entscheidender Faktor für den Schriftspracherwerb in der Grundschule.
Motorik, Zählen und Zuhören: Grundfertigkeiten fehlen
Auch die motorische Entwicklung bereitet Sorgen: Jedes fünfte Kind zeigte deutliche koordinative Unsicherheiten. Zusätzlich traten bei mehr als 20 Prozent Auffälligkeiten beim Zählen und Zuhören auf – Fähigkeiten, die als Grundvoraussetzungen für erfolgreiches Lernen gelten, so geht es aus der meldung der Stadtverwaltung hervor.
Sehschwächen häufig unentdeckt. Knapp 1/4 benötigt Sehhilfe.
Ein weiteres Ergebnis betrifft das Sehen: Zwar tragen 11 Prozent der Kinder bereits eine Brille, doch bei weiteren 14 Prozent empfahl das Gesundheitsamt eine augenärztliche Untersuchung. Damit weist fast jedes siebte Kind bislang unerkannte Sehprobleme auf – mit potenziellen Folgen für den Lernerfolg.
Frühzeitige Förderung dringend notwendig
Um Entwicklungsdefizite rechtzeitig zu erkennen, bietet das Gesundheitsamt bereits zwei Jahre vor der Einschulung eine zusätzliche Untersuchung an. Eltern und Kitas erhalten hierbei Hinweise, wie Kinder gezielt gestärkt werden können. Dennoch bleibt die zentrale Herausforderung bestehen: Viele Defizite werden erst kurz vor der Einschulung sichtbar – zu spät, um sie vollständig aufzufangen.
Politik setzt auf Pflichtuntersuchungen
Noch – Oberbürgermeister Rico Badenschier (SPD) betont in der Pressemitteilung der Stadtverwaltung den hohen Stellenwert der Schuleingangsuntersuchung: „Diese Pflichtuntersuchung ist kein überflüssiger bürokratischer Akt, sondern gelebte Sozialpolitik. In dieser wichtigen Phase der kindlichen Entwicklung sieht der Staat einmal verpflichtend alle Kinder eines Jahrgangs unabhängig von Herkunft, Stand und Hautfarbe und kann die Eltern umfassend zu möglichen Förder- oder Unterstützungsmaßnahmen beraten.“
Die Ergebnisse der diesjährigen Untersuchungen unterstreichen jedoch, dass trotz dieses Instruments erheblicher Handlungsbedarf bleibt. Über die Gründe, die einen doch recht hohen Förderbedarf und eine gewisse „Unreife“ aufzeigen schweigt die Stadtverwaltung.
Hier kann die Pressemitteilung der Stadt dazu eingesehen werden:















