(stm/Kommentar)

Auf der Strecke Schwerin–Hamburg wächst der Frust. Seit dem neuen Bahn-Fahrplan sind aus Sicht vieler Berufspendler ausgerechnet die wichtigen Frühverbindungen im Fernverkehr weggefallen – und damit die Züge, mit denen man über Jahre zuverlässig morgens rechtzeitig in Hamburg sein konnte.

In einer Mail, die unserer Redaktion vorliegt, beschreiben Pendler die Folgen deutlich: Die früheren IC/ICE-Verbindungen (genannt werden IC/ICE 1599 und ICE 1577) seien für viele der Schlüssel gewesen, um zwischen 7 und 9 Uhr am Arbeitsplatz zu sein. Mit der Streichung werde das Pendeln für geschätzt 200 bis 400 Menschen „schwierig und fast nicht mehr realisierbar“.

Als Ausweichroute bleibt oft nur der Regionalverkehr – doch der ist nach Pendlerangaben schon heute am Limit. Ein RE mit Ankunft gegen 6.38 Uhr sei an Werktagen häufig so voll, dass kaum noch etwas geht. Und: Wenn der Zug bereits früh überläuft, trifft es später Zusteigende aus Schleswig-Holstein oder Hamburg besonders.

Kritik gibt es auch an der Begründung über Ticketzahlen. Die Bahn argumentiere gern mit verkauften Fahrkarten auf der Relation Hamburg–Schwerin – dabei würden Jahreskarten und Abos aus Pendlerperspektive nicht sauber abgebildet. Sinnvoll wären aus ihrer Sicht Zahlen aus der Zeit vor Corona und vor den großen Bauphasen im Netz. Gerade weil viele während der Baustellen zwischenzeitlich aufs Auto umgestiegen sind, sei das Problem „noch nicht bei allen durchgedrungen“ – es könnte also erst in den nächsten Wochen richtig sichtbar werden. (Die DB weist im Norden weiter auf Einschränkungen rund um Bauarbeiten hin.)

Für Schwerin ist das Ganze mehr als nur ein Ärgernis im Alltag: Im Schreiben ist von einem Rückschritt die Rede – gerade im Kontext der Metropolregion Hamburg. Während andere Orte morgens teils besser angebunden seien, werde die Landeshauptstadt „weiter abgehängt“. Und am Ende zählt für Pendler vor allem die Uhr: Fernverkehr nach Hamburg etwa 56 Minuten – Regionalverkehr eher rund 1 Stunde 35 Minuten. Das ist der Unterschied zwischen „passt“ und „zerlegt den Tag“.

Die Forderung ist entsprechend klar: Stadt Schwerin und das Land Mecklenburg-Vorpommern sollen sich aktiv für eine Rückkehr bzw. Verbesserung früher, schneller Verbindungen einsetzen – damit Bahnfahren für Pendler nicht zum Glücksspiel wird.


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