(stm/red) In Schwerin erfreut sich das Instrument der Bürgerfrage wachsender Beliebtheit. So gab es auf der gestrigen Fragestunde insgesamt drei Fragestellerinnen und Fragesteller. Eine Anfrage kam von Frau Köhnlein von BUND – und sie zielte auf ein Thema, das in vielen Gesprächen über Klimaschutz längst ganz oben steht: Was tut die Stadt konkret beim Ausbau der Solarenergie, besonders auf den Dächern städtischer Gebäude?
Beantwortet wurde die Bürgerfrage vom 1. Stellvertreter des Oberbürgermeisters, Bernd Nottebaum der als Übergangs OB aktuell die Amtsgeschäfte führt. In seiner schriftlichen Antwort beschreibt er zunächst das Potenzial kommunaler Dachflächen: Mehrere Potenzialstudien hätten gezeigt, dass die Landeshauptstadt hier „ein großes Potential“ zur Nutzung solarer Energie hat. Darauf aufbauend sei eine städtische Photovoltaik-Strategie entworfen worden. Ziel sei, die Dachflächen „maximal“ zu belegen – soweit es technisch und wirtschaftlich möglich ist.
Konkret bedeutet das laut Stadt: Bei laufenden Sanierungs- und Neubauprojekten werde die Nachrüstung beziehungsweise die Realisierung neuer Photovoltaik-Anlagen jeweils geprüft. Auch bei Bestandsobjekten schaue man auf Nachrüstungen, allerdings abhängig von den wirtschaftlichen und statischen Randbedingungen. Gleichzeitig macht die Antwort deutlich, warum der Ausbau auf städtischen Dächern nicht automatisch „von allein“ skaliert: Die Verpachtung von Dachflächen an externe Dritte sei zwar in der Vergangenheit an einzelnen Standorten erfolgreich gewesen, die aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen hätten aber dazu geführt, dass kommunale Dachflächen für externe Investoren derzeit unattraktiver geworden sind.
Schon fast innovative Ansätze
Einen Hebel sieht die Stadt in der besseren Nutzung von selbst erzeugtem PV-Strom über mehrere Liegenschaften hinweg. Das Zentrale Gebäudemanagement (ZGM) prüfe demnach gemeinsam mit den Stadtwerken Schwerin die alternative Einrichtung eines kommunalen Strombilanzkreises. In diesem Modell könnten lokale Überschüsse aus Photovoltaik-Anlagen bilanziell mit dem Verbrauch anderer städtischer Gebäude verrechnet werden. Genau das soll nach Darstellung der Verwaltung einen zusätzlichen Anreiz schaffen, den Ausbau weiter voranzutreiben.
Zu den städtischen Immobilien nennt die Verwaltung auch Eckzahlen: Auf kommunalen Liegenschaften seien derzeit Photovoltaik-Anlagen mit 248 kWp in Betrieb. Weitere rund 780 kWp befänden sich in Planung – mit einem Realisierungshorizont bis etwa zum Jahr 2030. Eine gesonderte Strategie für den Ausbau von Solarthermie auf städtischen Immobilien gebe es hingegen derzeit noch nicht. Begründung: Die Wärmeversorgung erfolge in der Regel über die städtische Fernwärme, in Einzelfällen über Wärmepumpen.
Wie sich Photovoltaik insgesamt im Stadtgebiet entwickelt hat, belegt die Antwort mit Zahlen aus dem Marktstammdatenregister, ausgewertet über das Monitoring der Initiative „Wattbewerb“. Demnach wurden 2020 in Schwerin 3.870 kWp neue PV-Leistung in Betrieb genommen, davon 3.450 kWp gewerblich (89,1 Prozent) und 420 kWp privat (10,9 Prozent). Für 2025 weist die Stadt 18.558 kWp neu in Betrieb genommene PV-Leistung aus; davon 16.450 kWp gewerblich (88,6 Prozent) und 2.108 kWp privat (11,4 Prozent).
Auch rechtlich sieht die Verwaltung Möglichkeiten, Solar stärker zu verankern. Nottebaum verweist auf die Bauleitplanung: demnach könne in Bebauungsplänen festgesetzt werden, dass auf neu zu errichtenden Gebäuden Photovoltaik-Anlagen zur Strom- oder Wärmeerzeugung installiert werden. Das kommunale Klimamanagement im Fachdienst Umwelt berufe sich bei geeigneter Dachexposition nach eigenen Angaben auf diese Grundlage und fordere entsprechende Festsetzungen in Planverfahren ein.
Hier kann die Anfrage, nebst Beantwortung eingesehen und heruntergeladen werden:
Wer selbst eine Anfrage an die Stadtvertretung stellen will, kann dies über folgenden Link tun:
Bürgerfragestunde der Stadtvertretung Schwerin – Anfrage einreichen – Serviceportal Schwerin












