(stm/red) In Schweriner CDU Kreisen wird gerade über „Arbeitswelt von morgen“ diskutiert – nur dass es für viele längst nicht nach Zukunft klingt, sondern nach ganz normalem Alltag. Teilzeit ist hier für viele kein bequemes Extra, sondern die Art, wie man Leben überhaupt organisiert bekommt: Kinder, Pflege, Gesundheit, Schichtpläne, Wegezeiten. Und genau deshalb kommt ausgerechnet aus Schwerin jetzt ein deutliches Signal in Richtung Berlin.
Die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft Mecklenburg-Vorpommern (CDA MV), der Arbeitnehmerflügel der CDU, stellt sich gegen Pläne, die Teilzeitregelung zu streichen oder spürbar einzuschränken. Die Position kommt nicht aus irgendeinem Thinktank, sondern aus der Landesgeschäftsstelle in Schwerin.
Der Kern der Botschaft ist simpel: Wer an Teilzeit rüttelt, rüttelt an einem Grundpfeiler moderner Arbeitsbedingungen. In der Pressemitteilung heißt es, Teilzeit sei ein zentrales Instrument für faire, familienfreundliche und zeitgemäße Arbeit. Und sie ist für viele nicht verhandelbar, weil sie die einzige Lösung ist, die den Alltag zusammenhält. Genannt werden ausdrücklich Eltern, pflegende Angehörige, Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen – und Beschäftigte, die ihre Arbeitszeit bewusst so gestalten, dass sie langfristig leistungsfähig bleiben.
Das trifft einen Nerv, der in Schwerin sofort verständlich ist. In Pflege und Gesundheit, im Handel oder im öffentlichen Dienst sind flexible Stunden oft nicht „Lifestyle“, sondern der Versuch, alles gleichzeitig zu schaffen: Job, Familie, Verantwortung. Wer das rechtlich schwächt, verschiebt das Problem nicht – er schiebt es nur in die Küchen, auf die Dienstpläne und in die Familien hinein.
Die CDA argumentiert dabei nicht nur sozial, sondern auch mit Blick auf den Arbeitsmarkt. Teilzeit, so der Verband, erhöhe die Erwerbsbeteiligung, helfe Fachkräfte zu sichern und könne Motivation sowie Produktivität stabil halten. Eine Streichung wäre aus dieser Sicht nicht nur ein falsches Signal an Beschäftigte, sondern auch kurzsichtig für die Wirtschaft – weil sie genau die Menschen trifft, die man eigentlich im Job halten will.
Bemerkenswert ist ein weiterer Punkt, den die CDA MV ausdrücklich anspricht: Steuergerechtigkeit. Flexible Arbeitsmodelle dürften nicht zu steuerlichen Nachteilen führen. Und sie dürften nicht so behandelt werden, als wären sie ein Trick, um sich „herauszuwinden“. Wer ernsthaft über Arbeitszeit redet, muss auch darüber reden, ob das System unterschiedliche Lebensmodelle fair behandelt – oder ob es am Ende die belastet, die ohnehin schon jonglieren müssen.
Statt an Teilzeit zu sägen, fordert die CDA MV, die Maßnahme zu überdenken und den Dialog zu suchen – mit Betroffenen, Interessenvertretungen und Fachleuten. Der Anspruch dahinter ist klar: Wenn Politik „moderne Arbeitswelt“ sagt, dann muss sie auch Regeln schaffen, die zu den realen Lebensbedingungen passen. Teilzeit gehört für die CDA MV genau dazu – als unverzichtbarer Bestandteil, nicht als Störfaktor.
Dass diese Ansage aus Schwerin kommt, ist mehr als eine Randnotiz. In einer Debatte, die oft von Schlagworten lebt, erinnert die CDA MV daran, worum es am Ende geht: nicht um Etiketten – sondern darum, ob Menschen ihr Leben noch vernünftig auf die Reihe bekommen.
Hier kann die Pressemitteilung dazu eingesehen und heruntergeladen werden:

















