(red/stm) Wer in der Marienplatz-Galerie einkauft, rechnet eher mit Sonderangeboten als mit Herzdruckmassage. Genau das ist aber die Idee hinter dem 1. Schweriner Blaulicht-Tag: Wiederbelebung dorthin bringen, wo viele Menschen sowieso sind – mitten in die Stadt.
Am Mittwoch, 4. Februar 2026, findet in der Marienplatz-Galerie von 10 bis 18 Uhr ein Aktionstag rund um Erste Hilfe und Rettung statt.
Herzstück ist ein Wiederbelebungstraining an 30 Übungsstationen. Schulklassen starten dabei stündlich mit kurzen Grundlagen und gehen anschließend ins praktische Training. Besucherinnen und Besucher können jederzeit dazukommen – auch in Form eines kleinen Wettkampfs, begleitet von Musik und vernetzten Übungspuppen.
Warum das Thema plötzlich in die Fußgängerzone rückt
Aus Sicht der Veranstalter ist der Punkt klar: Beim plötzlichen Herzstillstand entscheidet die Zeit vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes. Der Verein NOFiAS e.V. (Notfallversorgung im ambulanten Sektor) spricht von Versorgungslücken – unter anderem, weil es bisher kein flächiges öffentliches AED-Netz, kein einheitlich organisiertes Ersthelfer-System und insgesamt eine zu geringe Ersthelferquote gebe. Der Blaulicht-Tag soll deshalb nicht nur üben lassen, sondern auch den Start für den Aufbau eines öffentlich sichtbaren AED-Netzes markieren. AED – das sind automatisierte externe Defibrillatoren, die Laien im Notfall per Sprachanweisung unterstützen können.
Feuerwehr, DRK, THW, Polizei – Blaulicht zum Anfassen
Neben dem Training setzen die Beteiligten auf „Anfassen statt nur Zuschauen“. Die Berufsfeuerwehr Schwerin bringt Rettungswagen und Notarzteinsatzfahrzeug mit und zeigt Wiederbelebung in moderierten Einsatzabläufen. Das DRK kündigt unter anderem Mini-Drohnen an, mit denen Besucher kleine „Rettungsaktionen“ fliegen können, außerdem Themen wie Notbevorratung und Bevölkerungsschutz. Der Stadtfeuerwehrverband will Verhalten bei Brand und Rauchgas erklären, die Stadtjugendfeuerwehr zeigt Erste Hilfe aus Kinderperspektive.
Mit dabei sind außerdem ASB und Katretter, die auch ein organisiertes Ersthelfer-System vorstellen, die Polizei mit Präventions- und Zivilcourage-Themen, das THW mit Einsatztechnik sowie HERZkönig Medizintechnik mit einer „AED-Meile“. Als weiteres Highlight ist von 13 bis 14 Uhr ein „Ein-Stunden-Wiederbelebungsmarathon“ angekündigt – verbunden mit der Spende eines AED-Witterungskastens für das geplante Netz.
Ministerin angekündigt – und die Frage, was danach bleibt
Für 14 bis 15 Uhr ist laut Einladung ein Termin mit Gesundheitsministerin Stefanie Drese und Stadtvertretern in einem „feierlichen Rahmen“ angekündigt. In dem Zusammenhang wird Drese mit dem Satz zitiert, Erste Hilfe lasse sich lernen – je früher, desto mutiger würden Helfende im Ernstfall reagieren.
Ob der Aktionstag am Ende mehr ist als ein starkes Signal, wird sich daran messen lassen, was danach tatsächlich entsteht: Wo kommen AEDs hin, wie wird die Erreichbarkeit organisiert – und wie werden Ersthelferinnen und Ersthelfer eingebunden? NOFiAS wirbt in seinen Unterlagen für eine einheitliche AED-Datenbank in öffentlicher Hand und für ein schnell eingeführtes Ersthelfer-System, das Freiwillige per Smartphone alarmiert, während der Rettungsdienst noch auf Anfahrt ist.
















