(PM/LHSN/red)
In Schwerin ist vor wenigen Tagen ein neuer „News-Player“ aufgetaucht: „Schwerin ist geil“. Schon der Name klingt wie ein Sticker aus dem Tourismusbüro, der nachts heimlich an Laternen geklebt wird – direkt neben „FCKAFD“ und „FCH“. Oder wie so ein Lied, dass in Schwerin schon den Status von Wham! – Last Christmas hat. Jeder kennt es, aber man kann es einfach nicht mehr hören.
Die Seite verkauft sich als „Nachrichtenquelle“ über Schwerin. Nur eben nicht nur mit Fakten, sondern mit Pointen. Und das ist ein gewagtes Geschäftsmodell in einer Stadt, in der die Wirklichkeit regelmäßig versucht, jede Pointe zu überholen – und dabei stur geradeaus fährt. Man fragt sich unweigerlich, ist das Satire oder Information.
Wenn Satire hier funktioniert, dann nur, weil wir’s gewohnt sind
Das Konzept ist klar: lokale Aufreger, städtische Marotten, Kultur- und Politikklischees – einmal durch den satirischen Fleischwolf gedreht, bis es schön knackt. Da wird aus banalen Schwerin-Themen ein Boulevard-Universum: groß, laut, und immer einen Tick drüber.
Das ist erstmal sympathisch. Vor allem, weil es das richtige Material erwischt: Schwerin hat diese besondere Mischung aus „Wir sind Hauptstadt“ und „Wir wirken trotzdem wie ein Dorf mit Schloss“. Der perfekte Nährboden für Satire.
Nur: Die Latte liegt hier hoch. Denn Schwerin ist nicht Berlin. Hier reicht es nicht, einen Gag zu machen – du musst ihn gegen die Realität verteidigen, die meist nach Wahnsinniger ist als jede Satire.
Die Satire trifft – aber manchmal am falschen Ohrläppchen
Was die Seite gut kann: Dieses Schwerin-Gefühl, wenn du morgens denkst „Heute wird ein normaler Tag“ und ab mittags stellst du fest, dass du schon wieder in einem Plot gelandet bist, den keiner geschrieben haben will.
Was sie weniger gut kann: wirklich weh tun. Ein Teil der Texte ist eher „kicherndes Schulterklopfen“ als „Treffer mit Ansage“. Eher: „Ach Schwerin, du Chaot“ – statt: „Schwerin, wir müssen reden.“
Und genau da liegt das Problem: Satire, die zu nett ist, wird in Schwerin sofort assimiliert und mit den alltäglichen Meldungen verwechselt.
Satire über Satire: Willkommen im Endlevel der Kleinstadt
Denn natürlich machen wir jetzt Satire über eine Satire-Seite. Das ist die logische Eskalationsstufe in einer Stadt, die es schafft, aus jeder Diskussion eine Grundsatzfrage zu machen – selbst aus Parkbänken, Straßennamen oder der Frage, ob man zu einem Thema (wie beispielsweise Stadtteilpark Lankow) noch etwas sagen darf oder man dadurch einen potenziellen Geldgeber verärgert.
Schwerin ist nämlich nicht nur ein Ort. Schwerin ist ein Zustand: leicht beleidigt, schwer begeistert, immer kurz davor, „da muss man erstmal drüber sprechen“ zu sagen.
Und wenn dann eine Satire-Seite kommt und sagt: „Wir halten euch den Spiegel vor“, dann ist die einzig echte Schweriner Reaktion:
„Spiegel? Ja, aber bitte nicht so groß.“
„Schwerin ist geil“ ist ein unterhaltsamer neuer Mitspieler. Aber wenn die Seite wirklich „die geilste Nachrichtenquelle“ sein will, muss sie konsequenter sein: weniger Wohlfühl-Witz, mehr bissige Wahrheiten. Schwerin verträgt das. Schwerin braucht das. Und ganz ehrlich: Schwerin liefert das Material sowieso gratis – Tag für Tag, frei Haus, kostenfrei unter anderen auf http://www.schwerin.news
Wir wünschen dem neuen Projekt viel Erfolgt und einen langen Atem.


















