(red/stm)

Die Debatte um gestrichene ICE-Frühverbindungen von Rostock/Schwerin nach Hamburg bekommt neuen Zündstoff: Eine Pendler-Initiative widerspricht der Darstellung der Deutschen Bahn, wonach die betroffenen Züge wegen zu geringer Auslastung aus dem Fahrplan genommen wurden. In einer Mail, die unserer Redaktion vorliegt, verweist die Gruppe auf eigene Aufstellungen und spricht von einer Begründung, die „von vielen Pendlern nicht nachvollzogen werden“ könne.

Konkret geht es um die frühen ICE-Verbindungen auf der Achse Rostock – Schwerin – Hamburg. Nach Angaben der Pendler seien die Züge – insbesondere der ICE 1599 – regelmäßig deutlich stärker genutzt worden, als es die Bahn mit einer Auslastungszahl von 15 Prozent nahelege. Die Initiative schreibt, der ICE 1599 sei „immer gut ausgelastet“ gewesen und liege nach Einschätzung vieler Nutzerinnen und Nutzer eher „bei mind. 40–70 %“.

Als entscheidenden Punkt nennt die Gruppe die Datengrundlage. Wenn die Bahn tatsächlich mit einer so niedrigen Auslastung argumentiere, müsse sie – so die Forderung – nachvollziehbar offenlegen, wie diese Zahl zustande komme. Genannt werden insbesondere Abo- und Zeitkarten (Monats-/Jahreskarten, ICE-Dauerkarten) sowie „Tickets aus dem normalen Verkauf“, die in einer Gesamtbetrachtung berücksichtigt werden müssten. Die Pendler verweisen darauf, dass die DB hierfür etwa die Zahl der Jahres- und Monatsabos aus 2023/2024 (bzw. aus der Zeit vor Corona) sowie die regulären Ticketverkäufe zusammenführen könne.

Was sich im Fahrplan verändert


Für den Stand Ende Oktober 2023 ist in der Übersicht unter anderem der ICE 1599 mit Abfahrt 04:58 Uhr in Rostock, 05:56 Uhr in Schwerin und Ankunft 07:04 Uhr in Hamburg aufgeführt. Ab Dezember 2024 verschiebt sich diese Verbindung deutlich nach hinten (Rostock 05:45 Uhr, Schwerin 06:41 Uhr, Hamburg 07:46 Uhr). Ab Dezember 2025 taucht in der Aufstellung am Morgen dann nur noch eine deutlich spätere ICE-Verbindung auf: Rostock 07:04 Uhr, Schwerin 08:06 Uhr, Hamburg 09:12 Uhr. Aus Pendler-Sicht ist das der Kern des Problems: Die wirklich frühe Ankunft in Hamburg, die vor allem Berufspendler brauchen, fällt weg.

Vermuteter „eigentlich“ Grund: Engpässe und Takt-Verschiebung Berlin–Hamburg


Die Initiative legt sich in ihrer Mail nicht endgültig fest, formuliert aber eine klare Vermutung: Die Streichungen auf Rostock–Schwerin–Hamburg könnten weniger mit mangelnder Nachfrage zu tun haben, sondern mit Kapazitätsproblemen auf der insgesamt stark belasteten Achse nach Hamburg – und mit einer engeren Taktung zwischen Berlin und Hamburg in den Jahren 2024/2025. Wörtlich heißt es sinngemäß: Wegen Streckenauslastung und der dichteren Berlin-Hamburg-Taktung seien ICE-Frühverbindungen aus Richtung Rostock/Schwerin gestrichen worden. Dazu passt aus Sicht der Pendler, dass Hamburg Hbf bereits zuvor „kaum noch Kapazitäten“ geboten habe.

Als weiterer Faktor wird ein genereller Ressourcenengpass bei der Bahn genannt: Fuhrpark und Personal seien „am Limit“. Wenn auf stark nachgefragten Korridoren die Taktung erhöht werde, fehle Material und Personal an anderer Stelle – etwa bei Frühverbindungen aus Mecklenburg.

Wer in den frühen Zügen sitzt – und warum das in Zahlen schwer sichtbar sein kann


In einer beigefügten Übersicht ordnet die Initiative typische Fahrgastgruppen zu: Berufspendler mit Zeitkarten/Abos, Reisende mit „normalen“ Tickets sowie Urlaubs- und Umsteigerverkehre (zum Beispiel Richtung Flughafen oder Kreuzfahrt) und auch Fahrten im Zusammenhang mit Reha/Kur. Gerade Zeitkarten- und Abo-Nutzung ist in Auslastungsdiskussionen oft der strittige Punkt: Fahrgäste sehen volle Züge – während in öffentlichen Debatten häufig nur pauschale Prozentzahlen zirkulieren, ohne dass klar ist, welche Ticketarten und welche Zählmethodik dahinterstehen.

Wie es jetzt weitergehen könnte


Die Pendler-Initiative will mit der Aufstellung nach eigener Darstellung belegen, dass die offizielle Argumentation der DB „widerlegt“ sei. Damit dürfte die Diskussion in der Region neu aufflammen: Wenn es tatsächlich weniger um Nachfrage und mehr um Netz- und Personalengpässe geht, wäre das eine andere politische Baustelle – und eine, die sich nicht mit dem Hinweis „zu leer“ erledigen lässt.


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