(stm/red)
In der Schweriner Weststadt könnte ausgerechnet der Denkmalschutz zur entscheidenden Hürde für ein geplantes Parkhaus werden – und damit indirekt auch zur Chance für den Erhalt von Grünfläche und Hundewiese am Lambrechtsgrund. Hintergrund ist eine laufende Prüfung, ob sich das Bauvorhaben überhaupt mit dem historischen Umfeld und den geschützten Sichtbeziehungen vereinbaren lässt.
Aus dem aktuellen Protokoll der vergangenen OTV Weststadt geht hervor, dass der Fachdienst Bauen und Denkmalpflege eine ausführliche Einordnung geliefert hat. Im Kern: Für die ehemalige HO-Gaststätte „Panorama“ – die bekannte Hyparschale – liegt eine sogenannte Denkmalswertbegründung vor. Sie stammt vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege und dokumentiert, warum die Hyparschale als Baudenkmal gilt.
Wichtig ist dabei ein Punkt, den die Verwaltung ausdrücklich betont: Die Beschreibung des Denkmalwertes erfolge unabhängig vom Zustand des Objekts – also losgelöst davon, ob aktuell Erhaltungs-, Ergänzungs- oder Verwertungsstrategien diskutiert werden. Es geht aus Sicht der Denkmalpflege zunächst um die Schutzwürdigkeit an sich und um die Elemente, die den Denkmalcharakter ausmachen.
Denkmalsverträglichkeitsprüfung auf den Weg gebracht
Genau an dieser Stelle wird es für die aktuelle Planung relevant. Denn nun soll eine Denkmalverträglichkeitsprüfung bewerten, welche Auswirkungen ein Bauvorhaben in diesem Bereich auf umliegende Denkmale und vor allem auf visuelle und räumliche Beziehungen hätte. Im Protokoll wird beschrieben, dass die Prüfung auf der Denkmalswertbegründung aufbaut und zusätzlich weitere Erkenntnisse einbezieht – genannt werden etwa Denkmalbeschreibungen zur Sport- und Kongresshalle und zum Wohnhochhaus, außerdem Sichtfeldstudien.
Die Leitlinie dafür sieht die Verwaltung im § 6 Denkmalschutzgesetz M-V: Planungen sollen so gesteuert werden, dass eine denkmalgerechte Erhaltung und Nutzung gesichert wird. Übersetzt in die Praxis heißt das: Wenn in einem Bereich mit mehreren denkmalgeschützten Gebäuden neu gebaut werden soll, muss geprüft werden, ob das Vorhaben den historischen Kontext, die Sichtbeziehungen und das Erscheinungsbild denkmalgeschützter Anlagen beeinträchtigt. Auch der „Charakter der städtebaulichen Gesamtanlage“ soll gewahrt werden, um negative Auswirkungen auf Denkmalwerte zu vermeiden.
Im Protokoll ist außerdem festgehalten, dass diese Unterlagen den Rahmen für die behördliche Abwägungs- und Ermessensprüfung der geplanten „städtebaulichen Nachverdichtung“ durch das avisierte Parkhaus bilden sollen. Heißt: Noch ist nicht entschieden – aber es wird an Kriterien gemessen, die im Zweifel mehr sind als nur eine formale Randnotiz.
Anwohnende wollen weiter Protest aufbauen
Politisch brisant wird das Thema durch einen weiteren Satz im Dokument: Herr Rothe, engagierter Bürger aus der Weststadt, sieht den Bürgerentscheid zum Stadtteilpark in Lankow ausdrücklich als „Wendepunkt“ für die Verwaltung – und hält sogar einen Bürgerentscheid zum geplanten Parkhaus am Lambrechtsgrund für denkbar. Damit schiebt sich neben der Denkmalschutz-Prüfung ein zweiter Konfliktmotor in den Vordergrund: die Frage, ob die Stadt bei sensiblen Grünflächen künftig schneller an die Grenze dessen kommt, was die Bevölkerung mitträgt.
Für Anwohnerinnen und Anwohner, die die Fläche heute als Grünzug, Aufenthaltsort oder Hundewiese nutzen, ist das Verfahren deshalb mehr als Verwaltungsroutine. Die Denkmalverträglichkeitsprüfung könnte am Ende zur Bremse werden – oder zur Auflage, die das Vorhaben deutlich verändert. Klar ist: Die Entscheidung wird nicht nur an Parkplätzen hängen, sondern auch an Blickachsen, Ensemblewirkung und dem Gewicht eines Baudenkmals, das in der Weststadt nicht isoliert steht, sondern Teil eines größeren städtebaulichen Zusammenhangs ist.
Einwohnerantrag will 2000 Unterschriften zusammenbekommen
Ob es am Ende zu einem Bürgerentscheid kommt ist derzeit noch nicht absehbar. Was aber bekannt ist, dass das UB Mitglied Ronny Alex, der sich in der Nachbarschaft in der Weststadt und drüber hinaus durch verschiedene Aktionen einen Namen gemacht hat, weiter für einen Einwohnerantrag Unterschriften sammelt. Sollte Ronny Alex die 2000 gültigen Unterschriften zusammenbekommen, kann er einen Antrag in die Stadtvertretung einbringen, der genauso behandelt wird, wie der von Fraktionen.
Hier kann die Unterschriftenliste für den Einwohnerantrag heruntergeladen und eingesehen werden:
https://wieseretten.neocities.org/
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