(Leserzusednung)
Manchmal sind es keine großen Geschichten, die einem den Tag retten – sondern ein kurzer Moment, eine kleine Geste, die man nicht vergisst. Eine Leserin hat unserer Redaktion dazu eine Mail geschrieben. Sie wollte sich noch einmal bedanken – bei einem Unbekannten, der ihr an der Haltestelle Kieler Straße geholfen hat. Das war passiert:
Es war anfang der Woche in Lankow an der Haltestelle Kieler Straße, mit diesem matchigen, schmutzigen Schnee, der an den Rändern liegt und an den Schuhen klebt. Die Leserin stand an der Haltestelle, wollte gerade los, als sie beim Griff in die Tasche merkte: Der Schlüsselbund ist weg. Haustür, Wohnungstür, Keller, Büroräume von der Arbeit, Gartentor, Fahrrad – alles dran.
Sie ging ein paar Schritte zurück, suchte zwischen den dunklen Pfützen und den zusammengeschobenen Schneeresten. Neben ihr wartete ein Mann, Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Er sah kurz rüber und fragte nur: „Alles okay?“ Als sie „Schlüssel“ sagte, ging er ein Stück mit – ohne große Worte, ohne Aufhebens.
Nach wenigen Minuten bückte er sich an der Bordsteinkante, genau dort, wo der Schnee zu einer grauen Wulst zusammengedrückt war. Ein kurzes Blitzen im Dreck – und der Schlüsselbund war wieder da. Er drückte ihn ihr in die Hand, nickte knapp und ging weiter, als wäre das nichts Besonderes.
Die Bahn kam, sie stieg ein und fuhr los – immer noch mit diesem Gefühl zwischen Schreck und Erleichterung. In der Mail schreibt sie, sie habe in dem Moment gar nicht richtig reagieren können. Das „Danke“ sei zu klein gewesen für das, was es für sie bedeutete. Und genau deshalb meldet sie sich jetzt noch einmal: Weil sie hofft, dass der Mann es vielleicht liest, und wollte ein Danke ausrichten.
Den kleinen Gefallen tun wir gerne.
















