(red/stm)
Der Spendenaufruf für den Spielplatz an der Kieler Straße in Lankow sorgt weiter für Diskussionen – diesmal wegen der Zahl, die seit Tagen durch Beiträge und Presse-Texte geistert: „30.000 bis 40.000 Euro“. Dies sei der Betrag, der am Ende zusammenkommen soll. Während diese Summe öffentlich als „erste Schätzung“ für einen Neuaufbau genannt wird, stellt der zuständige städtische Eigenbetrieb SDS (die zuständige Fachabteilung für Spielplätze in der Stadt) auf Anfrage eines Stadtvertreter klar: „Eine Kostenschätzung wurde in dem Zusammenhang nicht abgegeben.“
Kommentar: Man muss hier beachten. Die Aufrufer sind immerhin Stadtpräsident Ehlers, OB Kandidat und Stadtvertreter sowie die Vorsitzende der Ortsteilvertretung Lankow (beide wollten über Jahre den Park abreißen) und positionieren sich nun – so hat es den Anschein – nicht nur mit der inzwischen widerlegten Behauptung „gesperrte Bereiche“ sondern auch noch mit nicht verifizierten Zahlen – als Retter des Stadtteilpark. Vom Amateuren kann man derartige aus der Luft gegriffenen Schätzung durchgehen lassen, aber hier haben die beiden, in politischer Verantwortung stehenden Initiatoren, nicht einmal Daten von der zuständigen SDS eingeholt, sonder – wie es scheint „geschätzt“.
30.000 bis 40.000 Euro – aber wer hat das gerechnet?
Die Summe taucht in veröffentlichten Texten mit identischer Formulierung auf. Dort heißt es, für den Spielplatz würden „nach ersten Schätzungen“ rund 30.000 bis 40.000 Euro benötigt – als Zitat von Ortsteilvorsitzender Cordula Manow, auf das sich auch der OB Kandidat und Stadtpräsident Ehlers stützt. Auffällig: Eine nachvollziehbare Herleitung (Angebote, Leistungsbeschreibung, Kalkulation, Quelle) wird in den veröffentlichten Texten nicht mitgeliefert. In der Praxis bleibt damit offen, ob es sich um eine belastbare Schätzung handelt – oder um eine Zahl, die einfach in den Raum gestellt wurde.
Parallel läuft die Kampagne auf GoFundMe einfach weiter. Zitierungen von „gespeert“ sind inzwischen verschwunden. Als Spendenziel steht dort aktuell s Ziel 9.000 Euro; mit Stand 17. Februar wurden 3.470 Euro gesammelt.
Das passt zu einem „Schritt-für-Schritt“-Ansatz, macht die Kernfrage aber eher drängender: Wofür sollen 30.000 bis 40.000 Euro am Ende eingesetzt werden?
SDS: „Keine Kostenschätzung abgegeben“
Jetzt liegt eine Antwort der SDS-Werkleitung vor (Mail an Stadtvertreter und Werksausschussmitglied Karsten Jagau). Darin heißt es unter anderem:
„… zu Möglichkeiten der Verwendung der Spendengelder vor Ort, ist die Prüfung eines barrierefreien Zugangs und/ oder eines zusätzlichen inklusiven Spielgerätes in Aussicht gestellt worden. Eine Kostenschätzung wurde in dem Zusammenhang nicht abgegeben.“
Das ist bemerkenswert, weil die „30.000–40.000“ in der öffentlichen Debatte immer wieder so wirken, als stamme die Zahl aus fachlicher Bewertung. Genau das bestätigt SDS hier ausdrücklich nicht.
Der bisherige Widerspruch: „gesperrt“ – aber laut Stadt nicht gesperrt
Bereits zuvor hatte die Pressestelle – nach Rückmeldung der SDS – erklärt, am Spielplatz gebe es keine Sperrungen, der Zustand sei „verkehrssicher“; geplant seien lediglich kleinere Arbeiten (u. a. Bretter am Aufstieg). http://www.schwerin.news berichtet von dieser städtischen Einordnung und hält fest: Belege für die zuvor verbreitete Darstellung („beschädigt oder gesperrt“) gebe es „offensichtlich nicht“.
Was die Öffentlichkeit jetzt erwarten müssen darf: Transparenz statt Bauchgefühl
Wenn Politik öffentlich zum Spenden aufruft, ist das legitim – aber dann müssen Zahlen auch prüfbar sein. Im Moment sind zwei Dinge gleichzeitig wahr: Öffentlich ist von 30.000 bis 40.000 Euro die Rede, und gleichzeitig sagt der zuständige Eigenbetrieb sinngemäß: Wir haben dafür keine Kostenschätzung abgegeben.
Damit bleibt vor allem eine saubere, einfache Frage: Wer hat die „erste Schätzung“ erstellt – und woraus besteht sie? Ein kurzer Kostenrahmen (Material, Geräte, Montage, Fallschutz, barrierefreier Zugang, Planung) würde die Debatte sofort entkrampfen. Leider hat weder der Ortsbeirat (der schriftlich kaum erreichbar ist) noch Sebastian Ehlers bisher auf schriftliche Anfragen reagiert.
Und ja: Das Ganze spielt sich in einer politisch sensiblen Zeit ab. Die OB-Wahl ist für 12. April 2026 angesetzt. Umso wichtiger ist, dass Kommunikation über Sicherheit, Sperrungen und Geldbedarfe nicht nach Kampagne aussieht – sondern nach Fakten.
Bürgerinitiative gründet Verein
Am kommenden Donnerstag möchte die Bürgerinitiative, zu der die Initiatoren des Spendenaufrufes nach wie vor keinen Kontakt aufgenommen haben, einen Verein gründen. Dieser möchte sich dann in Kooperation mit der SDS um eine Patenschaft für den Stadtteilpark bemühen. Und die Werksleitung der SDS zeigt sich interessiert an einer derartigen Kooperation.



















