(red/ PM)
Wer vom Meer spricht, denkt oft an Urlaub, Weite und frische Brise. Rolf Nobel richtet den Blick auf die Menschen, ohne die es den „Ertrag Meer“ nicht gäbe: Fischer, Krabbenfischer, Seetangsammler, Leuchtturmwärter, Seacoaler und viele andere. Unter dem Titel „Arbeiter des Meeres“ eröffnet am Sonntag, 8. März, um 11:30 Uhr im Kulturforum des Schleswig-Holstein-Hauses eine Ausstellung mit weit über 100 Fotografien. Zu sehen ist sie bis zum 25. Mai.
Eröffnung mit Bericht aus erster Hand
Zur Ausstellungseröffnung will der Hannoveraner Fotograf selbst über das Projekt sprechen – eine „Herzensangelegenheit“, wie Nobel seine Langzeitarbeit beschreibt. Die Ausstellung ist als Station einer größeren Tour angelegt: Nach Schwerin soll sie an mehreren Orten in Deutschland und im Ausland gezeigt werden.
34 Jahre, vier Kontinente, ein Thema
Seit 34 Jahren begleitet Rolf Nobel Menschen, die am und auf dem Meer arbeiten – häufig unter Bedingungen, die spektakulär wirken, im Alltag aber schlicht hart und riskant sind. Seine Kamera war unter anderem auf einem Leuchtturm in Kanada, bei Lichtfischern auf Borneo, Seetangsammlern in Schottland, Schwertfischjägern in Italien, Seacoalern in England, bei Riesenkrabbenfischern hinter dem Polarkreis, Küstenfischern im Senegal und Pferdefischern in Belgien.
Auch ein Motiv mit direktem Nordostbezug ist Teil der Arbeit: Heringsfischer auf Rügen, wo die aktuelle Fischereikrise besonders drastisch spürbar ist. Nobels Anspruch: ein fotografisches Denkmal – und zugleich ein Archiv für eine Lebenswelt, die vielerorts unter Druck gerät.
Zwischen Tradition und Krise
Nobel verbindet die Porträts und Arbeitsszenen mit einem größeren Kontext: Die „Arbeiter der Meere“ prägen seit Jahrhunderten Küstenregionen – mit eigenen Gebräuchen, Musik, Sprache und Arbeitsweisen. Gleichzeitig geraten die Grundlagen ihres Broterwerbs ins Wanken: Erwärmung, Verschmutzung und industrielle Fischerei setzen vielen Küstenberufen zu. In vielen Regionen reicht der Ertrag nicht mehr zum Leben – immer häufiger wird die Arbeit der Vorfahren nur noch im Nebenerwerb weitergeführt, als Familientradition.
Ein prägender Name des Fotojournalismus
Rolf Nobel fotografierte bereits im Studium für die Gewerkschaftspresse, später folgten Reportagen unter anderem für stern, GEO, ZEITmagazin, SZmagazin, Brigitte und mare. 2000 wurde er Professor für Fotografie (u. a. an der HAW Hamburg und später an der FH Hannover/HsH). Er gründete und leitete das LUMIX Festival für jungen Fotojournalismus (2008–2018) sowie 2013 die Fotogalerie GAF in der Eisfabrik. 2016 erhielt er den Dr.-Erich-Salomon-Preis, einen der bedeutenden Fotopreise in Deutschland.
Passend zur Ausstellung existiert auch ein umfangreicher Bildband: „Arbeiter des Meeres“ erschien bereits 1995 als 320-seitiger Fotoband im Verlag Bildperlen.



















