(red/fab)

Schwerin sei „unternehmerfeindlich“, setzte Konzernen bzw Investoren zu „harte Grenzen“, das hört man öfter in politischen Diskussionen. Doch der Fall „Soja Monaland“ zeigt, dass wohl jahrelange Grentwertüberschreitungen hingenommen wurden. Und ja, außer einer Handvoll Menschen in Schwerin kennt niemand diese Geschichte – und das hat seinen Grund:


Zusammenfassung:

Die Firma „Mona Sojaland“ hat über Jahre hinweg Abwasser in das Schweriner Abwasserystem eingelassen, und dabei anscheinend die gesetzlich vorgeschriebenen Werte über Monate und Jahre nicht erfüllt.

Und die Politik hat das über Jahre hinweg im Prinzip einfach so hingenommen – jetzt nach ein paar Jahren wird da endlich mal was getan.

Ohne diesen Artikel würde aber niemand davon etwas wissen.


Seit Jahren beschäftigt nach http://www.schwerin.newws – Informationen ein Thema die Schweriner Abwasserentsorgung (SAE) und kommunale Gremien – abseits der öffentlichen Wahrnehmung: die Abwassereinleitung des Industriebetriebs Mona Sojaland.

Nach Informationen, die schwerin.news nun vorliegen, soll es bei dem Betrieb wiederholt zu Grenzwertüberschreitungen gekommen sein – unter anderem bei Parametern wie pH-Wert und Belastungswerten. Aus Gesprächen mit einer mit den Vorgängen vertrauten Person wurde uns mitgeteilt, die SAE sei „seit Jahren bemüht“, auf Verbesserungen hinzuwirken – vieles davon soll jedoch lange Zeit überwiegend im Hintergrund gelaufen sein.

Brisant ist dabei vor allem eines: Nach Darstellung aus dem Umfeld gab es über lange Zeit keine echte Debatte – auch weil Beratungen in kommunalen Gremien in der Regel nichtöffentlich stattfinden und Mehrheitsentscheidungen durch „inkompetente Mitläufer“ im Werksausschuss ermöglicht wurden. Für Außenstehende bleibt dadurch unklar, wie groß die Belastungen tatsächlich waren, welche Schritte wann eingeleitet wurden – und wie konsequent kontrolliert wurde.

Die als „Gefahr“ bezeichnete grentwertübverschreitung sei im zustänsigen Werksausschuss über Jahre hinweg heruntergespielt, verharmlost und bagatellisiert worden. Außer – in diesem Beitrag hier bei http://www.schwerin.news wurde das Thema bisher nirgends öffentlich angesprochen. Das ändern wir mit diesem Beitrag.

Worum es bei den Werten geht – Gefahren für Mitarbeitende?

Nach den uns vorliegenden Hinweisen sollen über Jahre hinweg unter anderem erhöhte CSB-Werte aufgefallen sein. CSB steht für Chemischer Sauerstoffbedarf – vereinfacht: ein Messwert dafür, wie stark Abwasser durch organische Stoffe belastet ist. Je höher der CSB, desto „mehr“ Stoffe sind im Wasser, die Sauerstoff binden und Prozesse in der Abwasserreinigung erschweren können.

Auch beim pH-Wert soll es wiederholt Auffälligkeiten gegeben haben. Darüber hinaus werden im Umfeld der Vorgänge auch Temperatur-Themen genannt. In internen Diskussionen soll es dabei nicht nur um Technik, sondern auch um mögliche Arbeitsschutz-Aspekte an Abfluss- und Anlagenpunkten gegangen sein. Diese waren demnach seit Jahren bekannt, aber wurden nur zögerlich durch die zuständige Werksaufsicht angegangen. Mitarbeiterinnen udn MItarbeiter des Unternehmens wurden nur marginal informiert – dass Gefahr für Gesundheit ausgeht, wenn sie an den entsprechenden Abwasser-Installationen eingesetzt wurden.

Hinhaltetaktik, oder normale Reaktionszeiten: Zwangsgelder, unzählige Fristen, neue Versprechen

Statt „großer Schlagzeilen“ sollen über Jahre vor allem Verwaltungsverfahren, Gespräche und Fristen den Umgang mit dem Thema geprägt haben. Bereits 2022 sei demnach ein Zwangsgeld angedroht worden. In Unterlagen aus 2022 soll zudem vermerkt sein, dass Zwangsgelder (unter anderem 5.000 und 10.000 Euro) im Raum standen bzw. beglichen wurden – verbunden mit weiteren Schritten, falls Grenzwerte nicht eingehalten würden.

Im Jahr 2023 sollen bei einem Vor-Ort-Termin Produktionsweise und geplante technische Maßnahmen vorgestellt worden sein; auch hier ist aus dem Umfeld von Fristverlängerungen und zeitweiser Zurückhaltung bei der Zwangsgeldfestsetzung die Rede. 2024 tauchen nach unseren Informationen erneut Telefontermine, Meilensteinpläne und die Vorbereitung weiterer Fristerstreckungsanträge auf.

Größter Einleiter – aber „kein Zusammenbruch“

Politisch heikel ist ein weiterer Punkt: Mona Sojaland wird in Sitzungsunterlagen als größter Einleiter und Wasserabnehmer im Versorgungsgebiet beschrieben. Gleichzeitig wird dort sinngemäß festgehalten, ein „Zusammenbruch“ der Kläranlage sei aufgrund der Vermischung im Gesamtabwasser auszuschließen. Das kann beruhigen – oder den Druck aus der Debatte nehmen: Wenn „nichts kollabiert“, bleibt vieles intern.

Jetzt Nachrüstung: Puffer, Messung, Steuerung. Problem wird anscheinend angegangen.

Nun heißt es, die technischen Probleme würden endlich substanziell angegangen. Nach aktuellen Informationen sollen vor Ort nach 7 Jharen zusätzliche Puffer- und Messlösungen aufgebaut bzw. erweitert werden – inklusive technischer Steuerung. Ob damit Grenzwertüberschreitungen dauerhaft beendet werden, wird sich erst zeigen müssen.

Hinweis:

Man bedenke dabei – Mona Sojaland ist noch halbsweg öko – aber ein Chemimagnat steht in den Startlöchern… Wenn schon bei Soyamilch so lange gemauschelt wird… ;-)



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