(red/stm)
Vorab. Ja, es geht hier um ein einfaches Thema. Spielplatz, Stadtteilpark. Aussagen. Doch wenn schon hier viel herumgeschnuschelt und Unwahres behauptet wurde, wie soll man den Stadtpräsidenten, der Oberbürgermeister werden will dann bei großen Themen vertrauen? Wenn er die Chance auf Richtigstellung nicht nutzt, sondern nur noch mehr Unklarheiten mitteilt, einen wischiwaschi Kurs fährt – muss man nochmal genauer hinsehen.
Sebastian Ehlers hat sich nun öffentlich in einem Interview bei Schwerin Lokal zu dem Thema Spendenaufruf unter Falschen Tatsachenbehauptungen, geäußert – und genau das macht die Sache schlimmer.
Denn wer gehofft hatte, der Stadtpräsident würde nach der amtlichen Klarstellung einfach sagen „Das war falsch, tut mir leid“, bekommt stattdessen ein Interview voller Ausflüchte, Verdrehungen und Schuldzuweisungen. Ehlers redet nicht wie jemand, der einen Fehler ehrlich korrigieren will. Er redet wie jemand, der eine Geschichte retten muss.
Der Kern ist schnell erklärt. In der Öffentlichkeit wurde rund um den Spielplatz an der Kieler Straße das Narrativ verbreitet, Spielgeräte seien „aus Sicherheitsgründen gesperrt“. Das ist kein harmloser Satz. Wer „aus Sicherheitsgründen gesperrt“ sagt, ruft Alarm aus. Eltern denken an Gefahr. Menschen denken an Absperrband, Warnschilder, „nicht benutzen“. Genau dieser Alarm erzeugt Dringlichkeit. Und Dringlichkeit ist der Motor von Spendenkampagnen: Wer glaubt, es sei gefährlich, ist eher bereit, Geld zu geben.
Wischiwaschi – OB Kandidat und Stadtvertreter Ehlers gluckst rum, statt Fehler einzugesetehn
Dann kam die schriftliche Antwort der Stadt – nach Rückmeldung des Eigenbetriebs SDS. Und die ist so eindeutig, wie es in Verwaltungssprache nur geht: Es gibt aktuell keine Sperrung einzelner Spielgeräte oder Bereiche auf dem Spielplatz Kieler Straße. Der Spielplatz ist verkehrssicher. Als Maßnahme der laufenden Unterhaltung ist lediglich geplant, einzelne Bretter am Aufstieg auszutauschen. Damit war das „Sperr“-Narrativ amtlich erledigt. Nicht als Meinung, nicht als Interpretation, sondern als klare Feststellung der zuständigen Stelle.
Und jetzt kommt Ehlers. Er nennt die Sache einen „Kommunikationsfehler“, den er „bedauere“. Aber dann liefert er den Satz, der zeigt, dass es ihm nicht um Aufklärung geht, sondern um Schadensbegrenzung: Der Spielplatz wäre „perspektivisch gesperrt worden“, durch den Bürgerentscheid habe sich die Sachlage geändert. Das klingt zunächst wie eine Erklärung. In Wahrheit ist es eine Ausweichbewegung. Denn eine hypothetische Zukunft ist keine reale Gegenwart. „Wäre perspektivisch“ ist nicht „ist gesperrt“. Wer in der Öffentlichkeit „gesperrt“ sagt, behauptet einen konkreten Zustand – und genau dieser Zustand war laut SDS nicht gegeben.
Noch gravierender: Ehlers’ Versuch, den Bürgerentscheid als Wendepunkt für die Sicherheitslage darzustellen, ist schlicht unlogisch. Ein Bürgerentscheid repariert keine Bretter. Er zieht keine Schrauben fest. Er macht einen Spielplatz nicht plötzlich verkehrssicher oder unsicher. Wenn der Platz gefährlich wäre, müsste er unabhängig vom Abstimmungsergebnis abgesperrt werden. Wenn er verkehrssicher ist, ist er verkehrssicher – und genau das sagt SDS.
Ehlers versucht hier, zwei Dinge gleichzeitig zu behaupten: erst Notfall-Atmosphäre, dann „eigentlich nicht“, aber irgendwie doch. Das ist – wie es einige nennen, wishiwaschi. Genau diese Art Kommunikation zerstört Vertrauen, weil sie nicht klar ist, sondern opportun.
Kritik ist Stimmungamache. Schuldverschiebung und Nebelkerze
Statt diese Widersprüche sauber aufzulösen, wechselt Ehlers die Ebene. Er spricht von „bestimmten Kreisen“, die gegen ihn und Frau Manow „gezielt Stimmung gemacht“ hätten, von Beleidigungen „unterhalb der Gürtellinie“. Das ist der klassische Reflex, wenn man inhaltlich nicht mehr weiterkommt: Man redet nicht über den eigenen Fehler, sondern über die Kritiker. So wird aus der berechtigten Frage „Warum wurde ‚gesperrt‘ behauptet?“ eine angebliche Kampagne gegen die eigene Person. Das ist keine Einsicht. Das ist Schuldverschiebung. Und es ist für einen Stadtpräsidenten ein Armutszeugnis.
Wischiwaschiantworten des Stadtpräsidenten
Denn Ehlers ist nicht irgendein Facebook-Kommentator. Er ist Stadtpräsident, Vorsitzender der Stadtvertretung, also eine zentrale Vertrauensfigur der kommunalen Demokratie. Und er ist gleichzeitig OB-Kandidat. Wer in dieser Doppelrolle in der Öffentlichkeit mit Sicherheitsbehauptungen arbeitet, muss besonders sorgfältig sein. Wenn sich dann herausstellt, dass die zuständige Stelle sagt „keine Sperrung“, reicht es nicht, von einem „kleinen Fehler“ zu sprechen. Dann braucht es eine klare Korrektur, eine klare Entschuldigung und eine klare Erklärung, wie es überhaupt zu dieser Behauptung kam. Nichts davon leistet Ehlers in seinem Interview. Er relativiert, deutet um, greift Kritiker an und versucht, die Deutungshoheit zurückzugewinnen, ohne die Fakten wirklich zu akzeptieren.
Spendenhöhe eher Bauchgefühl
Das gleiche Muster zeigt sich bei der Geldfrage. Die Zahl von 30.000 bis 40.000 Euro wird im Interview nicht als fachlich hergeleitete Kostenschätzung begründet, sondern im Kern mit „ich kenne Preise ganz gut“ und „es gab Gespräche“. Gleichzeitig wird eingeräumt, dass der SDS dafür keine Kostenschätzung abgegeben habe. Das ist politisch vielleicht praktisch, aber kommunikativ unseriös, wenn man es als „erste Schätzung“ verkauft und damit Öffentlichkeit und Spender lenkt. Wer Vertrauen will, muss transparent sagen, was er weiß, was er nicht weiß, und worauf Zahlen basieren. Ehlers’ Antworten wirken dagegen wie ein nachträgliches Zusammenbasteln einer Story, die den Eindruck von Belastbarkeit erzeugen soll, wo es sie nicht gibt.
Am Ende bleibt eine simple Wahrheit, die auch „dumme Leute“ verstehen und kluge Menschen nicht übersehen: Wenn jemand öffentlich sagt „gesperrt“, aber die Stadt sagt „nicht gesperrt“, dann hat jemand Mist erzählt. Und wenn derselbe jemand danach nicht klar korrigiert, sondern sich in „perspektivisch“ flüchtet und Kritiker als „bestimmte Kreise“ abstempelt, dann ist das kein Kommunikationsproblem mehr. Dann ist es ein Integritätsproblem.
Ehlers kann den Spielplatz aufwerten wollen, das kann sogar eine gute Idee sein. Aber er kann nicht erwarten, dass Menschen ihm dabei vertrauen, wenn er zuerst mit falschen Sicherheitsbehauptungen Dringlichkeit erzeugt und sich später herausredet, statt Verantwortung zu übernehmen. Vertrauen ist nicht das, was man in Interviews behauptet. Vertrauen ist das, was übrig bleibt, wenn die Fakten geprüft wurden. Und nach dieser amtlichen Klarstellung bleibt von Ehlers’ Erzählung vor allem eins übrig: der Eindruck, dass er nicht aufklären will, sondern retten. Nicht die Wahrheit, sondern die eigene wischiwaschi Geschichte.
Hier kann das Interview von Stadtpräsident / OB Kandidat Sebastian Ehlers bei Schwerin lokal eingesehen werden:
Interview Sebastian Ehlers Spielplatz
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