Schwerins Hauptausschuss zieht die Zügel an – und der Lenin-Streit bekommt wieder richtig Druck. Der Hauptausschuss empfiehlt der Stadtvertretung einen klaren Kurswechsel: Statt sich als Eigentümerin im Anhörungsverfahren für die Eintragung der Lenin-Statue in die Denkmalliste auszusprechen, soll die Stadt künftig offiziell dagegenhalten – und zwar ausdrücklich und „entschieden“.
Der Hintergrund: Die ursprüngliche Beschlussvorlage zur „Denkmallisteneintragung Lenin-Statue“ war im Kern ein Ja-Signal. Die Stadtvertretung sollte die Denkmalwertbegründung des Landesamtes zur Kenntnis nehmen und sich in der Anhörung gegenüber der obersten Denkmalschutzbehörde für die Eintragung aussprechen. Genau diese Richtung hat der Hauptausschuss nun praktisch umgedreht.
In seiner Sitzung am 27. Januar 2026 wurde nach intensiver Debatte ein Ersetzungsantrag stückweise abgestimmt – und am Ende stand eine Empfehlung an die Stadtvertretung, die politisch deutlich schärfer ist. Im ersten Punkt soll die Stadtvertretung festhalten, dass die Lenin-Statue für viele politisch Verfolgte, ihre Angehörigen sowie für Opferverbände kommunistischer Diktaturen ein Symbol für Repression, Gewalt und Entrechtung darstellt. Die Stadt soll damit ausdrücklich anerkennen, dass das Objekt nicht nur ein „Stück Geschichte“ ist, sondern für Betroffene und deren Familien eine hoch belastete Bedeutung trägt. Dieser Punkt bekam im Hauptausschuss eine Mehrheit: acht Ja-Stimmen bei vier Gegenstimmen.
Der eigentliche Knall steckt im zweiten Punkt. Hier soll der Oberbürgermeister beauftragt werden, sich im Rahmen der Anhörung gegenüber der obersten Denkmalschutzbehörde entschieden gegen eine Eintragung der Lenin-Statue in die Denkmalliste auszusprechen. Dazu kommt ein politisches Stoppschild als Begründung: Eine Unterschutzstellung sei in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation weder angemessen noch verantwortungsvoll und würde einer Aufarbeitung historischer Belastungen zuwiderlaufen. Auch dieser Punkt wurde mit acht Ja-Stimmen bei vier Gegenstimmen empfohlen.
Damit steht plötzlich eine ganz andere Botschaft im Raum: Schwerin soll nicht mehr bloß abwarten, was das Land entscheidet – sondern als Eigentümerin aktiv in die Anhörung gehen und klar sagen: Nein, nicht so. Für eine Stadt, die sich sonst gern hinter Zuständigkeiten versteckt, ist das ein bemerkenswert direkter Auftrag.
Im Beschlusslauf tauchen außerdem noch weitere Beschlusspunkte auf, die in der Abstimmung keine Mehrheit fanden: Die Punkte 3 und 4 wurden jeweils deutlich abgelehnt (zwei Ja-Stimmen, neun Nein-Stimmen, eine Enthaltung). Entscheidend ist: Die Empfehlung des Hauptausschusses konzentriert sich am Ende auf die politische Einordnung der Statue und den Auftrag an den Oberbürgermeister, im Verfahren dagegen zu argumentieren.
Final ist damit noch nichts – aber die Richtung ist gesetzt. Die Stadtvertretung soll am 23. März 2026 darüber entscheiden, ob sie diesen Konfrontationskurs übernimmt. Spätestens dann wird klar, ob Schwerin den Streit wirklich durchziehen will – oder ob am Ende doch die ursprüngliche Linie gewinnt.
Hier kann das Beschlussprotokoll angesehen und heruntergeladen werden:



















