Der Kinder- und Jugendrat Schwerin begrüßt die geplanten Investitionen in die Digitalisierung der Schulen, spart in seiner aktuellen Stellungnahme zum Medienentwicklungsplan 2025 bis 2029 aber nicht mit Kritik. Aus Sicht der Jugendlichen reicht es nicht, Schulen mit Glasfaser, WLAN und digitalen Tafeln auszustatten. Sie fordern mehr Geräte, verlässlichen IT-Support, bessere Medienbildung und stärkere Prävention im digitalen Raum.
Die Stadt Schwerin will mit dem fortgeschriebenen Medienentwicklungsplan die digitale Ausstattung ihrer 27 Schulen in den kommenden Jahren weiter ausbauen. Vorgesehen sind unter anderem leistungsfähige Internetanschlüsse, eine stabile IT-Umgebung, moderne Präsentationstechnik und mobile Endgeräte für den Unterricht. Das investive Volumen liegt laut Beschlussvorlage bei rund 12 Millionen Euro, hinzu kommen laufende Kosten von rund 21 Millionen Euro im Umsetzungszeitraum.
Der Kinder- und Jugendrat stellt klar: Grundsätzlich sei der eingeschlagene Weg richtig. Digitalisierung dürfe kein Privileg einzelner Schulen sein, sondern müsse überall in Schwerin zum Standard werden. Genau deshalb sehen die Jugendlichen in der aktuellen Planung aber auch deutliche Schwächen.
Ein zentraler Kritikpunkt ist die Zahl der mobilen Endgeräte. Nach der Vorlage sollen Grund- und Förderschulen im Verhältnis 1:4 ausgestattet werden, weiterführende Schulen im Verhältnis 1:2. Dem Kinder- und Jugendrat reicht das nicht. Wenn sich mehrere Schülerinnen und Schüler ein Gerät teilen müssten, bleibe digitales Lernen oft die Ausnahme statt normaler Unterrichtsalltag. Die Jugendlichen fragen deshalb ausdrücklich nach einer langfristigen Perspektive bis hin zu einer 1-zu-1-Ausstattung.
Auch beim technischen Support sehen die Jugendlichen ein großes Problem. Zwar ist im Medienentwicklungsplan ein Ausbau des Supportumfangs vorgesehen. Der Kinder- und Jugendrat bezweifelt jedoch, dass das ohne eine klare Strategie gegen den Fachkräftemangel funktionieren wird. Moderne Technik sei wenig wert, wenn Geräte bei Defekten wochenlang ausfallen und im Schulalltag nicht genutzt werden können.
Noch deutlicher wird die Stellungnahme beim Blick auf den Unterricht selbst. Der Medienentwicklungsplan sei aus Sicht des Gremiums vor allem ein technischer Infrastrukturplan. Technik allein mache aber noch keinen besseren Unterricht. Der Kinder- und Jugendrat kritisiert, dass es bei Medienbildung und pädagogischer Vermittlung weiter Lücken gebe. Auch ein verbindliches Fortbildungskonzept für Lehrkräfte fordern die Jugendlichen ausdrücklich.
Hinzu kommt ein Punkt, der in politischen Debatten über Schuldigitalisierung häufig untergeht: der Schutz von Kindern und Jugendlichen im digitalen Raum. In der Stellungnahme verweist der Kinder- und Jugendrat auf Gefahren wie Cyber-Grooming und die Verbreitung rechtsextremer Inhalte. Digitale Bildung dürfe deshalb nicht bei der Bedienung von Geräten enden, sondern müsse auch Medienkritik, Demokratieverständnis und Prävention einschließen.
Kritisch sehen die Jugendlichen außerdem den langen Umsetzungszeitraum. Der Plan reicht bis 2029. Aus Sicht des Kinder- und Jugendrates besteht damit das Risiko, dass Schulen, die später an der Reihe sind, am Ende mit Technik starten, die dann schon wieder veraltet ist. Auch eine verlässliche Perspektive für die Finanzierung über 2029 hinaus vermissen sie.
In der Beschlussvorlage verweist die Verwaltung darauf, dass die Fortschreibung des Medienentwicklungsplans eine gesetzliche Pflichtaufgabe sei und die Grundlage für Planung, Betrieb und Weiterentwicklung der IT-Infrastruktur an den Schulen bilde. Außerdem sollen noch sieben offene Schulertüchtigungen gestuft umgesetzt werden.
Die Stellungnahme des Kinder- und Jugendrates zeigt aber auch: Wer über Schule spricht, sollte die Perspektive derjenigen ernst nehmen, die dort jeden Tag lernen. Die Jugendlichen stellen sich nicht gegen die Digitalisierung – im Gegenteil. Sie verlangen, dass sie in Schwerin so umgesetzt wird, dass sie im Alltag wirklich funktioniert.
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Hier kann die Stellungnahme des Kinder und Jugendrat eingesehen und heruntergeladen werden:


















