(stm/Kommentar)
Es ist erschreckend genug, wenn auf dem Marienplatz Hitlergrüße gezeigt und „Sieg Heil“-Rufe skandiert werden. Aber fast genauso aufschlussreich sind die Reaktionen danach. Denn unter dem Bericht darüber tauchten genau jene Kommentare auf, die zeigen, wie tief das Problem längst reicht: „Ich hätte zurückgegrüßt“, „langweilig“, das übliche Ablenkungsgerede à la „der Sozialismus hat auch viele getötet“ – und dazwischen wieder Hetze gegen Migrantinnen und Migranten.
Man muss es so deutlich sagen: Wer auf einen Hitlergruß mit einem Grinsen, einem Schulterzucken oder billiger Relativierung reagiert, ist nicht neutral. Er trägt dazu bei, dass genau solche Grenzüberschreitungen weiter normalisiert werden.
Denn der Hitlergruß ist kein Scherz. Kein „dummer Spruch“. Keine harmlose Provokation. Er steht für eine Ideologie, die Millionen Menschen entrechtet, verfolgt, deportiert und ermordet hat. Er steht für Konzentrationslager, für verbrannte Synagogen, für staatlich organisierten Terror, für Krieg, Folter und industriellen Massenmord. Wer diesen Gruß zeigt, kokettiert nicht mit irgendeinem Tabu. Er bezieht sich auf eines der grausamsten Herrschaftssysteme der Menschheitsgeschichte.
Und wer „Sieg Heil“ ruft, ruft nicht einfach irgendeine Parole. Er ruft einer Vernichtungsideologie Beifall zu.
Genau deshalb ist dieses widerliche „War doch nur Spaß“ so verlogen. Es gibt keine Ironie des Hitlergrußes. Es gibt keine harmlose Version von NS-Parolen. Es gibt nur Menschen, die sich hinter angeblichem Humor verstecken, weil sie zu feige sind, offen zu ihrer Menschenverachtung zu stehen. Und es gibt jene, die ihnen dabei auch noch Deckung geben, indem sie das kleinreden.
Besonders erbärmlich ist dabei dieses reflexhafte Ausweichen: „Aber andere Systeme waren auch schlimm.“ Ja, und? Das macht den Hitlergruß keinen Deut weniger menschenverachtend. Wer bei einem konkreten Nazi-Vorfall sofort historische Nebenkriegsschauplätze eröffnet, will nicht einordnen, sondern entlasten. Er will aus einer klaren Grenzüberschreitung ein Debattenspiel machen. Das ist keine Differenzierung. Das ist moralische Feigheit.
Noch entlarvender wird es, wenn unter so einem Vorfall direkt wieder gegen Migrantinnen und Migranten gehetzt wird. Dann zeigt sich, dass es vielen gar nicht um Geschichte, Rechtsstaat oder irgendeine angebliche Sorge geht. Es geht um Feindbilder. Um Ausgrenzung. Um Rassismus. Um das wohlige Gefühl, nach unten treten zu können und sich dabei noch als „mutig“ zu inszenieren. Das ist nicht mutig. Das ist schäbig.
Und genau hier liegt das eigentliche Problem: Nicht nur die paar Gestalten, die auf einem Platz den Arm heben. Sondern auch das Klima, in dem andere das als „langweilig“ abtun, es relativieren oder sogar noch offen Beifall fantasieren. So verschiebt sich die Grenze des Sagbaren. So wird Menschenverachtung Stück für Stück wieder salonfähiger gemacht. Nicht plötzlich. Sondern durch tausend kleine Verharmlosungen, dumme Kommentare und feige Ausreden.
Gesellschaften verrohen nicht erst dann, wenn wieder Uniformen marschieren. Sie verrohen dann, wenn die Vorboten verharmlost werden. Wenn offener Nazibezug nicht mehr Ekel und klaren Widerspruch auslöst, sondern Achselzucken. Wenn Leute sich mehr darüber aufregen, dass man das Problem benennt, als über den Hitlergruß selbst.
Schwerin hat deshalb nicht nur ein Problem mit einzelnen rechten Provokateuren. Schwerin hat auch ein Problem mit der Bereitschaft, Rassismus und NS-Verherrlichung kleinzureden. Ein Problem mit Gleichgültigkeit. Ein Problem mit Leuten, die offenbar nicht begriffen haben – oder nicht begreifen wollen –, wofür diese Gesten und Parolen stehen.
Der der Hitlergruß ist nicht grundlos laut Strafgesetzbuch verboten. Mit einer Geld- oder Freiheitstrafe von bis zu drei Jahren hat zu rechnen, wer nach §86a Absatz 1 und 2 StGB unter anderem nationalsozialistische Parolen und Grußformen verwendet. Außerdem macht sich der Verwender des Hitlergrußes häufig auch gemäß §130 StGB wegen Volksverhetzung strafbar.
Wer Hitler grüßt, grüßt den Massenmord.
Wer „Sieg Heil“ ruft, ruft Hass und Vernichtung.
Und wer das relativiert, macht sich nicht harmlos – sondern mitschuldig an einem Klima, in dem genau dieser Dreck wieder wachsen kann.
Das muss man nicht „spannend diskutieren“.
Das muss man glasklar zurückweisen.
Hintergrund: http://www.schwerin.news hat gestern über zwei Männer berichtet die auf dem Marienplatz „Sieg heil“ skandierten und mehrfach den Hitlergruß zeigten. In den Kommentaren zeigten mehrere Schweriner*innen ihre rassistische Fratze. Wir haben einen großen Teil dieser Subjekte auf unserer FB Seite inzwischen blockiert und derren Kommentare gelöscht.
http://www.schwerin.news arbeitet ehrenamtlich, wir haben weder die Zeit noch die Lust uns darüber hinaus gehend mit diesen Subjekten zu unterhalten.
















