(stm/red)
Ein unerwartetes Nachspiel des frisch gebackenen UNESCO-Welterbetitels sorgt in den Wahlkampfzentralen der Schweriner OB-Kandidaten aktuell für pures Chaos. Wie die Stadtverwaltung am Dienstagabend zähneknirschend einräumen musste, greift für die heiße Phase des Wahlkampfs erstmals die sogenannte „Verordnung zur visuellen Integrität von Welterbestätten“. Die Konsequenz: Hunderte Wahlplakate im Innenstadtbereich müssen bis zum Wochenende umgehend abgehängt oder umgestaltet werden.
Der Hintergrund: In einem 400-seitigen Beiblatt zum UNESCO-Vertrag, das bei der Euphorie im vergangenen Jahr offenbar von den zuständigen Referaten überlesen wurde, ist die temporäre visuelle Gestaltung der Pufferzone rund um das Residenzensemble strikt geregelt. Darin heißt es, dass „werbliche und politische Druckerzeugnisse im öffentlichen Raum die historische Farbpalette des 19. Jahrhunderts nicht stören dürfen“.
Die Vorgaben: Leuchtende Parteifarben, knallige Slogans oder hochauflösende Porträtfotos sind im Umkreis von zwei Kilometern um das Schweriner Schloss demnach unzulässig. Erlaubt sind laut der Verordnung ausschließlich sanfte Pastelltöne, „Schweriner Schloss-Ocker“, Sepia sowie Graustufen. Zudem müssen moderne Schriftarten durch historische Serifenschriften oder gut lesbare Frakturschrift ersetzt werden.
Die Reaktion: Die Eilverordnung der Landesdenkmalpflege, die auf die sofortige Umsetzung pocht, hat den Wahlkampf über Nacht lahmgelegt. Um Bußgelder zu vermeiden und die Plakate nicht komplett neu drucken zu müssen, greifen die Wahlkampfteams zu drastischen Maßnahmen. Beobachter meldeten bereits am frühen Morgen Praktikanten und Parteimitglieder, die rund um den Pfaffenteich und in der Mecklenburgstraße versuchen, die knalligsten Plakate mit beigefarbenem Transparentlack auf „historisch wertvoll“ zu trimmen.
Ein Sprecher des Wahlausschusses zeigte sich konsterniert: „Wir prüfen aktuell, ob wir Ausnahmegenehmigungen erteilen können. Bis dahin raten wir allen Kandidaten, bei öffentlichen Auftritten in der Altstadt auf Neon-Krawatten und bunte Windjacken zu verzichten, um den Welterbestatus nicht zu gefährden.“
Während die Kandidierenden, wie Dr. Aileen Wosniak (ask) oder Heiko Steinmüller die weniger Plakate gedruck haben als andere, nach eignen Aussagen diese Aufgabe mit wenig Aufwand meistern werden stehen Ehlers (CDU) der weit über 100.000 Euro in den OB wahlkampf gesteckt hat, ebenso wie Federau (ÄfD) und Pfeifer (SPD) vor der Herausforderung nun massenhaft Plakate bearbeiten zu müssen. „Welterbe hin oder her, wir können uns doch nicht alles von der UNESCO vorschreiben lassen“ so Wosniak. Ehlers sagte dazu: „Ich habe jetzt schon so viel Geld in den Wahlkampf gesteckt, wir überlegen im Team gerade einfach die Stragebühren zu bezahlen.“
Besonder brisant: Die Verordnung soll ausschließlich für den heutigen 1. April gelten. Ab dem 2. April dürfe wieder alle so laufen wie bisher.













