(red)
Die Bevölkerung wird älter, doch der Wohnungsmarkt hält mit dieser Entwicklung kaum Schritt. Wer in Schwerin auf eine barrierefreie Wohnung angewiesen ist, braucht oft viel Geduld – und nicht selten das nötige Kleingeld. Eine neue bundesweite Studie zeigt, wo unsere Stadt im Deutschland-Vergleich steht.
Schwerin – Ein Unfall, eine schwere Krankheit oder einfach das fortschreitende Alter: Die Gründe, warum Menschen in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, sind vielfältig. Doch was passiert, wenn das eigene Zuhause plötzlich zum Hindernisparcours wird? Wenn Treppen unüberwindbar werden und die Türen für den Rollator zu schmal sind?
Laut Angaben der Bundesregierung fehlen in Deutschland aktuell rund 2,5 Millionen barrierefreie Wohnungen – eine Lücke, die in den vergangenen Jahren stetig gewachsen ist. Der bundesweit aktive Seniorendienst Eli die Fee hat nun über 94.000 aktuelle Wohnungsinserate in den 100 größten deutschen Städten analysiert, um herauszufinden, wie es wirklich um den barrierefreien Wohnraum bestellt ist. Auch Schwerin wurde dabei genau unter die Lupe genommen.
Schwerin landet im Mittelfeld
Die Ergebnisse für die Landeshauptstadt sind ernüchternd, wenn auch kein Totalausfall:
- Lediglich 11 Prozent aller angebotenen Objekte am Schweriner Wohnungsmarkt verfügen über einen stufenlosen Zugang und gelten damit als barrierefrei.
- Schwerin liegt damit knapp unter dem bundesweiten Durchschnitt von 11,7 Prozent.
- Im Ranking der 100 größten Städte reicht das immerhin für Platz 55.
Zum Vergleich: Den Spitzenplatz sichert sich Paderborn, wo fast jede dritte Wohnung (30,1 Prozent) barrierefrei ist. Am dramatischsten ist die Lage hingegen in Gelsenkirchen, Chemnitz und Zwickau. Dort weisen magere 2,8 Prozent der Wohnungen einen stufenlosen Zugang auf.
Barrierefreiheit: Eine Frage des Geldes?
Die Analyse deckt zudem eine brisante Entwicklung auf: Barrierefreies Wohnen wird zunehmend zu einem Luxus, den man sich leisten können muss. In 74 der 100 untersuchten Städte ist der Anteil barrierefreier Wohnungen im teureren Kaufsegment deutlich höher als auf dem ohnehin angespannten Mietmarkt.
Auch in Schwerin ist dieser Trend spürbar, wenn auch weniger extrem als in anderen Regionen: Während 10,9 Prozent der Mietwohnungen barrierefrei sind, liegt der Anteil bei den Kaufobjekten nach Angabe der Studie bei 11,1 Prozent. In Städten wie Oberhausen klafft hier eine Lücke von über 24 Prozentpunkten zwischen Kauf- und Mietmarkt.
„Es geht um Würde und Teilhabe“
Hinter all diesen Zahlen verbergen sich menschliche Schicksale. „Für viele Menschen bedeutet fehlende Barrierefreiheit nicht nur Einschränkungen im Alltag, sondern im schlimmsten Fall auch den Verlust ihres Zuhauses“, erklärt Okan Elibol, Geschäftsführer von Eli die Fee.
Wer sich in seinen eigenen vier Wänden nicht mehr sicher bewegen kann und auf dem Wohnungsmarkt keine Alternative findet, landet oft gezwungenmaßen in einem Pflegeheim. „Das beeinträchtigt die Lebensqualität der Betroffenen erheblich und belastet zugleich ein ohnehin stark beanspruchtes Pflegesystem“, so Elibol weiter.
Die Experten fordern daher ein radikales Umdenken. Wenn wir es als Gesellschaft ernst meinen mit einem selbstbestimmten Leben im Alter, müsse barrierefreies Wohnen viel stärker in den Fokus von Politik, Stadtentwicklung und Wohnungsbau rücken. Denn, so das Fazit von Elibol: „In der Debatte geht es nicht um Immobilien, sondern um Würde, Teilhabe und Lebensqualität.“
*** Weitere Details und die interaktiven Grafiken zur bundesweiten Studie finden Interessierte unter www.elidiefee.de/news/barrierefreier-wohnraum-in-deutschland.















