(stm/red)
Der Verteilungskampf um die millionenschweren Fördergelder in der Landeshauptstadt geht in die nächste Runde. Nachdem erst kürzlich der Schweriner Zoo lautstark Kritik an der geplanten Verteilung der Landesmittel geäußert und sich übergangen gefühlt hatte, meldet nun ein weiteres städtisches Schwergewicht ganz offiziell Bedarf an: Die Stadtwerke Schwerin (SWS).
In einem der Redaktion vorliegenden Schreiben vom 1. April 2026 an Oberbürgermeister Bernd Nottebaum fordern die Geschäftsführer der Stadtwerke ihren Teil vom Kuchen. Konkret geht es um die üppigen Zuwendungen aus dem sogenannten Länder- und Kommunal-Infrastrukturfinanzierungsgesetz (LuKIFG) , die der Stadt Schwerin eine Förderung in Höhe von satten 43 Millionen Euro in Aussicht stellen.
Dass die Debatte ausgerechnet jetzt noch einmal richtig an Fahrt aufnimmt, ist kein Zufall. Die viel diskutierte Beschlussvorlage der Stadtvertretung aus März 2026 soll derzeit hinsichtlich der genauen Mittelverteilung ohnehin noch einmal überarbeitet werden. Diese Chance wollen die SWS offenbar nutzen.
Der Fokus: Millionen für die Wärmewende
Die Stadtwerke haben es dabei auf einen ganz bestimmten Fördertopf abgesehen: Ein wesentlicher Teil der 43 Millionen Euro betrifft den Bereich „Verkehrsinfrastruktur, ÖPNV & Energie“. Für dieses spezifische Segment sind laut der aktuell vorliegenden Vorlage 7,8 Millionen Euro eingeplant. Genau für diese Mittel zeigen die SWS nun offiziell ihren Bedarf an.
Die Argumentation des kommunalen Versorgers ist dabei eng mit der politisch geforderten Energiewende verknüpft. In den kommenden Geschäftsjahren stünden im Rahmen der Kommunalen Wärme- und Transformationsplanung enorme investive Herausforderungen an. Dies sei schließlich eine gemeinschaftliche Aufgabe der Landeshauptstadt und der Stadtwerke.
Fernwärmeausbau kostet dreistellige Millionenbeträge
Die Zahlen, die die SWS-Spitze in dem Brief an den Oberbürgermeister nennt, machen die Dimension des Vorhabens deutlich: Allein der dringend benötigte zusätzliche Ausbau des Schweriner Fernwärmenetzes wird bis zum Jahr 2035 voraussichtlich Investitionskosten in Höhe von 35,5 Millionen Euro verschlingen. Heruntergebrochen bedeutet das für die nächsten zehn Jahre einen zusätzlichen jährlichen Investitionsbedarf von 2,6 bis 4,7 Millionen Euro allein für die Fernwärme. Und damit nicht genug: Für den Zeitraum von 2035 bis 2045 rechnen die Stadtwerke mit weiteren Kosten in Höhe von 76,8 Millionen Euro.
Solch gigantische Investitionen in die unterirdische Leitungsinfrastruktur binden das Kapital naturgemäß sehr langfristig. Genau an diesem Punkt setzen laut Stadtwerken die Zuwendungen aus dem LuKIFG an, da dieses Gesetz explizit Investitionen mit derart langer Kapitalbindung unterstützen soll. Aus diesen Gründen halten es die SWS für zwingend erforderlich, dass ihre Vorhaben im vorgesehenen Programm „Energie“ anteilig berücksichtigt werden.
Stadtpolitik unter Druck
Für die Schweriner Stadtpolitik wird die Lage damit nicht einfacher. Nach dem Zoo wollen nun auch die Stadtwerke ein großes Stück vom 43-Millionen-Euro-Kuchen abhaben. Es wird spannend zu beobachten sein, wie die überarbeitete Beschlussvorlage aussehen wird – und ob es der Stadt gelingt, die drängendsten Zukunftsprojekte zu finanzieren, ohne dabei ihre wichtigsten städtischen Akteure vor den Kopf zu stoßen.
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