(stm/red)

Stellen Sie sich vor, Sie bauen ein Haus. Plötzlich springt Ihnen die Dachdeckerfirma ab. Was tun Sie? Wahrscheinlich erst einmal das Dach-Problem lösen, bevor Sie anfangen, draußen gemütlich die Auffahrt zu pflastern. Am Radsportzentrum am Schweriner Lambrechtsgrund scheint die Stadt das aktuell aber genau umgekehrt zu machen.

Die Situation ist vielen Schwerinerns noch nicht bekannt und dürfte für Kopfschütteln sorgen. Mitte März musste die Stadt bei dem prestigeträchtigen Bau der neuen Radsporthalle die Notbremse ziehen. Dem beauftragten Stahlbauunternehmen wurde hart und fristlos gekündigt, weil es das komplexe Tragwerk für das Dach nicht rechtzeitig liefern konnte.

Der Bau der eigentlichen Halle stockt also gewaltig. Doch während oben die Träger fehlen, rollt unten weiter das Geld. Ein internes, Papier belegt, dass http://www.schwerin vertraulich zugesendet wurde belegt, dass die Stadtverwaltung trotz der Baukrise unbeirrt an Nebenprojekten festhält.

Konkret wird um den 15. April rum wohl geplant ein Darlehen auf einer „nicht öffentklichen“ Sitzung durchzuwinken,durch das so ziemlich eine Million Euro für den „Neubau Parkplatz Radsportzentrum“ vorgesehen ist.

Für den normalen Beobachter am Bauzaun wirkt das wie ein echter Schildbürgerstreich und wirft unangenehme Fragen auf. Ist das der bürokratische Tunnelblick einer Verwaltung, die stur ihren Plan abarbeitet, während das Kernprojekt ins Wanken gerät? Warum pumpt man eine Million Steuergeld in Stellplätze, wenn das Hauptgebäude in der schwersten Krise steckt und noch völlig unklar ist, wann und zu welchem Preis das Dach endlich montiert wird?

So berechtigt dieser Vorwurf auf den ersten Blick ist, so sehr fordert die Fairness einen Blick auf die realen Zwänge von öffentlichen Großbaustellen.

Ein handfester Finanzskandal versteckt sich hinter dem brisanten Papier vermutlich nicht. Bei der Million geht es nicht um plötzlich aufgetretene Mehrkosten, sondern um Gelder, die im bereits genehmigt waren. Das Dokument regelt lediglich die formelle Abwicklung dieses Kredits über die Landeshauptstadt. Die Stadt entkoppelt hier schlichtweg die Gewerke. Der Bau des Parkplatzes und der Stahlbau für die Halle sind zwei völlig getrennte Verträge mit unterschiedlichen Firmen. Würde Schwerin dem Tiefbauunternehmen jetzt einen Baustopp verordnen, nur weil der Stahlbauer gefeuert wurde, drohten der klammen Stadtkasse empfindliche Vertragsstrafen.

Hier zeigt sich der Irrsinn – oder die Weitsicht?

Gibt es einen zwingenden baulogistischen Grund, den Parkplatz genau jetzt trotz fehlendem „Dach“ für eine Millionen Euro freizugeben? Wenn das Rathaus hoffentlich bald ein neues Unternehmen findet, das die Dachkonstruktion rettet, wird dieses mit extrem schwerem Gerät und riesigen Kränen anrücken. Genau dafür braucht es am Lambrechtsgrund dringend einen befestigten, stabilen Untergrund als Logistikfläche. Der sogenannte Parkplatz könnte also in der jetzigen Bauphase in Wahrheit ein unverzichtbarer Bereitstellungsraum für die Rettung des Daches sein.

Am Ende bleibt es für die Stadt Schwerin ein baulicher und kommunikativer Drahtseilakt. Von außen betrachtet sieht das Vorgehen absurd aus, doch im Kern ist es knallhartes Projektmanagement zur Schadensbegrenzung.

Während hinter den Kulissen fieberhaft nach einem neuen Stahlbauer gesucht wird, lässt man die Tiefbauarbeiten strikt nach Plan weiterlaufen. So paradox es klingen mag: Der Millionen-Parkplatz ist aktuell das Einzige, was auf der Skandalbaustelle am Lambrechtsgrund wirklich reibungslos zu funktionieren scheint.

Der wahre Ärgert an dieser Sache ist, dass wiedermal Millionen ohne Informationen oder Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit vergeben werden sollen.



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