Wer abends in Schwerin in den Bus steigt, spürt ab sofort Veränderungen: Der Nahverkehr Schwerin (NVS) hat ein neues, zunächst auf zwölf Monate angelegtes Sicherheitskonzept gestartet. Die auffälligsten Neuerungen sind der „Halt auf Wunsch“ nach 20 Uhr und der Einsatz spezialisierter Sicherheitsteams der Firma BIP. Doch während Verkehrsbetriebe und Stadtvertreter das Konzept loben, zeigt ein Blick in andere Städte: Der Einsatz privater Sicherheitsdienste im ÖPNV ist oft eine Gratwanderung.
Flexibler Ausstieg und offene Türen
Die kundenfreundlichste Neuerung betrifft den späten Abend: Ab 20 Uhr können Fahrgäste auf den Buslinien nun zwischen zwei regulären Haltestellen aussteigen. Dieser „Halt auf Wunsch“ muss beim Einstieg beim Fahrer angemeldet werden. Dieser entscheidet dann nach Prüfung der Verkehrssicherheit, ob der Ausstieg möglich ist. Der Ausstieg erfolgt in diesen Fällen immer vorne, eine Barrierefreiheit kann hierbei nicht garantiert werden.
Gleichzeitig verabschiedet sich der NVS vom verpflichtenden Vorne-Einstieg in den Bussen. Ab sofort dürfen wieder alle Türen genutzt werden, was Staus an den Haltestellen und Verspätungen reduzieren soll.
Keine normalen Türsteher? NVS setzt auf Spezialisten
Um das subjektive Sicherheitsgefühl der Fahrgäste zu stärken – laut Statistik ist der Nahverkehr in Schwerin sicher, gefühlt jedoch nicht für jeden –, patrouillieren künftig Teams der BIP Dienstleistungen GmbH in Bussen und Bahnen. Der NVS-Geschäftsführer Thomas Schlüter verspricht sich davon „gezielt Schutz, Präsenz und Prävention“.
Dabei bemühen sich die Verantwortlichen spürbar, Bedenken im Vorfeld zu zerstreuen. Man setze bewusst nicht auf klassische „Wachschützer“, betont BIP-Geschäftsführer Christian Blümel. Die Einsatzkräfte seien speziell für den ÖPNV geschult und verbinden Service, Deeskalation und Fahrausweiskontrolle. Ein „ganzheitlicher Ansatz“, der laut Blümel in Rostock bereits das Sicherheitsempfinden von Fahrgästen und Personal spürbar verbessert habe.
Der Blick über den Tellerrand: Wenn Kontrolleure eskalieren
Dass die „spezielle Schulung“ in der Kommunikation derart stark betont wird, hat einen guten Grund. Eine Hintergrundrecherche zeigt: In Städten wie Potsdam, Berlin oder Halle, in denen externe Sicherheitsdienste die Fahrscheinkontrolle übernehmen, kommt es regelmäßig zu massiver Kritik.
Zu den häufigsten Problemen in anderen Städten zählen:
- Mangelnde Kulanz: Wo festes Personal der Verkehrsbetriebe bei einem abgelaufenen Schülerticket oder Touristen vielleicht ein Auge zudrückt, greifen externe Dienstleister oft hart durch.
- Eskalation statt Deeskalation: Immer wieder berichten Lokalmedien anderer Städte über sogenanntes „Sheriff-Gehabe“. Statt unübersichtliche Situationen durch Kommunikation zu beruhigen, heizt das autoritäre Auftreten uniformierter Prüfer Konflikte teils erst richtig an.
- Vorwürfe der Diskriminierung: Ein sensibles Thema in Großstädten sind regelmäßige Vorwürfe von Fahrgästen, dass bestimmte Personengruppen – etwa Menschen mit Migrationshintergrund – häufiger und strenger kontrolliert werden als andere.
Zwölf Monate auf Probe
Ob der Schweriner Nahverkehr aus diesen Fehlern anderer Städte gelernt hat, wird sich im nun gestarteten Praxis-Test zeigen. Die Vorgabe für die BIP-Teams ist klar: „Niedrigschwellige Intervention“. Sie sollen bei Spannungen deeskalieren, die Beförderungsbedingungen durchsetzen und durch reine Präsenz für ein besseres Bauchgefühl sorgen.
Verkehrsdezernent Bernd Nottebaum zeigt sich jedenfalls optimistisch, dass die Maßnahmen „bei den Schwerinerinnen und Schwerinern große Zustimmung finden werden und den Praxistest bestehen.“ Die Fahrgäste werden in den kommenden zwölf Monaten genau hinschauen, ob das Versprechen von mehr Sicherheit und Service gehalten wird – oder ob der raue Wind aus anderen ÖPNV-Metropolen nun auch durch Schwerins Busse und Bahnen weht.
















