(red/stm)
In einer Zeit, in der die zukünftige Ausrichtung der Stadt und das Thema Sicherheit intensiv diskutiert werden, liefert die neue Kriminalstatistik der Polizeiinspektion wichtige Fakten. Die nackten Zahlen klingen zunächst nach einem durchschlagenden Erfolg: Die Kriminalität in der Landeshauptstadt ist im Jahr 2025 um beachtliche 11,5 Prozent gesunken. Das oft beschworene Narrativ des pauschal „unsicheren“ Schwerins wird damit statistisch entkräftet. Doch ein genauerer Blick in den Bericht zeigt ein differenzierteres Bild, das in der aktuellen politischen Debatte sehr unterschiedlich interpretiert werden dürfte.
Deutlicher Rückgang der Gesamtzahlen
Insgesamt erfasste die Polizei im vergangenen Jahr 10.773 Straftaten. Gleichzeitig ging die Zahl der Tatverdächtigen zurück. Wer auf schnelle Hilfe hofft, kann sich auf die Schweriner Beamten verlassen: Die Aufklärungsquote liegt mit 67,9 Prozent weiterhin auf einem landesweit sehr hohen Niveau.
Besonders erfreulich für die Sicherheit im öffentlichen Raum: Die schwere Straßenkriminalität ist rückläufig. So sank die Zahl der erfassten Raubdelikte im Vergleich zum Vorjahr von 100 auf 77 Fälle, wobei hier beachtliche 75,3 Prozent der Taten aufgeklärt werden konnten.
Der statistische Sondereffekt
Der massive Rückgang der Gesamtstraftaten ist allerdings nicht allein das Ergebnis sichererer Straßen, sondern stark von Gesetzesänderungen und Verschiebungen geprägt. Die Polizei führt den Rückgang insbesondere auf weniger Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz, sinkende Zahlen beim Schwarzfahren (Beförderungserschleichung) und einen drastischen Rückgang bei den Betäubungsmittelverstößen nach der Teillegalisierung von Cannabis zurück. Es handelt sich hierbei oft um Delikte, die das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger im Alltag kaum tangieren.
Mehr Konflikte, mehr Einbrüche
Dort, wo das Sicherheitsgefühl direkt berührt wird, gibt es durchaus Warnsignale. Im Bereich der sogenannten Rohheitsdelikte verzeichnet die Polizeiinspektion einen Anstieg um 8 Prozent auf insgesamt 2.052 Fälle. Dieser Gesamtanstieg ist laut Polizei insbesondere auf eine Zunahme bei Straftaten gegen die persönliche Freiheit sowie auf Körperverletzungsdelikte zurückzuführen.
Auch bei den Eigentumsdelikten (insgesamt 3.107 Fälle, ein leichtes Minus von 1,1 Prozent) verbergen sich in der Tiefe Zahlen, die aufhorchen lassen. So stieg die Zahl der Taschendiebstähle um 37 Fälle. Noch schmerzhafter für das persönliche Sicherheitsempfinden: Die Wohnungseinbrüche nahmen um 43 Fälle zu. Immerhin: Die Aufklärungsquote bei Eigentumsdelikten konnte im Berichtsjahr auf 44 Prozent verbessert werden, insbesondere bei schweren Diebstählen, zu denen auch Einbrüche zählen.
Polizei setzt auf Prävention
Die Polizeiinspektion Schwerin reagiert auf die Lage nicht nur mit Repression, sondern verstärkt mit Aufklärung. Kriminaldirektor Mattes Pienkoß, Leiter der Polizeiinspektion, betont: „Die Polizistinnen und Polizisten setzen mit großem Engagement weiterhin zahlreiche Maßnahmen zum Schutz der Menschen in der Landeshauptstadt um, die auf einer stetigen Lageauswertung basieren und fortlaufend angepasst werden.“ Allein im Jahr 2025 wurden 350 Veranstaltungen zu Themen wie Gewalt- und Suchtprävention sowie individuelle Beratungen zum Eigentumsschutz durchgeführt.
Die neuen Zahlen dürften in den kommenden Tagen für reichlich Diskussionsstoff in der Schweriner Stadtpolitik sorgen. Wer pauschal eine unsichere Stadt beschwört, wird durch den historischen Gesamtrückgang von 11,5 Prozent und eine starke Aufklärungsquote widerlegt.
Wer hingegen nur die Erfolge feiert, muss sich den Fragen zu gestiegenen Einbruchszahlen und zunehmenden Rohheitsdelikten stellen. Schwerin ist im Jahr 2025 statistisch sicherer geworden – die Debatte darüber, wie man die verbleibenden Problemfelder anpackt, dürfte gerade jetzt jedoch erst richtig Fahrt aufnehmen.












