(red/ PM UB)
Achtlos weggeworfene Zigarettenstummel bleiben in Schwerin ein sichtbares Problem. Auf Gehwegen, an Bushaltestellen, auf Plätzen, in Grünanlagen und am Wasser landen immer wieder Kippen dort, wo sie nicht hingehören: auf dem Boden. Nun unternimmt die Fraktion Unabhängige Bürger/FDP einen neuen politischen Anlauf, um die Belastung durch Zigarettenreste im öffentlichen Raum zu verringern.
Wie aus einem aktuellen Antrag der Fraktion hervorgeht, soll der Oberbürgermeister beauftragt werden, innerhalb eines Jahres gemeinsam mit den 17 Ortsteilvertretungen geeignete Standorte für Sammelbehälter zu finden. Diese sollen vor allem an stark frequentierten und sensiblen Orten im Stadtgebiet aufgestellt werden. Zusätzlich fordert die Fraktion eine stadtweite Informations- und Aufklärungskampagne zu den ökologischen Folgen weggeworfener Zigarettenreste. Auch weitere Maßnahmen gegen achtlos entsorgte Kippen sollen entwickelt werden.
Abstimmungsaschenbecher als Vorbild
Ganz neu ist die Idee nicht. Im vergangenen Jahr wurden auf Initiative von Anwohnern der Weststadt bereits an mehreren Orten in Schwerin sogenannte Abstimmungsaschenbecher angebracht. Dabei können Raucher ihre Kippe in unterschiedliche Felder werfen und damit zugleich auf eine Frage „abstimmen“. Der Gedanke dahinter: Wer seine Zigarette ohnehin ausdrücken will, soll durch eine einfache, spielerische Lösung eher dazu gebracht werden, den Stummel nicht auf den Boden zu werfen.
Auf diese Erfahrungen will die Fraktion nun offenbar aufbauen. In der Begründung des Antrags heißt es, gute Erfahrungen seien bereits in der Weststadt gemacht worden, unter anderem an den Bushaltestellen Lessingstraße und Johannes-Brahms-Straße, jeweils stadteinwärts, sowie am Platz der Freiheit beidseitig. Eine Ausweitung auf weitere zentrale Orte in Schwerin erscheine deshalb sinnvoll.
Kleine Kippe, großes Umweltproblem
Die Debatte um weggeworfene Zigarettenreste ist nicht neu. Zigarettenstummel zählen zu den häufigsten Abfällen im öffentlichen Raum. Sie sind klein, aber problematisch: Filter enthalten Schadstoffe, die bei Regen ausgewaschen werden und in Böden, Gewässer oder die Kanalisation gelangen können. Für eine Stadt wie Schwerin, geprägt durch Seen, Uferbereiche, Parks, historische Plätze und inzwischen auch das UNESCO-Welterbe-Ensemble, ist das nicht nur ein Umwelt-, sondern auch ein Stadtbild-Thema.
Genau darauf verweist auch die Fraktion. Verschmutzte Straßen, Plätze und Grünanlagen beeinträchtigten nicht nur die Aufenthaltsqualität für Einwohnerinnen und Einwohner, sondern auch den Eindruck, den Besucherinnen und Besucher von Schwerin gewinnen. Sauberkeit sei damit auch eine Frage der touristischen Attraktivität.
Schon frühere Anläufe scheiterten
Politisch dürfte der Antrag dennoch kein Selbstläufer werden. Bereits 2022 und 2023 gab es in der ASK ähnliche Vorstöße, die am Ende keine Mehrheit fanden. Damals setzte sich die Idee zusätzlicher Maßnahmen gegen Kippen im öffentlichen Raum nicht durch.
Ob die Unabhängigen Bürger mit ihrem neuen Vorstoß mehr Erfolg haben, bleibt abzuwarten. Der Antrag ist diesmal breiter angelegt: Es geht nicht nur um Aschenbecher, sondern auch um Aufklärung, Standortabstimmung mit den Ortsteilvertretungen und mögliche ergänzende Maßnahmen. Gerade die bereits vorhandenen Abstimmungsaschenbecher könnten dem Antrag Rückenwind geben, weil sie zeigen, dass einfache Lösungen im Stadtbild funktionieren können.
Am Ende steht damit eine klassische Schweriner Frage im Raum: Reicht der Appell an Vernunft und Eigenverantwortung – oder braucht es mehr sichtbare Angebote, damit weniger Kippen auf Gehwegen, Plätzen und in Grünanlagen landen?
Hier kann der Antrag der UB eingesehen und heruntergeladen werden:















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