(stm) Die neue Radsporthalle im Lambrechtsgrund könnte deutlich später fertig werden als bislang erhofft. Nach Informationen aus gewöhnlich gut informierten Kreisen soll die Stadtverwaltung den Mitgliedern der Stadtvertretung schriftlich mitgeteilt haben, dass derzeit mit einer Fertigstellung erst zum Jahresanfang 2028 gerechnet werde. Ursprünglich war die Fertigstellung des Neubaus bis zum 31. Dezember 2025 geplant. Dann wurde mit einer Fertigstellung Ende 2026 gerechnet. Nun liegt also Anfang 2028 im Raum.
Grund soll die Kündigung des bislang beauftragten Stahlbauunternehmens sein. Die betroffene Firma wird hier nicht benannt. Klar ist aber: Der Stahlbau gilt als zentrales Gewerk des Projekts. Wenn dieser Bereich neu organisiert werden muss, hat das Auswirkungen auf den gesamten Bauablauf.
Stahlbau muss offenbar europaweit neu ausgeschrieben werden
Wie es aus den gut informierten Kreisen weiter heißt, soll eine Fortführung des bisherigen Vertragsverhältnisses nicht mehr möglich sein. Für den Stahlbau sei demnach eine europaweite Neuausschreibung erforderlich.
Die Verwaltung soll derzeit gemeinsam mit juristischer Begleitung an der Neuausschreibung des Leistungsverzeichnisses arbeiten. Dabei gehe es offenbar auch darum, bereits erstellte Werk- und Montageplanungen rechtssicher für die neuen Ausschreibungsunterlagen nutzbar zu machen. Außerdem sollen die Anforderungen so gefasst werden, dass Bieter ohne ausreichende Leistungsfähigkeit oder Leistungsbereitschaft keine Zuschlagsmöglichkeit erhalten.
Das ist bemerkenswert. Denn zwischen den Zeilen wird damit deutlich: Die Stadt will offenbar verhindern, dass sich eine ähnliche Situation im weiteren Verlauf wiederholt.
Andere Arbeiten sollen weiterlaufen
Trotz der Probleme beim Stahlbau sollen andere Arbeiten nach Darstellung der Verwaltung planmäßig fortgesetzt werden. Dazu sollen unter anderem der Innenausbau des Funktionstraktes, Erschließungsarbeiten, Außenanlagen sowie die Wiederherstellung des Stadions Lambrechtsgrund gehören.
Die Kündigung des Stahlbauvertrags soll nach Angaben aus Verwaltungskreisen allerdings erhebliche Auswirkungen auf den Bauablaufplan haben. Der neue Zeithorizont bis Anfang 2028 zeigt, wie stark das Projekt inzwischen aus dem Takt geraten sein könnte.
Mehrkosten noch offen, aber sehr wahrscheinlich
Unklar bleibt bislang, welche finanziellen Folgen die Verzögerung haben wird. Die Verwaltung soll der Stadtvertretung mitgeteilt haben, dass konkrete Aussagen zu möglichen Mehrkosten erst nach dem Ergebnis der neuen Ausschreibung möglich seien.
Gleichzeitig steht offenbar im Raum, dass durch die Verzögerung auch bei nachfolgenden Gewerken Mehrkosten entstehen könnten. In diesem Zusammenhang sollen mögliche Schadensersatzansprüche gegenüber dem gekündigten Unternehmen geprüft werden.
Ob solche Ansprüche tatsächlich durchsetzbar sind und in welcher Höhe, ist offen.
Eigenanteil der Stadt gedeckelt
Der Eigenanteil der Landeshauptstadt Schwerin soll kommunalaufsichtlich auf 3,5 Millionen Euro gedeckelt sein. Das Sozialministerium Mecklenburg-Vorpommern als Hauptfördermittelgeber sei über die Kündigung im Stahlbau und die daraus folgenden zeitlichen Verschiebungen informiert worden.
Auch mögliche Mehrkosten sollen in diesem Zusammenhang angesprochen worden sein. Eine konkrete Festlegung dazu soll es aber noch nicht geben. Sobald das Ergebnis der neuen Ausschreibung vorliegt, will sich die Stadt offenbar mit den Fördermittelgebern über mögliche Lösungsansätze verständigen. Ausgang offen.
Baustopp aktuell nicht geplant
Ein Baustopp steht nach den vorliegenden Informationen derzeit offenbar nicht zur Debatte. Zwischen Stadt und Sozialministerium soll Einigkeit bestanden haben, dass ein Baustopp aktuell keine Option sei.
Damit hält die Landeshauptstadt Schwerin offenbar weiter an der Umsetzung der Radsporthalle fest. Politisch erledigt ist das Thema damit aber keineswegs. Denn die entscheidenden Fragen bleiben offen: Wie teuer wird die Neuausschreibung? Wie stark steigen die Gesamtkosten? Wie belastbar ist der neue Zeitplan? Und wer trägt am Ende mögliche Mehrkosten?
Für die Stadtvertretung dürfte der Bericht deshalb weniger eine Entwarnung sein als ein Zwischenstand mit erheblichem Sprengstoff. Das Projekt läuft weiter – aber der Bau der Radsporthalle ist längst nicht mehr nur eine Baustelle aus Stahl, Beton und Plänen. Er ist auch ein politischer Risikofaktor geworden.



















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