(stm/ Kommntar)
Am heutigen Tag der Pressefreiheit sollte man über eine ziemlich unbequeme Frage reden: Warum glauben eigentlich manche, sie könnten bestimmen, wer Presse ist und wer nicht?
www.schwerin.news wird gelegentlich vorgeworfen, keine „richtige Presse“ zu sein. Die Autoren seien keine „echten Journalisten“. Auffällig oft kommt dieser Vorwurf genau dann, wenn Berichte wehtun, Fragen sitzen oder Dokumente öffentlich werden, die manche offenbar lieber im Dunkeln gehalten hätten.
Besonders gern kommt das aus konservativen Kreisen Schwerins. Ausgerechnet von dort, wo sonst ständig Freiheit, Meinungsvielfalt und Bürgernähe beschworen werden. Nur wenn diese Freiheit nicht die eigene Meinung streichelt, sondern an der eigenen Tür klingelt, wird es plötzlich eng mit dem Freiheitsbegriff. Dann ist Pressefreiheit offenbar nur noch etwas für große Häuser, glatte Logos und Redaktionen, die vorher fragen, ob Kritik gerade genehm ist.
Doch Pressefreiheit ist kein Parteiausweis. Kein Verlagssiegel. Kein Gnadenrecht für brav sortierte Medien.
Pressefreiheit schützt nicht nur große Redaktionen mit Chefredaktion, Empfangstresen und Visitenkarten. Sie schützt auch kleine, unabhängige, unbequeme publizistische Arbeit. Sie schützt Recherche, Veröffentlichung, Kritik, Kommentar, Nachfrage und Kontrolle. Auch dann, wenn sie nervt. Vor allem dann.
Natürlich darf man www.schwerin.news kritisieren. Hart sogar. Wer Fehler findet, soll sie benennen. Wer anderer Meinung ist, soll widersprechen. Wer Texte schlecht findet, darf sie schlecht finden. Aber wer statt Kritik lieber die Existenzberechtigung eines Mediums angreift, spielt ein schmutzigeres Spiel.
„Das ist keine richtige Presse“ heißt dann nicht: „Das ist falsch.“ Es heißt: „Das soll weg.“ Oder wenigstens: „Das soll weniger gelten.“
Und genau da wird es unanständig.
Denn wer so redet, will nicht bessere Berichterstattung. Er will ruhigere Berichterstattung. Er will weniger Fragen, weniger Akten, weniger Öffentlichkeit. Er will nicht korrigieren. Er will kleinmachen. Erst wird einem Medium die Seriosität abgesprochen. Dann die Rolle. Dann der Zugang. Dann die Legitimität. Und am Ende steht eine Öffentlichkeit, in der nur noch Pressemitteilungen, Hofberichte und freundliche Fototermine mit Wanderspaten als „seriös“ gelten.
Das ist keine Liebe zur Pressefreiheit. Das ist betreutes Lautlosstellen.
Wer Pressefreiheit nur für Medien gelten lässt, die politisch passen, hat sie nicht verstanden. Er will keine freie Presse. Er will sortierte Presse. Zahme Presse. Presse mit Maulkorb, aber bitte im Namen der Seriosität.
Gerade Schwerin braucht das Gegenteil. Diese Stadt braucht Öffentlichkeit. Nachfragen. Reibung. Widerspruch. Dokumente. Kommentare. Kontrolle. Sie braucht Medien, die nicht erst prüfen, ob eine Frage politisch bequem ist, bevor sie gestellt wird.
www.schwerin.news ist nicht Presse, weil irgendein Lager es erlaubt. Es ist Presse, weil es veröffentlicht, fragt, einordnet und Verantwortung übernimmt.
Wer das bestreiten will, soll es ruhig tun. Aber dann bitte ehrlich: Es geht ihm dann nicht nicht um Pressefreiheit. Es geht um das Problem mancher Leute mit unbequemer Öffentlichkeit.
















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