(Kommentar von http://www.schwerin.news Autor stm auf den OZ Kommentar von Gerald Kleine Wördemann)
Wer das geplante Museum in Schwerin als entbehrliches „Prestigeprojekt“ abtut, wie es OZ-Chefreporter Gerald Kleine Wördemann jüngst getan hat, liegt gleich doppelt falsch. Denn erstens verkennt er die wahre Zielsetzung des Projekts – und zweitens bedient er ein Narrativ, das die Verwaltung selbst geschaffen hat, als sie ohne echte Rücksprache mit der Stadtpolitik das Projekt kurzerhand umetikettierte und die bestehenden Pläne anpasste.
Tatsächlich ging es der Schweriner Kommunalpolitik seit Jahren um etwas völlig anderes: um ein Stadtgeschichtsmuseum. Ein Haus für die Geschichte dieser Stadt, ihrer Menschen, ihrer Entwicklungen und Brüche. Kein schicker Tempel für Touristinnen und Touristen, sondern ein Ort der Aufarbeitung, der Bildung, der Identifikation – wie er in jeder anderen Landeshauptstadt längst existiert. Ja, Recht hat herr Wördemann, wenn es um ein Museum für Welterbe gehen würde, dass kann durchaus hinterfragt werden.
Ettiketenschwindel der Stadtverwaltung
Doch um an Landesfördermittel zu kommen, der Forderung der UNESCO nachzukommen, taufte die Stadtverwaltung das Vorhaben ohne Rücksprache mit der Kommunalpolitik kurzerhand um – mal war vom „Residenzmuseum“ die Rede, mal vom „Welterbe-Zentrum“, dass an das Museum angedeckt werden soll. Eine Idee der Stadtverwaltung, die kommunikativ nach hinten losging. Denn nun wird das Projekt öffentlich als überflüssige Ergänzung zu den ohnehin sichtbaren Welterbe-Bauten missverstanden. So entstehen fehlerhafte Kommentare wie jener der Ostsee-Zeitung.
Der Wettbewerb für die Gestaltung des Stadtgeschichtsmuseums, mit angedocktem Welterbemuseum kann übrigens hier eingesehen werden:
https://www.wettbewerbe-aktuell.de/ausschreibung/stadtgeschichtsmuseum-schwerin-372101
Schwerin Stadtgeschichte vergammelt und verstaubt in Lagern und Archiven
Dabei liegen seit fast 20 Jahren über 50.000 Objekte zur Stadtgeschichte im Depot. Alltagskultur, Stadtentwicklung, politische Umbrüche, persönliche Geschichten fernab von Schloss und Hofadel – alles vorhanden, aber für die Öffentlichkeit unsichtbar. Bürgerinitiativen wie die Aktion Stadt- und Kulturschutz (ASK) haben früh darauf aufmerksam gemacht und sich dafür stark gemacht, dass diese Sammlung ein eigenes, offenes Haus bekommt. Ein Vorschlag des damaligen Stadtvertreters Ralph Martini lautete bereits 2016: das Perzina-Haus als Ort der Stadtgeschichte. Dabei im Fokus ein Museum für die Stadt selbst, in erster Linie für die Schwerinerinnen und Schweriner – zum erleben der eigenen Stadtgeschichte. So wie es jedes Dorf hat. Man bedenke, Schwerin ist die einzige Landeshauptstadt Deutschlands die kein Museum für die eigene Geschichte hat.
Die Fakten sind klar: Schwerin hat ein historisches Gedächtnis – aber keinen Raum, es zu zeigen. Die Streichung des Projekts träfe daher nicht ein Symbol, sondern einen längst überfälligen Bestandteil kultureller Infrastruktur. Und sie trifft auch all jene, die sich seit Jahren für ein solches Museum stark gemacht haben – innerhalb und außerhalb der Stadtvertretung. Ja, die Gäste würden nicht viel vermissen – doch die Schwerinerinnen und Schweriner, die verdienen nach Jahrzehnten ein Museum zur eigenen Geschichte.
Dieses Thema nun auf die Ebene von „braucht kein Mensch“ zu ziehen, ist schlicht unfair – und zeugt von mangelnder Kenntnis der Debatte. Verschuldet durch umettiketierung durch die Stadtverwaltung. Deshalb unser Appell: Lasst uns wieder ehrlich benennen, worum es hier geht. Schwerin braucht ein Stadtgeschichtsmuseum. Dringender denn je. Das aktuelle Grobkonzept haben wir für unsere Leserinnen und Leser unten verlinkt.
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