(red)
Transparenz ist keine Option, sondern Voraussetzung für öffentliche Ämter. Petra Federau wurde zu dokumentierten Archivfunden aus dem Jahr 2008 schriftlich befragt. Die Anfrage wurde zugestellt und zur Kenntnis genommen. Eine Stellungnahme liegt nicht vor. Wir veröffentlichen dies nicht um Federau zu schaden. Bitte bedenkt – sebst als AfD Fans- wenn irgendjemand eine zukünftige OB Federau mit den folgend veröffentlichten „geheimen“ Dokumenten erpressen könnte, die wir nach einigen Tagen Recherche gefunden haben, wie sicher könnten wir dann sein, als Stadt, das Frau Federau sich dann nicht erpressen oder unter Druck setzten lässt? Wir legen mit diesem Bericht nur alle Karten auf den Tisch.
Sollte Frau Petra Federau doch noch auf unsere Fragen reagieren, werden wir erneut berichten.
Neue Primärbelege aus dem Internetarchiv: Hongkong-Markteintritt, Abu Dhabi, VIP-Klientel, Preislisten, Recruiting — und eine OB-Kandidatin, die Fragen abblockt.
Als TV Schwerin im Januar 2026 ein Interview mit Petra Federau zur Oberbürgermeisterwahl führen wollte, platzte das Gespräch bereits im Vorgespräch. Moderator Thomas Böhm wollte im Rahmen seines Transparenztest-Formats auch Fragen zu Federaus früherer Tätigkeit im Escort-Umfeld stellen. Federau lehnte ab und warf dem Sender vor, ein „Verhör“ zu planen statt ein Interview. Das Interview fand nicht statt. Das Video, das TV Schwerin daraufhin veröffentlichte, trägt den Titel: „Transparenztest im Schweriner OB-Wahlkampf: AfD-Kandidatin Petra Federau sagt Interview ab.“
Was Federau nicht sagen will, sagt eine bisher unbekannte Website
Dieser Interviewabbruch ist der Ausgangspunkt dieser Recherche. Eine OB-Kandidatin, die Transparenzfragen zu einem bereits öffentlich bekannten Kapitel ihrer Biographie nicht beantworten will, erzeugt eine demokratische Pflicht zur Einordnung. Wählerinnen und Wähler haben ein Recht auf Information — gerade dann, wenn Journalisten keine Antworten bekommen.
Was diese Recherche nun zum ersten Mal öffentlich dokumentiert: archivierte Originalseiten der Website beauty-escort-4you.com vom 24. Februar 2008. Diese Seiten waren bisher nicht öffentlich ins Vesier genommen worden. Medienberichte hatten stets die.de-Domain zitiert, die laut Wayback Machine (Internetseite, die Vorgängerversionen einer Internetseite abrufbar macht) keinerlei Archivspuren hinterlassen hat. Die .com-Variante hingegen wurde von der Wayback Machine an zwei Zeitpunkten — 24. Februar 2008 und 1. Mai 2008 — archiviert. Mehrere Unterseiten sind vollständig erhalten. Wir haben sie gefunden. Wir haben sie gesichert. Und sie zeigen mehr, als bisher bekannt war.
Die Quellen (Links oben) können von allen Leserinnen und Lesertn eigenständig nachgeprüft werden.
Was seit 2016 bekannt war
Im März 2016 berichtete die Schweriner Volkszeitung erstmals über eine Verbindung der damaligen AfD-Direktkandidatin Petra Federau zum Escort-Service „Beauty Escort 4You – German Beautys“. Der Kern dieser Berichterstattung: Federau soll unter dem Decknamen „Pia Sommer“ junge Frauen angeworben, Einsätze im arabischen Raum — insbesondere Abu Dhabi — organisiert und die Frauen teils persönlich begleitet haben. Bei Telefonaten soll sie sich als „Pia Sommer“ vorgestellt, Verträge aber mit ihrem echten Namen unterzeichnet haben. Die Agentur kassierte ein Drittel des Honorars als Provision.
Federau hat sich bis heute nie inhaltlich zu diesen Vorwürfen geäußert. Ihr Anwalt teilte 2016 mit, sie habe „nicht das geringste einzuwenden gegen sorgfältig recherchierte Zeitungsartikel“. Das war kein Dementi. Es war Schweigen.
Ein politischer Blog schrieb damals ausdrücklich: „Leider haben die Webarchive keine Reste von Pias Webseite. Deren Domain ist tot.“ Genau diese Aussage ist nun widerlegt. Wir haben auf einer anderen Website alte Daten gefunden, die belegen, worum es in den Geschäftsmodell wirklich ging – und das Beste. Jede und Jeder kann es selbst nachprüfen.
Die Startseite: Hongkong, VIPs, Executives
Die archivierte Startseite beginnt mit einer Botschaft, die in der gesamten bisherigen Diskussion um Federau vollständig gefehlt hat: „NEW – NEW – NEW — new in HONG KONG — NEW – NEW – NEW.“ Und dann: „The best service worldwide!!!“
Hongkong war demnach nicht nur ein gelegentlicher Einsatzort, sondern wurde aktiv als neuer Markt beworben. Das ist ein elementarer Unterschied zur bisherigen Berichterstattung, die Abu Dhabi als einzigen internationalen Schauplatz nannte.
Die Seite richtet sich explizit an eine hochpreisige Geschäftsklientel: „You can me booked by VIPs, Executives or for romantic dinner or moments, massage or more. When you are back in your hotel room or villa an exhausted from a successful business meeting then I am waiting for your telephone call.“
Das ist keine Sprache für einen lokalen Schweriner Begleitservice. Das ist eine internationale High-End-Positionierung, die Unternehmensführer und Entscheidungsträger anspricht — nach einem erschöpfenden Geschäftstag, im Hotelzimmer oder der Villa.
Und dann noch ein Satz, der in seiner Formulierung besonders auffällt: „Dear Gentlemen, Couple and Women.“ Das Angebot richtete sich ausdrücklich auch an Paare und Frauen. Das ist kein Standard-Escort-Text.
Das Profil „Pia – blond Angel“
Auf der Profilseite „Pia – blond Angel“ findet sich eine Selbstdarstellung mit Körpermerkmalen und Verfügbarkeit: Nationality: German. Age: 29 years. Height: 163 cm. Weight: 50 kilo. Cup Size: 36 DD. Hair Color: blond. Eyes: blue-green. Languages: German, English. Travelling: worldwide.
Das letzte Merkmal ist das wichtigste: „Travelling: worldwide.“ Kein lokales Angebot. Kein gelegentlicher Dienst. Ein weltweit verfügbares Angebot — im eigenen Profil so beschrieben.
Die Service-Seite: Klarer als jedes Dementi
In der gesamten Berichterstattung von 2016 wurde konsequent offen gelassen, welche konkreten Dienste die vermittelten Frauen angeboten hatten. „Escort“ sei nicht automatisch Prostitution, hieß es. Die archivierte Service-Seite macht diese Debatte obsolet. Dort steht, im wörtlichen Original:
„We can do wonderful sex.“
Dieser Satz ist nicht mehrdeutig. Er steht nicht als Zitat eines Kunden. Er steht als Teil der offiziellen Leistungsbeschreibung. Der vollständige Text der Service-Seite lautet: „Within a short notice or call I can visit you in your hotel, home or office (or you come to my place) and you can enjoy their company an you will experience your ultimate fantasies. I am also the perfect companions for going out, wining an dining, to visit a theatre or any event or for romantic and erotic moments and all is possible. We can do wonderful sex. You never will have to go out alone again.“
Die Preisstruktur: Eine Woche, 50.000 AED
Die Preisseite zeigt eine vollständig ausgearbeitete Buchungsstaffel in sechs Währungen. Eine halbe Stunde kostet 130 Euro oder 1.400 Hongkong-Dollar oder 700 AED. Eine Stunde 250 Euro oder 1.300 AED. Vier Stunden 4.000 AED. Acht Stunden 7.000 AED. Ein Tag 13.000 AED. Zwei Tage 20.000 AED. Eine Woche 50.000 AED — das entspricht zum damaligen Kurs etwa 9.000 bis 10.000 Euro.
Akzeptierte Zahlungsmittel: Euro, US-Dollar, AED (Vereinigte Arabische Emirate), HKD (Hongkong-Dollar), OMR (Oman), BHD (Bahrain), QR (Katar). Der gesamte wirtschaftlich starke Golfraum ist abgedeckt, dazu Hongkong. Und: „The payment is due upon arrival of the escort.“ Barzahlung bei Ankunft.
Das ist keine Stundenhonorar-Struktur für kurze Treffen. Das ist waren Angebote für mehrtägige Buchungen und internationale Reiseklientel.
Die Kontaktseite: Drei Länder, drei Nummern
Die Kontaktseite listet folgende Erreichbarkeiten auf: E-Mail Pia.Sommer@t-online.de. Dazu zwei Mobilnummern mit der UAE-Vorwahl +971. Und eine Nummer mit der Hongkong-Vorwahl +852.
Die E-Mail-Adresse ist bei einem deutschen Provider auf den Decknamen „Pia Sommer“ registriert. Zwei physische UAE-Nummern. Eine Hongkong-Nummer. Drei Länder auf einer Kontaktseite — als direkte Entsprechung zur Startseiten-Botschaft „New in Hong Kong“ und zur Preisliste in Gulf-Währungen und HKD.
Das Recruiting – also die „Anwerbung“ schöner junger Frauen“.
Auf der Models-Seite findet sich neben Profilen der angebotenen Damen — darunter eine Person, die ab dem 5. Januar 2008 in Abu Dhabi verfügbar sein soll — dieser Hinweis: „Job Offering: Our Agentur is everytime looking at very nice young women. For more information call: +971 50 1375 269 or send a email: Pia.Sommer@t-online.de.“
Das ist kein Vorwurf aus zweiter Hand. Das ist Recruiting als archivierter Originaltext. Die Medienberichte von 2016 hatten das Anwerben als zentralen Punkt benannt — hier steht es als Selbstaussage der Seite. Und die für das Recruiting genutzte Telefonnummer ist eine weitere, von den Kontaktseiten-Nummern verschiedene UAE-Nummer. Für Recruiting gab es eine eigene Leitung.
Der politische Widerspruch
Petra Federau ist seit 2021 Abgeordnete der AfD im Landtag Mecklenburg-Vorpommern. Sie ist Vorsitzende des kommunalen Ausschusses für Bildung, Sport, Soziales und Integration. Sie ist die familienpolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Und sie kandidiert im April 2026 für das Amt der Oberbürgermeisterin von Schwerin.
Prostitution ist in den Vereinigten Arabischen Emiraten offiziell verboten. Das Organisieren und Vermitteln ist dort strafbar. Die archivierten Seiten belegen ein Angebot, das Abu Dhabi explizit als Einsatzgebiet nennt und AED als Zahlungswährung anführt.
Ob das strafrechtlich relevant ist, entscheiden Staatsanwaltschaften — nicht Redaktionen. Tatsache ist: Seit der Erstveröffentlichung 2016 sind fast zehn Jahre vergangen. Eine Strafanzeige ist nicht bekannt. Ermittlungen wurden nicht eingeleitet.
Frau Federau wirbt in Schwerin zur OB Wahl aktuell mit einem Wahlplakat auf dem für den Ausflug von Menschen mit einem Flugzeug geworben wird. Damit kennt sich Frau Federau sich also schon lange aus. Seinerzeit waren es deutsche schöne junge Frauen, jetzt …
Was Federau bis heute nicht beantwortet hat
Warum richtete sich die Website explizit an VIPs und Executives? Was war der Hintergrund des Hongkong-Markteintritts im Februar 2008? Wer waren die Kunden in Abu Dhabi, Dubai und Hongkong? Warum gab es eine separate Recruiting-Nummer? Wie wurden Einsätze in Ländern organisiert, in denen das Angebot strafbar ist? Und warum verweigert eine OB-Kandidatin im Jahr 2026 noch immer Antworten auf genau diese Fragen?
Leider hat „Pia Sommer“ nicht auf unsere Anfarge reagiert.
Die Archivseiten von 2008 stehen, für alle Interessierten abrufbar. Das Schweigen steht. Nun ist Pia Sommer alias Petra Federau gefragt. Eine entsprechende Anfrage an Petra Federau ist versendet. Sollte doch noch eine Antwort kommen, werden wir erneut berichten.
QUELLENNACHWEIS:
Hier Screenshots der Website aus 2008. Heute zeigt die Website übrigens ebenfalls Escort Dienste für Dubai an. In Kyrillisch. Abrufbar hier: Beautiful german escort model in Hong Kong





http://www.schwerin.news hat auch die anderen Kandidatinnen und Kandidaten im Blick. Entsprechende Artikel werden wir veröffentlichen.














