(KOMMENTAR von stm zum Ostseezeitung Artikel: „Anwohner und Gewerbetreibende klagen über zunehmende Kriminalität am Schweriner Markt„)
Am Montag veröffentlichte die Ostsee-Zeitung einen Artikel über zunehmende Probleme rund um den Schweriner Markt. Die Rede ist von Angst, Vandalismus, Drogenhandel, Belästigungen und einer Stimmung, die sich in der Innenstadt verändert habe. Anwohner und Geschäftsleute kommen zu Wort, dazu Aussagen über „junge Männer aus Syrien und Afghanistan“, über nächtliche Gruppen und über ein Unsicherheitsgefühl auf dem Markt.
Man muss über diese Themen reden können. Natürlich.
Denn ja: Der Markt hat sichtbare Probleme. Müll, Schmierereien, nächtlicher Lärm, herumstehende Gruppen und betrunkene Menschen gehören inzwischen regelmäßig zum Bild. Das ist weder schön noch besonders einladend für eine Stadt, die sich Welterbe-Flair auf die Fahnen schreibt.
Aber genau deshalb sollte die Debatte sauber geführt werden.
Denn vieles in der aktuellen Diskussion basiert offenbar weniger auf belegbaren Fakten als auf subjektiven Wahrnehmungen, Weitererzählungen und politischen Zuschreibungen. Wer behauptet, bestimmte Gruppen kämen „aus Syrien“ oder „aus Afghanistan“, sollte erklären können, woher er das eigentlich wissen will. Einen Pass erkennt niemand aus zehn Metern Entfernung auf dem Markt.
Auch die gezeigten Graffiti liefern dafür keinerlei Hinweis. Die Schmierereien wirken eher wie das, was sie in vielen Innenstädten sind: sinnloses Gekritzel, Tags, englische Sprüche und jugendlicher Vandalismus. Nicht mehr. Nicht weniger. Dass die von der OZ grafisch gezeigten Fotos der „Gaffiti“ eher deutsch als afghanisch, syrisch aussehen, ist kein Geheimnis.
Auffällig ist zudem ein anderer Widerspruch: Ein Teil der Beschwerden kommt ausgerechnet aus dem Umfeld von Gastronomie und Veranstaltungsbetrieb. Dabei ist der Markt kein ruhiger Hinterhof, sondern der zentrale Platz der Stadt – inklusive Alkoholausschank bis in den Abend, Nachtleben und Feierkultur. Wer dort mit Gastronomie Geld verdient und Gäste bis spätabends bewirtet, sollte zumindest nicht überrascht sein, dass sich nach Schließzeiten weiterhin Menschen dort aufhalten – darunter auch Betrunkene – die dann ob es einem gefällt oder nicht – Dinge tun, die nüchterne Menschen eher weniger tun.
Das entschuldigt weder Sachbeschädigung noch Belästigungen oder Gewalt. Aber es macht die Lage komplexer als die einfache Erzählung vom „fremden Problem“.
Interessant ist nämlich auch, worüber kaum gesprochen wird: Dienstag bis Mittwoch quellen die Mülltonnen am Markt regelmäßig über. Flaschen, Verpackungen, Essensreste – sichtbar für jeden. Die Herkunft dieses Mülls wird selten öffentlich diskutiert. Bei herumstehenden Jugendlichen oder nächtlichen Gruppen dagegen wird erstaunlich schnell eine Migrationsdebatte daraus.
Genau das wirkt befremdlich.
Natürlich braucht der Markt mehr Ordnung, Reinigung, Präsenz und klare Regeln. Natürlich müssen Polizei und Stadt eingreifen, wenn Straftaten passieren oder Menschen belästigt werden. Aber eine Stadt wird nicht sicherer, wenn aus Vermutungen gesellschaftliche Schuldzuweisungen werden.
Die eigentliche Frage lautet nicht: Wer sieht aus wie woher?
Die eigentliche Frage lautet: Wie organisiert Schwerin seinen zentralen öffentlichen Platz so, dass dort Gastronomie, Tourismus, Veranstaltungen, Jugendliche, Anwohner und Besucher gleichzeitig Platz haben – ohne dass daraus täglich die nächste Angstdebatte entsteht.
Eine Idee: Warum gibt es auf dem Markt – dort steht eines der Hoheitsgebäude Schwerins – das Rathaus – eigentlich so gut wie keine Jugendsozialarbeit? Im Rathaus sind Räume frei, auch im direkten Nebengebäude. Für jeden Sozialarbeiter*in ein Träumchen. Hier trifft sich inzwischen die Jugend – man könnte dort mit ihr niederschwellig in Kontakt treten.
Der Markt braucht Lösungen. Keine Stimmungsmache.
Was sagen Leserinnen und Leser von http://www.schwerin.news dazu? Die Kommentarspalte ist geöffnet.
Eine Antwort zu „Kommentar: Schweriner Markt – Zwischen echten Problemen und schiefen Erzählungen“
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Na dafür ist Marienplatz mit Video überwarung etwas ruhiger geworden das ist aber auch lange bekannt das die sich und wo anders Treffen.












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