Bürger fordern Mitsprache bei Bauvorhaben am Kranweg – Hauptausschuss berät heute über umstrittene Baupläne

(stm)

Der Hauptausschuss der Stadt Schwerin berät heute über eine kontroverse Petition zum geplanten Bauprojekt an der Hafenpromenade am Kranweg 1-5. Mit knapp 700 Unterschriften fordern Anwohner eine Überarbeitung der Pläne und eine verbindliche Bürgerbeteiligung. Die Stadtverwaltung zeigt sich zwar dialogbereit, verweist aber auf rechtliche Hürden.

Die Petition, initiiert von einem Anwohner und unterstützt von zahlreichen Bürgern, kritisiert die aktuellen Baupläne als überdimensioniert und nicht vereinbar mit den Bedürfnissen des Quartiers. Demnach soll das Bauvolumen um 20 Prozent über den ursprünglich genehmigten Werten liegen, was zwei zusätzliche Vollgeschosse und etwa 100 weitere Wohneinheiten bedeuten würde. Die Anwohner befürchten eine weitere Verschärfung der ohnehin angespannten Infrastruktur, darunter fehlende Parkplätze, unzureichende Nahversorgung und mangelnde Grün- und Spielflächen. Zudem weisen sie auf die bereits hohe Versiegelungsrate von 77 Prozent hin, die das Regenwassermanagement vor große Herausforderungen stellt.

Ein zentraler Kritikpunkt ist die geplante „Befreiung“ von Festsetzungen des Bebauungsplans, die eine formale Bürgerbeteiligung umgehen würde. „Das Quartier eignet sich zum Wohnen, aber nicht zum Leben“, zitieren die Initiatoren eine Anwohnerin aus dem Jahr 2021 und unterstreichen damit ihre Sorge um die Lebensqualität im Hafenquartier.

Stadtverwaltung sieht sich weitgehend machtlos

In ihrer offiziellen Stellungnahme erklärt die Stadtverwaltung, dass das laufende Vorbescheidsverfahren nach der Landesbauordnung Mecklenburg-Vorpommern keine verpflichtende Öffentlichkeitsbeteiligung vorsieht. Dennoch signalisiert Bau-Dezernent Bernd Nottebaum Gesprächsbereitschaft: Die Verwaltung werde dem Antragssteller eine freiwillige Beteiligung vorschlagen. Ein Rechtsanspruch auf Änderung der Pläne bestehe jedoch nur, wenn öffentlich-rechtliche Vorschriften verletzt würden. Derzeit prüft die Bauaufsichtsbehörde die Unterlagen; ein abschließendes Ergebnis liegt noch nicht vor.

Hintergrund des Konflikts ist eine jahrelange Entwicklung im Hafenquartier, bei der Bebauungspläne mehrfach zugunsten von Investoren angepasst wurden. Kritiker werfen der Stadt vor, wirtschaftliche Interessen über die Belange der Anwohner und des Klimaschutzes zu stellen. Ein Schreiben des Fachdienstleiters aus dem Jahr 2021 bestätigt zwar, dass der aktuelle Bauantrag formal den Vorgaben entspricht. Die Bürgerinitiative pocht jedoch auf eine Rückkehr zur ursprünglichen Planung, die in einem demokratischen Prozess mit Bürgerbeteiligung erarbeitet wurde.

Hier können die Stellungnahme der Verwaltung eingesehen werden:


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12 Antworten zu „Bürger fordern Mitsprache bei Bauvorhaben am Kranweg – Hauptausschuss berät heute über umstrittene Baupläne“

  1. Avatar von
    Anonymous

    Ich möchte zu einigen Aussagen anmerken, dass sie sehr gewagt und teilweise schlicht falsch sind. Als Anwohner kann ich sagen, dass die Behauptung, „die Anwohner wollen das einfach nicht“, doch eher fragwürdig ist – wurden denn wirklich alle befragt? Die Meinungen im Viertel sind durchaus vielfältig und nicht pauschal ablehnend.

    Auch die Behauptung zum zweiten REWE-Markt in der Möwenburgstraße stimmt so nicht. Das Autohaus, das genannt wird, befindet sich rechts daneben und nicht auf der ausgewiesenen Grünfläche. Diese Grünfläche ist im Bebauungsplan doch klar als solche festgesetzt und soll auch erhalten bleiben.

    Es ist wichtig, die Fakten genau zu prüfen und nicht mit unbelegten Behauptungen Verunsicherung zu streuen. Ein sachlicher Dialog auf Basis korrekter Informationen wäre sicher für alle Beteiligten hilfreicher.

  2. Avatar von
    Anonymous

    Man kann viel am Sachverhalt vorbei schreiben. Tatsache, es war nicht so groß geplant und genehmigt. Hier soll es jetzt dem nächsten Investor „schmackhaft“ gemacht werden. Es sollten Dächer begrünt werden, es sollten mehr Bäume gepflanzt werden und weniger Fläche versiegelt werden. Aber was sagte eine bekannte Stadtvertreterin: „Der Drops ist gelutscht.“ Jetzt kommt der 2. REWE-Markt in die Möwenburgstr. Die im Plan ausgewiesene Grünfläche besetzt jetzt ein Autohaus. Die Bewohner wurden verarscht, Block an Block gesetzt und nun auch noch ein 30? Meter Klotz dazu? Die Bewohner wollen das einfach nicht.

    Der Badestrand und der Bürgerpark kommen ganz sicher.

  3. Avatar von Redaktion

    Danke für den Hinweis und die Ergänzungen. Die Frage die sich beim Schreiben derartiger Beiträge immer stellt ist, wie tief geht man in die Materie, ohne Leserinnen und Leser „zuzuballern“.

    Die Beratung im Hauptausschuss wird gegebenenfalls einen weiteren Anlass geben über das Thema zu schreiben.

    Dann kann auch gerne tiefer in die Materie eingetaucht werden.

    Grüße gehen raus.

  4. Avatar von
    Anonymous

    Beim Lesen des Artikels über das Bauvorhaben am Kranweg entsteht der Eindruck, als würde hier ein klarer Konflikt zwischen Bürgerwillen und einer angeblich starren Verwaltung aufgebaut – doch diese Darstellung greift viel zu kurz. Was vollkommen fehlt, ist eine differenzierte journalistische Auseinandersetzung mit den rechtlichen Rahmenbedingungen des Verfahrens.

    Dass es sich beim aktuellen Antrag um ein sogenanntes Vorbescheidsverfahren nach § 75 der Landesbauordnung M-V handelt, wird zwar kurz erwähnt, aber die Konsequenz daraus – nämlich dass eine verpflichtende Bürgerbeteiligung gesetzlich gar nicht vorgesehen ist – wird im Artikel nicht wirklich erklärt. Stattdessen wird suggeriert, die Stadt wolle sich um die Beteiligung „herumdrücken“. Das ist schlichtweg irreführend.

    Die Verwaltung hat klar kommuniziert, dass sie gesprächsbereit ist und das öffentliche Interesse an den Antragsteller weitergeben will. Natürlich ist Kritik an Bauvorhaben legitim – aber Journalismus sollte informieren, nicht emotionalisieren. Eine journalistische Pflicht wäre es gewesen, den Unterschied zwischen den unterschiedlichen Verfahrensarten deutlich zu machen. Die rechtlichen Grundlagen sind öffentlich einsehbar, wurden aber offenbar nicht recherchiert oder bewusst nicht erklärt.

    Ich wünsche mir von der Redaktion künftig mehr sachliche Tiefe und weniger suggestive Schlagzeilen. Nur so kann sich die Öffentlichkeit ein wirklich fundiertes Bild machen.

  5. Avatar von
    Anonymous

    Was soll das denn werden? Obige Angaben 20% mehr Bauvolumen gleich 2 weitere Geschosse mit 100! weiteren Wohneinheiten. Dann waren bisher schon 500 Wohneinheiten geplant? Insgesamt dann 600!!! Wohneinheiten auf diesem Stück Land. Ist das richtig so? Kann doch so gar nicht sein?

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