(stm)

Die Diskussion um die Zukunft der Schauburg in der Schweriner Mecklenburgstraße spitzt sich zu. Wie die Landeshauptstadt mitteilt, liegt der Bauaufsicht ein statisches Gutachten vor, das eine akute Einsturzgefahr nachweist. Nach einer Ortsbesichtigung wurde der Gefahrenbereich weiträumig abgesperrt. Die Mecklenburgstraße ist auf Höhe der Hausnummer 53 seit Donnerstagvormittag voll gesperrt – voraussichtlich bis Ende September. Lieferverkehre werden über die Schlossstraße umgeleitet, Fußgänger und Radfahrer können passieren.

Abbruchvorbereitung trotz Denkmalschutz

Nach Angaben der Stadt bereitet die Eigentümerin des Grundstücks inzwischen den Abbruch des denkmalgeschützten Gebäudes vor. Die Untere Denkmalschutzbehörde sei in den Vorgang einbezogen und habe dem Abriss zugestimmt – ausdrücklich wegen der unmittelbaren Gefahrenlage. Offen bleibt, wer das Gutachten erstellt hat. Nach Informationen die http://www.schwerin.news zugetragen wurden, soll das Gutachten aus Kreisen des neuen Grundstücksbesitzers selbst stammen.

Die Fassade, die bislang unter Schutz stand, könnte in den kommenden Tagen fallen. Ein Armutszeugnis. Wer hat die Fassade verfallen lassen, wer ist hier seiner Kontroll und Sicherungspflicht nicht nachgekommen?

BIs Ende September soll die Teilsperrung der Mecklenburgstraße andauern.

Unklarheiten beim Gutachten

Offen bleibt bislang, wer das Gutachten erstellt hat und auf welcher Grundlage die Einschätzung der akuten Einsturzgefahr getroffen wurde. Konkrete Details, welche Bauteile besonders betroffen sind oder welche statischen Mängel für den drohenden Einsturz verantwortlich sein sollen, wurden bislang nicht veröffentlicht. Auch ist unklar, ob eine unabhängige Zweitprüfung oder eine externe Begutachtung in Auftrag gegeben wurde.

Sanierung statt Abriss eine Option?

Kritiker werfen daher die Frage auf, warum mögliche Sanierungs- oder Sicherungsoptionen nicht stärker verfolgt werden. Denkmalpfleger hatten in der Vergangenheit immer wieder betont, dass die Fassade ein bedeutendes Stück Stadtgeschichte sei. Noch ist nicht nachvollziehbar, ob eine Sanierung technisch unmöglich oder lediglich wirtschaftlich unattraktiv wäre – und wer letztlich über den Abbruch entschieden hat. http://www.schwerin.news hat eine entsprechende Anfrage versandt, die Antwort steht derzeit noch aus.

Unklar ist ebenfalls, ob der Verursacher des Zustandes zur Kasse geben wird. Schließlich wurde hier durch offensichtlich unzureichende Maßnahmen – fahrlässig ein Denkmal beschädigt.

Private Investoren im Hintergrund

Nach Informationen von schwerin.news wurde die Schauburg zusammen mit angrenzenden Gebäuden von zwei privaten Immobilienhändlern übernommen. Die Landeshauptstadt hatte ihr Kaufinteresse nicht durchsetzen können. Geplant sei eine künftige Nutzung für Wohnimmobilien. Dem Betreiber eines angrenzenden Restaurants soll bereits zum Monatsende gekündigt worden sein um hier die Interessen der Bauherren durchzusetzen. Geplant sind demnach auf dem rüchseitigen gelände ausgibige Wohnbebauung.

Es geht um Bauland. Viel Baufläche.

Ein Stück Kinogeschichte vor dem Aus

Die 1912 eröffnete Schauburg zählt zu den ältesten eigens errichteten Kinos in Mecklenburg-Vorpommern. Nach ihrer Nutzung als Filmtheater wurde sie 1948 von der Stadt übernommen und 1958 umfassend umgebaut. Nach der Wende gelangte das Haus zurück in Privatbesitz, diente kurzzeitig als Schnäppchenmarkt und stand danach fast drei Jahrzehnte leer. Mehrfach wechselte die Immobilie die Eigentümer.

Mit dem jetzt bevorstehenden Abriss droht nicht nur ein denkmalgeschütztes Gebäude zu verschwinden, sondern auch ein wichtiges Kapitel Schweriner Stadt- und Kinogeschichte endgültig ausgelöscht zu werden.


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