(stm) Die Landeshauptstadt Schwerin steht anscheinend und offensichtlich vor einer finanziell weitreichenden Entscheidung. Die Verwaltung schlägt aktuell den Kauf und die anschließende Sanierung des Stadthauses am Packhof vor. Ein verbindliches Kaufpreisangebot über 42 Millionen Euro liegt der Stadt vor. Bisher mietet die Stadt zu immer höheren Konditionen das Gebäude in den die Stadtverwaltung der Landeshauptstadt Schwerin ihren Sitz hat. Das soll sich schon bald ändrn . Die Stadt plant – so geben es diverseDokumente wider, Herr des eigenen Hauses zu werden – doch dad hat seinen Preis.
Das Vorhaben wird aktuell in den politischen Fachgremien beraten, eine endgültige Beschlussfassung durch die Stadtvertretung wird anscheinend für November angestrebt.
Die Stadtverwaltung ist seit 1998 Mieter im Stadthaus, dessen Mietvertrag 2027 ausläuft.
Bereits 2019 hatte die Stadtvertretung im Rahmen des Haushaltssicherungsprogramms den Auftrag erteilt, zu prüfen, ob der Erwerb von Verwaltungsstandorten wirtschaftlicher sei als eine fortgesetzte Anmietung. Auf dieser Grundlage wurde nach Verhandlungen mit dem Eigentümer verschiedene Handlungsoptionen in einer Nutzwertanalyse sowie einem reinen Wirtschaftlichkeitsvergleich gegenübergestellt. (Dokument ist unter dem Beitrag verlinkt).
Verglichen wurden eine Verlängerung des Mietvertrages um zehn oder zwanzig Jahre, die Anmietung eines alternativen Objektes zum Beispiel im ehemaligen Arbeitsamtgebäede am Margaretenhof, ein kompletter Neubau sowie der nun favorisierte Kauf mit anschließender Sanierung.
Aus diesem Vergleich geht der Kauf nach Angaben der Stadt als wirtschaftlichste Variante hervor. Die Verwaltung rechnet mit einer jährlichen Ersparnis von 190.931,92 Euro gegenüber dem Status quo, also einer zehnjährigen Verlängerung des Mietvertrages. Diese Berechnung basiert auf einem Betrachtungszeitraum von 50 Jahren.
Stadthaus, Sitz der Stadtverwaltung würde endlich der Stadt gehören
Befürworter des Kaufs (in erster Linie aktuell die Stadt selbst) argumentiern, dass die Stadt durch den Erwerb des Eigentums volle Handlungs- und Gestaltungsfreiheit erlange und sich von künftigen Mietpreisentwicklungen unabhängig mache. Zudem wird die langfristige Nutzung des zentralen Standortes als Beitrag zur Belebung der Innenstadt und zur Vermeidung von städtebaulichen Missständen durch einen möglichen Leerstand gesehen. Die gute Erreichbarkeit durch den öffentlichen Nahverkehr wird ebenfalls als Vorteil angeführt.
Nächstes Jahr – 2026 wäre erste fette Zahlung nötig
Die Investition hat jedoch erhebliche finanzielle Auswirkungen auf den städtischen Haushalt. Allein für das Jahr 2026 sind für den Kaufpreis zuzüglich sechs Prozent Nebenkosten sowie erste Sanierungsmaßnahmen Auszahlungen in Höhe von 44.520.000 Euro (Vierundvierzig Millionen) veranschlagt. Dies erfordert eine Erhöhung der Kreditermächtigung um denselben Betrag auf eine Gesamtsumme von 99.010.400 Euro.
Einmal kaufen – dann sparen – so die Idee
In der Folge verschlechtert sich das geplante Jahresergebnis des Haushalts 2026 drastisch von einem Minus von 16,35 Millionen Euro auf ein Minus von 44,31 Millionen Euro. Der negative Saldo aus laufenden Ein- und Auszahlungen würde sich von 5,13 Millionen Euro auf 33,09 Millionen Euro erhöhen. Bedeutet, ein deutliches Minus – aber auf die lange Zeit eine Ersparnis, die eher die Generation nach 2045 oder so spüren wird…
Kritisch ist, dass die gesamte Wirtschaftlichkeitsberechnung auf Prognosen und Schätzungen beruht, etwa bei der angenommenen Preissteigerungsrate oder den Sanierungskosten, die mit 1.141,27 Euro pro Quadratmeter angesetzt sind.
Zudem fällt die Entscheidung in eine Zeit, in der die Stadt in anderen pflichtigen AufgabNbereichen mit erheblichen Mehrbedarfen konfrontiert ist. Die Beschlussvorlage selbst weist für 2026 unabweisbare Mehrbedarfe in der Jugendhilfe von 12,75 Millionen Euro, im Bereich Bildung und Sport von netto 4,33 Millionen Euro und im Sozialbereich von netto 3,1 Millionen Euro aus. Und wenn die nächsten Jahre wie die vergangenen werden, wer weiß was da noch so kommt.
Angebot kommt in ohnehin harten Zeiten
Das Angebot, das Stadthaus zu kaufen, statt teuer zu mieten kommt zu einer sehr ungelegenen Zeit. Könnte aber langfristig Ersparnisse für die Stadt bringen.
Die Stadtvertretung steht somit vor der Abwägung zwischen einer langfristig als wirtschaftlich dargestellten, strategischen Investition in eigenes Eigentum und den erheblichen kurz- und mittelfristigen finanziellen Belastungen für einen bereits angespannten Haushalt.
Die Entscheidung die bis November in den Gremien getroffen und vorberaten werden muss, könnte die finanzielle und städtebauliche Entwicklung Schwerins auf Jahrzehnte hinaus prägen.
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