(stm/Kommentar)

Glatte Straßen, kurze Vorbereitungszeit – und trotzdem kamen knapp 50 Menschen in die Ev.-Luth. Friedenskirchengemeinde in Lankow. Nicht, weil die Stadt eingeladen hätte. Nicht, weil Verwaltung oder Ortsbeirat frühzeitig Transparenz geschaffen hätten. Sondern weil Mehr Demokratie e. V. aus Berlin anreiste, um in Schwerin ein Gesprächsformat auf die Beine zu stellen, das man von dem großen Teil der eigentlich Verantwortlichen vor Ort bisher vergeblich erwartet: Sprechen, zuhören, aushalten.

Hintergrund: Am 25. Januar 2026 stimmt Schwerin im Bürgerentscheid über den Stadtteilpark Lankow ab. Und genau dieser Konflikt frisst sich seit Monaten durchs Quartier und die Stadt – ohne dass Stadtpolitik und Verwaltung es geschafft hätten, einen geschützten, moderierten Raum für Austausch anzubieten. Das ist die bittere Pointe des Sonntags: Zivilgesellschaft organisiert Dialog – während die Kommunalpolitik auffällig schweigt.

Das Format war streng getaktet und ließ dennoch Raum für Austausch auf Augenhöhe: In mehreren Kleingruppen a 4 Personen, via Los ausgewählt, galt das Prinzip „Sprechen & Zuhören“. Vier Minuten spricht eine Person, dann wird gewechselt – die anderen 3 hören zu, ohne zu unterbrechen.

Kein Gegröle, keine Facebook-Kommentarschlacht, keine Show. Am Ende eine große Abschlussrunde. Und ausgerechnet durch diese schlichte Struktur kam etwas zutage, was viele längst vermuten: Der Streit dreht sich nicht nur um eine Fläche – er dreht sich um Informationsmangel, Vertrauen und das Gefühl, dass Entscheidungen „irgendwo“ anders, ohne MItsprachemöglichkeit getroffen wurden.

Immer wieder wurde deutlich: Viele Informationen waren in den letzten Jahren kaum oder nur schwer zugänglich. Transparenz – so der Tenor – wäre im Vorfeld zwingend gewesen. Dazu kam ein Punkt, der vielen besonders sauer aufstieß: Kinder- und Jugendbeteiligung? Praktisch nicht existent. Für einen Konflikt, der am Ende auch Spiel- und Aufenthaltsflächen betrifft, ist das ein politisches Armutszeugnis.

Bemerkenswert: Im Raum saßen nicht nur „die einen“ oder „die anderen“. Es kamen Befürworter eines Verkaufs/Neubaus genauso zu Wort wie Menschen, die den Park erhalten wollen. Die Stimmung war angespannt, ja – aber durchweg respektvoll. Genau das zeigt: Die Leute können das. Was fehlt, ist nicht die Fähigkeit zum Gespräch. Was fehlt, ist das Angebot – und der Wille – derjenigen, die eigentlich Verantwortung tragen.

Investor schlug Einladung aus

Und dann der nächste Punkt, der vielen als Symbol hängen blieb: Die Investorenseite blieb dem Dialog trotzt Einladung fern. Trotz externer Moderation aus Berlin. Dabei wäre genau hier ein Kerninteresse der Öffentlichkeit gewesen – nicht in PR-Interviews, sondern im direkten, moderierten Gespräch. Die zentrale Frage, die mehrfach aufkam: Wenn gebaut werden soll – warum hält man so verbissen am Standort Stadtteilpark fest? Dass die eingeladenen Investoren trotz neutraler Moderation nicht teilnahmen, hinterließ bei vielen den Eindruck: Dialog ja – aber bitte ohne echte Auseinandersetzung.

Als dann noch für mehr Beteiligung in Ortsbeiratssitzungen geworben wurde, kam die Retourkutsche prompt: Genau dieses Thema – Stadtteilpark/Spielplatz Kieler Straße – sei jahrelang nahezu ausschließlich nichtöffentlich behandelt worden. Das ist der Moment, an dem „Beteiligung“ zur Worthülse wird. Denn was nützt der Appell, in Gremien zu gehen, wenn die entscheidenden Debatten im Schatten laufen?

Wer nahm teil?

Anwesend: Menschen aus Vereinen und Initiativen, aber auch „ganz normale“ Lankowerinnen und Lankower und auch aus anderen Stadtteilen – von Erzieherin bis Rentnerin, von Reinigungsfachkraft bis Einzelhändlerin. Dazu einzelne bekannte Gesichter aus dem politischen Umfeld (wahrgenommen wurden vor allem SPD und ASK), aber insgesamt auffallend wenig sichtbare Präsenz derjenigen, die sonst gern betonen, wie wichtig Bürgernähe sei.

Am Ende blieb bei vielen ein Eindruck zurück, der schwer wiegt: Ein derartiges Angebot hätte viel früher stattfinden müssen – organisiert von Ortsteilvertretung, Stadtteilmanagement oder Verwaltung. Stattdessen: monatelang Stillstand, wenig Einordnung, kaum öffentlich zugängliche Informationen, keine erkennbare Jugendbeteiligung – und eine Kommunalpolitik, die in einem der heißesten Streitpunkte der Stadt erstaunlich ruhig bleibt. Man schaue sich nur die teils nichtssagenden Stellungenahmen der Fraktionen zum Bürgerentscheid an (hier klicken), die http://www.schwerin.news in den vergangenen Tagen behandelt hat.

Manche deuteten diese Ruhe als Indiz, dass „Sachzwänge“ oder andere Zwänge wirken. Andere formulierten es direkter: Wenn Politik und Verwaltung sich wegducken, füllt die Zivilgesellschaft das Vakuum – aber das ist nicht ihre Pflicht, sondern ein Alarmsignal.

Der Sonntag hat gezeigt: Lankow ist gesprächsfähig. Das zeigte sich in dem durchweg respektvollen Umgang zwischen den Lagern die für einen Erhalt des Stadtteilparkes (JA) und für einen Verkauf (Nein). Was Lankow fehlt, ist das, was Verwaltung und Politik liefern müssten: Transparenz, frühzeitige Beteiligung – und das Rückgrat, öffentliche Konflikte nicht zu verwalten, sondern auszuhalten.

Es sind nur noch exakt zwei Wochen bis die Auszählungen der Briefwahl am 25. Januar erfolgt. Die Initiatoren kündigten bereits an – und das darf sich notiert werden – dass es unabhängig vom Ausgang des Bürgerentscheides eine Fortsetzung des Formates NACH dem Bürgerentscheid geben wird.

Hinweis: Dieser Artikel ist als Kommentar gekennzeichnunt, gibt also Einschätzung und Meinung des Autor, der anwesend war, wieder und erhebt keinen Anspruch auf redaktionelle Neutralität. Sollten Sie andere Ansichten und Beobachten gemacht haben, senden Sie uns gerne eine Email: redaktion@schwerin.news


Hier finden Sie alle Informationen zum laufenden Bürgerentscheid in der Landeshauptstadt Schwerin:

Was die anderen Parteien empfehlen kann hier nachgelesen werden:

Erhalt Stadtteilpark Lankow? So positionieren sich die Mitglieder der Stadtvertretung zum Januar Bürgerentscheid. – schwerin.news

Weitere Informationen zum Bürgerentscheid:

Bürger- und Volksentscheide – Landeshauptstadt Schwerin

Stadtteilpark Lankow – Bürgerentscheid & Hintergründe


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