(red)
Schwerins Schulen sollen in den nächsten Jahren digital deutlich robuster werden – nicht als Showprojekt, sondern als Infrastrukturarbeit mit klarer Kostenlinie. Der nun fortgeschriebene Medienentwicklungsplan (MEP 2.0) für die Jahre 2025 bis 2029 legt fest, welche Technik an 24 Schulen in städtischer Trägerschaft vorhanden sein soll, wie sie betrieben wird und was das alles voraussichtlich kostet. Er baut auf dem ersten Plan (2020–2024) auf, in dem vor allem die Grundlagen wie Vernetzung und Präsentationstechnik vorangetrieben wurden. Jetzt geht es stärker um Standards, regelmäßige Erneuerung – und um die Frage, ob Support und Sicherheit mit dem Tempo der Ausstattung mithalten können.
Ausstatter statt Gestalter
Der Plan beschreibt die Stadt in ihrer Rolle als Sachmittelausstatter: Schwerin ist verantwortlich für Bereitstellung und Betrieb der schulischen IT. Die Fortschreibung wurde laut Dokument in einem abgestimmten Prozess erstellt – mit Bestandsaufnahme der vorhandenen Ausstattung und drei halbtägigen Workshops nach Schulformen, um Bedarfe für nachhaltige Schul-IT, Betrieb und Support zu erfassen. Der Fokus liegt ausdrücklich auf dem pädagogischen Betrieb in den Schulen; Verwaltungsbereiche wie Schulleitung und Sekretariat sind nicht Bestandteil und müssten separat geplant werden.
Technischer Support soll Schulen entlasten
Was konkret geplant ist, lässt sich auf einen einfachen Nenner bringen: stabile Netze, einheitliche Dienste, moderne Technik in den Räumen – und genug Personal, damit das im Alltag nicht ständig ausfällt. Als Zielmarken nennt der MEP unter anderem leistungsfähige Breitbandanbindungen, flächendeckendes LAN/WLAN, eine einheitliche „Dienste-Landschaft“, moderne Präsentationstechnik in allen Unterrichtsräumen, eine schrittweise Konsolidierung der Drucktechnik sowie mehr mobile Endgeräte für Schülerinnen und Schüler. Parallel soll der Support durch die KSM Kommunalservice Mecklenburg AöR Lehrkräfte entlasten, damit sie nicht zu nebenberuflichen Administratoren werden.
Graue Flecken sollen verschwinden
Bei der Basisinfrastruktur sieht der Plan Schwerin schon auf einem wichtigen Zwischenschritt: Die Schulen sind demnach mit Glasfaseranschlüssen ausgestattet und verfügen über synchrone Datenübertragung von bis zu 250 Mbit/s; pro Schule werden dafür 960 Euro jährlich angesetzt. Gleichzeitig wird offen benannt, was Lehrkräfte in vielen Häusern längst erleben: WLAN funktioniert „punktuell noch nicht zuverlässig“ – flächendeckende Verlässlichkeit ist das Ziel, nicht die Ausnahme. Für die nächsten Jahre sind deshalb Nachrüstungen vorgesehen, darunter sieben Schulen, die im Rahmen des MEP 2.0 noch ertüchtigt werden müssen; dafür werden – je nach Standort – auch passive Komponenten wie zusätzliche Netzwerkdosen eingeplant.
Mehr digitale Tafeln
Spürbar für den Unterricht wird der Plan vor allem dort, wo Technik sichtbar ist: in den Klassenräumen. Schwerin hat nach Angaben in dem Plan bereits viele pädagogisch genutzte Räume mit interaktiven Whiteboards ausgestattet, insgesamt nennt das Papier 629 installierte interaktive Whiteboards (plus einige Bildschirme). Gleichzeitig berichten Schulen, dass innerhalb eines Gebäudes unterschiedliche Systeme parallel laufen – Kreidetafel, Beamer, digitale Tafel, verschiedene Hersteller. Das ist im Alltag mehr als ein Komfortproblem: Wer Räume wechselt, wechselt oft auch Bedienlogik. Der Plan setzt deshalb auf Regelerneuerung und Vereinheitlichung: Präsentationstechnik soll planbar ersetzt werden, im Bestand jährlich anteilig, teils als kompletter Austausch, teils als Display-Erneuerung.
Ein Gerät auf gut zwei Schüler
Ein zweiter großer Block sind Endgeräte. Der MEP beziffert den aktuellen Bestand an Schwerins Schulen auf rund 5.972 Geräte (Tablets, Laptops, All-in-One-PCs, stationäre PCs). Im Schnitt kommt je nach Schulform ein Gerät auf gut zwei Schülerinnen und Schüler – allerdings ist das Bild je nach Gerätetyp sehr unterschiedlich: Tablets sind vor allem in Grundschulen und weiterführenden Schulen verbreitet, berufsbildende Schulen arbeiten häufiger mit All-in-One-PCs. In Workshops wurde deutlich, dass viele Grundschulen mindestens einen Tablet-Klassensatz pro Jahrgang befürworten. An weiterführenden Schulen reicht die Spanne der Wünsche von 1:2 bis hin zu 1:1 ab Klasse 7, und die berufsbildenden Schulen sprechen sich für 1:1 aus. Gleichzeitig sollen Computerräume an weiterführenden und berufsbildenden Schulen grundsätzlich erhalten bleiben, Rückbau nur, wenn Schulen das ausdrücklich wollen.
Papier bleibt Schulen wohl noch ne Weile erhalten
Auch interessant: Druck und Papier sind trotz Digitalisierung ein Dauerbrenner. Der Plan rechnet weiterhin mit hohen Druckkosten und beschreibt, dass Schulen den Wunsch deutlich gemacht haben, auch direkt über Tablets drucken zu können. Gleichzeitig wird als Hinweis festgehalten, dass Druck- und Papierkosten hoch bleiben – unter anderem, weil digitale und analoge Materialien parallel laufen, verbindliche digitale Arbeitsprozesse fehlen oder Endgeräte nicht flächendeckend verfügbar sind. Der MEP empfiehlt, genau hier zu prüfen, wo Druckprozesse reduziert oder digital ersetzt werden können.
Über 5000 Stunden technischer Support an Schulen – tendenz steigend
Die vielleicht ehrlichste Passage des Plans betrifft den Alltag hinter den Kulissen: Support und Betrieb. Die Schulen sind dem Papier zufolge mit dem Support grundsätzlich zufrieden, melden aber steigenden Bedarf an Vor-Ort-Präsenz. Berufsschulen sehen Bedarf an einem „digitalen Hausmeister“, andere Schulformen wünschen sich feste Ansprechpartner, außerdem bessere Priorisierung im Ticketsystem, mehr Transparenz und schnellere Rückmeldungen. Als Größenordnung nennt der Plan aktuell jährlich 3.925 Stunden Betreuungs- und Projektleistungen der KSM, plus 1.400 Stunden für trägerspezifische Beratungs- und Betreuungsleistungen – und macht deutlich: Wenn die Gerätezahl weiter steigt, steigt der Bedarf zwangsläufig mit.
Wesentlich mehr Investitionen notwendig
Neu ist außerdem der Aufbau eines Stadtmedienzentrums als zentrale Anlaufstelle für Schulen und Bildungseinrichtungen. Es soll nicht nur Technik „verleihen“, sondern vor allem den didaktisch sinnvollen Einsatz fördern: Austausch und Innovation, Qualifizierung von Lehrkräften, Unterstützung bei Medienprojekten, Bereitstellung von Spezialhardware, Beratung – die Aufgaben werden dabei zwischen Stadt (Steuerung/Koordination/Vernetzung) und KSM (Bereitstellung/Support) verteilt. Für den Betrieb wird im Personalbereich mit den fortlaufenden Kosten für eine volle Stelle gerechnet. Gleichzeitig steht im Plan auch der Warnhinweis: Für Angebote, Organisation, Räume, Technik und Personal müssten zusätzliche Mittel bereitgestellt werden, die aktuell noch nicht über den Medienentwicklungsplan kalkuliert sind.
Ähnlich deutlich wird der MEP beim Thema Datenschutz und Informationssicherheit. Der sichere Betrieb und der Schutz personenbezogener Daten – gerade bei Schülerdaten – werden als zentrale Anforderung beschrieben. Genannt werden klassische technische und organisatorische Maßnahmen wie Backups, Verschlüsselung, Updates, Schutzsoftware sowie Zutritts- und Zugangskontrollen. Brisant ist die Perspektive: Nach internen Informationen im Dokument soll ein Informationssicherheitsgesetz in Mecklenburg-Vorpommern ab 2025 mit 24 Monaten Umsetzungszeit kommen; dafür werde ab 2027 die Position eines Informationssicherheitsbeauftragten erforderlich – mit zusätzlichen Kosten. Auch hier lautet die Empfehlung: eigenständige Aufgabenstrukturen aufbauen und zusätzliche Mittel einplanen, weil diese im aktuellen Plan noch nicht enthalten sind.
In den nächsten 5 Jahren über 33 Millionen Euro Kosten
Und was kostet das Ganze? Die Gesamtkosten für die Umsetzung des MEP 2.0 beziffert das Papier für 2025 bis 2029 auf rund 33,1 Millionen Euro. Umgerechnet entspricht das durchschnittlichen jährlichen Ausgaben von 490 Euro pro Schülerin und Schüler. Zugleich wird empfohlen, in der Umsetzung zu prüfen, welche Fördertatbestände – etwa über einen möglichen DigitalPakt Schule 2.0 oder Vorhaben des Landes – genutzt werden können.
Unterm Strich ist der Schweriner Medienentwicklungsplan weniger ein „Digital-Versprechen“ als ein Wartungs- und Investitionsfahrplan: Bandbreite, WLAN, Geräte, Tafeln, Druck, Dienste – und vor allem der Betrieb, der dafür sorgt, dass Technik nicht nur angeschafft, sondern im Unterricht verlässlich nutzbar ist. Genau an den Stellen, an denen sich Schulen oft alleingelassen fühlen – Support vor Ort, klare Zuständigkeiten, Sicherheit – liest sich der Plan am konkretsten. Und an zwei entscheidenden Punkten wird er zugleich zur politischen Frage: Reicht das Personal wirklich aus? Und kommt das zusätzliche Geld für Medienzentrum und Informationssicherheit rechtzeitig – oder stehen am Ende glänzende Geräte in Räumen, die niemand schnell genug wieder funktionsfähig bekommt?
Hier kann der Medienentwicklungsplan, der aktuell in den Gremien der Stadt beraten wird eingesehen und heruntergeladen werden:


















