(red) Die Stadt Schwerin hat Sebastian Ehlers in einem Punkt jetzt schriftlich entwaffnet: Am Spielplatz Kieler Straße gibt es keine Sperrungen. Keine gesperrten Geräte, keine gesperrten Bereiche. Der Spielplatz sei verkehrssicher, teilt die Pressestelle nach Rückmeldung des Eigenbetriebs SDS auf Anfrage von http://www.schwerin.news mit klaren Worten mit. Geplant sei lediglich, „einzelne Bretter am Aufstieg auszutauschen“. Das ist die amtliche Lage – schwarz auf weiß.

Im Wortlaut teilt uns die Pressestelle der Landeshauptstadt mit: „Es gibt aktuell keine Sperrung einzelner Spielgeräte oder Bereiche auf dem Spielplatz Kieler Straße.“ und zum Zustand heißt es: „Der aktuelle Zustand des Spielplatzes ist verkehrssicher. Für die laufende Unterhaltung ist geplant, einzelne Bretter am Aufstieg auszutauschen.“

Damit kippt das Fundament eines Narrativs, das in den vergangenen Tagen rund um den Spielplatz von Stadtpräsident Ehlers (zeitgleich OB Kandidat der CDU) und Ortsteilvorsitzende Cordula Manow (Linke) verbreitet wurde. Zitat aus der Pressemitteilung: „aus Sicherheitsgründen gesperrt“.

Wer so etwas sagt, weiß, was er auslöst. „Sicherheitsgründe“ ist kein lockerer Begriff. Das bedeutet: Gefahr. Das bedeutet: Eltern sollen sich sorgen. Das bedeutet: Dringlichkeit. Und Dringlichkeit ist der Hebel, der Menschen zum Spenden bringt.

Dass der Spielplatz in Teilen gesperrt sei, wurde von Ehlers und Manow in einer Pressemitteilung behauptet. Diese Ehlers-Pressemitteilung wurde von Nordkurier, TV Schwerin, SN Aktuell, Blitzverlag und weiteren ungeprüft übernommen.

Spenden sammeln unter falschen Tatsachebehauptungen

Genau deshalb ist der nächste Satz so brisant: Diese Dringlichkeit wurde genutzt, um eine Spendenkampagne öffentlich zu befeuern. Der Spendenaufruf kam nicht als neutrale „Wir sammeln für etwas Schönes“-Idee daher – er wurde in der begleitenden Berichterstattung mit genau diesem Sicherheits-Frame getrieben: beschädigt oder eben „aus Sicherheitsgründen gesperrt“. So wurde die Kampagne in der Öffentlichkeit verankert: als Notfall, als akute Gefahrenlage, als „jetzt sofort“.

Nur: Diese akute Lage existiert in der behaupteten Form nicht. Die Pressestelle der Stadt sagt das Gegenteil.

http://www.schwerin.news war am 7. Februar selbst vor Ort. Kein Sperrband. Kein Bauzaun. Kein „Benutzung verboten“-Schild. Keine Absperrung, die man „übersehen“ könnte. Der Spielplatz war nutzbar und wurde genutzt. Das war schon damals offensichtlich – jetzt ist es amtlich bestätigt. Wer trotzdem weiter mit „gesperrt“ argumentiert, bewegt sich nicht mehr im Bereich „Missverständnis“. Er bewegt sich im Bereich öffentliche Irreführung.

Stadtpräsident beschädigt Vertrauen ins Amt

Und genau hier wird es für Ehlers nicht nur unangenehm, sondern charakterlich relevant. Denn er ist nicht irgendein Bürger, der sich mal vergaloppiert. Er ist Stadtpräsident – also Vorsitzender der Stadtvertretung, oberste Repräsentanz dieses Gremiums. Und er ist OB-Kandidat. Wenn ausgerechnet jemand in dieser Rolle mit einer Sicherheitsbehauptung arbeitet, die die Stadtverwaltung dann faktisch kassiert, bleibt eine zentrale Frage stehen:

Warum wurde diese Aussage überhaupt in die Öffentlichkeit getragen – und warum wurde sie als Motor eines Spendenaufrufs genutzt?

Die SDS-Antwort ist ja nicht „wir prüfen noch“. Sie ist nicht „teilweise“. Sie ist nicht „ein Gerät war kurzzeitig gesperrt“. Sie ist eindeutig: keine Sperrung. Verkehrssicher. Ein paar Bretter tauschen. Punkt. Was vorher behauptet wurde, war nicht nur übertrieben – es war in dieser Zuspitzung schlicht falsch. Und damit steht zwangsläufig auch der Spendenaufruf unter einem Schatten: Wenn eine Kampagne mit „Sicherheit“ Druck erzeugt, aber die zuständige Stelle sagt „keine Sperrung“, dann stellt sich die Frage, unter welchen Voraussetzungen Bürgerinnen und Bürger hier überhaupt um Geld gebeten wurden.

Das Problem ist nicht, dass man über Spielplätze spricht oder Geld sammeln will. Das Problem ist, dass hier ein Amtstitel als Vertrauensanker wirkt – und gleichzeitig eine Tatsachenbehauptung die Öffentlichkeit erreicht, die sich als falsch herausstellt. Wer so agiert, beschädigt nicht nur ein Thema, sondern das Vertrauen in öffentliche Kommunikation.

Und genau dieses Vertrauen ist die Währung, die ein Stadtpräsident niemals verspielen darf. Wer Vertrauen einsammelt – und dabei mit „Sicherheit“ hantiert, ohne dass es eine Sperrung gibt – der darf sich nicht wundern, wenn Bürgerinnen und Bürger irgendwann an allem zweifeln: an Spendenaufrufen, an Presseberichten, an „dringenden“ Appellen, an politischem „Kümmern“.

Stadtpräsident und OB Kandidat Ehlers und die Ortsteilvorsitzende Manow haben jetzt ein Glaubwürdigkeitsproblem, das er nicht mit einem freundlichen Posting löst. Das ist kein kleiner Patzer. Das ist eine nachweisbare Diskrepanz zwischen öffentlicher Behauptung und amtlicher Realität – und diese Diskrepanz wurde genutzt, um eine Kampagne emotional aufzuladen. Wer das tut, spielt mit Vertrauen. Und wer mit Vertrauen spielt, darf sich nicht wundern, wenn am Ende nichts mehr übrig bleibt.

Die Stadt hat die Fakten geliefert. Jetzt bleibt nur noch eine Frage offen, die Ehlers beantworten muss – nicht als Kandidat, sondern als Stadtpräsident:
Wie kann es sein, dass ein Spendenaufruf in der Öffentlichkeit mit „Sperrungen aus Sicherheitsgründen“ getrieben wird, während der zuständige Eigenbetrieb erklärt: Es gibt keine Sperrung?

Bis diese Frage beantwortet ist, ist jede „Vertrauen“-Pose wertlos. Denn Vertrauen ist keine Plakatfarbe. Vertrauen ist die Konsequenz aus Wahrheit. Und Wahrheit ist hier – dank SDS – eindeutig.

Lesen Sie dazu auch gerne:


Quellen:

Hier die Antwort der Pressestelle im Wortlaut:

Hier die Pressemitteilung von Stadtpräsident Sebastian Ehlers in der behautet wird, dass es gesperrte Bereiche/Spielgeräte gibt:


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