(red) Schwerin ist schön, historisch, touristisch beliebt – doch welche Geschichten werden erzählt, und welche bleiben oft unsichtbar? Gerade mit Blick auf Weltkulturerbe werden bestimmt Dinge kaum, beziehungsweise gar nicht erzählt.

Genau dort setzt der postkoloniale Stadtrundgang an, zu dem am Samstag, 7. März 2026, von 14 bis 16.30 Uhr in Schwerin eingeladen wird. Start ist an der Schlossbrücke, eine Anmeldung ist laut Ankündigung nicht erforderlich.

Ein solcher Rundgang ist weit mehr als eine klassische Stadtführung. Es geht nicht nur um Gebäude, Plätze und Jahreszahlen, sondern um Machtverhältnisse, Erinnerungskultur und die Frage, wie koloniale Denkweisen bis heute nachwirken. Wer glaubt, Kolonialismus sei ein fernes Kapitel aus Schulbüchern, soll hier zum Nachdenken angeregt werden: über globale Zusammenhänge, über Sprache, über Bilder, über Rollenverteilungen – und darüber, wie all das auch vor Ort in Schwerin Spuren hinterlassen kann.

Was bedeutet „postkolonial“ überhaupt?

„Postkolonial“ heißt nicht einfach: nach dem Kolonialismus ist alles vorbei. Gemeint ist vielmehr der Blick darauf, wie koloniale Herrschaft, Ausbeutung und rassistische Weltbilder bis heute nachwirken – in Wirtschaft, Politik, Kultur, Sprache und im Alltag. Genau diese Perspektive will auch die Referentin Valérie Kengne Mboubou sichtbar machen. Sie lebt seit vielen Jahren in Schwerin, ist in der Antirassismusarbeit aktiv und als Moderatorin sowie Dolmetscherin tätig. In einem Gespräch im Weltladen Schwerin sprach sie bereits darüber, wie koloniale Strukturen nicht nur historisch, sondern auch gegenwärtig fortbestehen können.

Der angekündigte Rundgang trägt diesmal ausdrücklich den Untertitel „Die feministische Perspektive“. Damit rückt er nicht nur Kolonialismus, sondern auch patriarchale Machtstrukturen in den Blick. Genau diese Verbindung ist typisch für einen intersektionalen Ansatz: Verschiedene Formen von Ungleichheit und Diskriminierung werden nicht getrennt betrachtet, sondern in ihrem Zusammenspiel. Das „Feministische Wochenende – intersektional – Schwerin 2026“ will genau dafür Raum schaffen und bündelt laut den Organisatorinnen unterschiedliche Veranstaltungen, Vorträge, Workshops, Filmabende, Begegnungsangebote, Rundgänge und Demonstrationen in der Stadt.

Warum ein solcher Rundgang wichtig ist

Stadtgeschichte wird oft aus einer sehr vertrauten Perspektive erzählt: Herrscherhäuser, Bauwerke, große Namen. Ein postkolonialer Stadtrundgang versucht dagegen, die blinden Flecken sichtbar zu machen. Wer profitierte historisch von kolonialen Handelsbeziehungen? Welche Begriffe, Bilder und Denkmuster wurden über Generationen weitergetragen? Und wie hängen Rassismus, Sexismus und gesellschaftliche Ausschlüsse bis heute zusammen?

Gerade in einer Stadt wie Schwerin, die sich gern über Geschichte, Kultur und Welterbe definiert, kann so ein Perspektivwechsel spannend sein. Denn er erweitert den Blick: weg von der reinen Postkartenansicht, hin zu den Strukturen, die unter der Oberfläche mitlaufen. Nicht als moralischer Zeigefinger, sondern als Einladung, Stadt neu zu lesen.

Teil des Programms rund um den 8. März

Der Rundgang steht im Zusammenhang mit den Veranstaltungen rund um den Internationalen Frauentag. Die Landeshauptstadt weist darauf hin, dass auch 2026 wieder zahlreiche Aktionen und Angebote in Schwerin geplant sind, organisiert von Initiativen, Bündnissen, Vereinen und weiteren Akteurinnen und Akteuren.

Damit passt der Rundgang in ein Wochenende, das feministische, queere, antirassistische und diskriminierungskritische Perspektiven sichtbar machen will. Wer sich also nicht nur informieren, sondern auch diskutieren, zuhören und dazulernen möchte, dürfte hier genau richtig sein.

Termin in Schwerin

Der postkoloniale Stadtrundgang Schwerin – Die feministische Perspektive findet am:

Samstag, 7. März 2026
14:00 bis 16:30 Uhr
Start: Schlossbrücke

statt. Laut Ankündigung ist keine Anmeldung erforderlich. Organisiert wird die Veranstaltung von Dekolonize Schwerin, Referentin ist Valérie Kengne Mboubou. Die Veranstaltung ist Teil des feministischen Programms rund um den 8. März in Schwerin.



Werbung:



Werbung:





Entdecke mehr von schwerin.news

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Auch interessant: