(red)
In Mecklenburg-Vorpommern hat es im Jahr 2025 insgesamt 55.282 Verkehrsunfälle gegeben. Das ist laut Innenministerium ein leichter Anstieg um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Deutlich stärker fällt jedoch die Entwicklung bei den Unfällen mit Personenschaden ins Gewicht: Ihre Zahl stieg um 5,7 Prozent auf 5.175 Fälle. 94 Menschen kamen im Straßenverkehr ums Leben – ein Todesfall mehr als 2024.
Innenminister Christian Pegel sprach bei der Vorstellung der Verkehrsunfallbilanz von einer Entwicklung, die weiter Anlass zur Sorge gebe. Rein statistisch verliere das Land alle vier Tage einen Menschen bei einem Verkehrsunfall. Hinter jeder Zahl stehe ein persönliches Schicksal.
Besonders alarmierend ist der starke Anstieg bei getöteten Fußgängerinnen und Fußgängern. 18 Menschen starben 2025 im Straßenverkehr zu Fuß – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr, als acht Todesfälle registriert worden waren. Das Innenministerium wertet diese Entwicklung als ernstes Warnsignal. Gerade Fußgänger gelten als besonders schutzlos, weil sie im Ernstfall keinerlei Knautschzone, Airbags oder technische Schutzsysteme haben.
Auch bei Radfahrerinnen und Radfahrern, einschließlich Pedelec-Nutzenden, zeigt die Statistik nach oben. Die Zahl der Unfälle mit verunglückten Radfahrenden stieg um sieben Prozent von 1.541 auf 1.649. Bei motorisierten Zweirädern gab es ebenfalls einen Anstieg um 4,7 Prozent auf 752 Fälle. Besonders deutlich fiel das Plus bei E-Scootern und anderen Elektrokleinstfahrzeugen aus: Hier wurde ein Zuwachs von 37 Prozent verzeichnet – ein Bereich, der vor allem in Städten an Bedeutung gewinnt.
Gerade für urbane Räume ist das ein wichtiges Signal. Denn dort teilen sich Autos, Fahrräder, E-Scooter und Fußgänger oft auf engem Raum Straßen und Wege. Die Unfallbilanz zeigt damit auch, wie wichtig sichere Querungen, gut erkennbare Verkehrsführungen, Rücksichtnahme und angemessene Geschwindigkeiten im Alltag sind.
Weiterhin hoch bleibt das Risiko sogenannter Baumunfälle. 27 Menschen starben 2025 bei Kollisionen mit Bäumen. Zwar sank die Zahl der entsprechenden Unfälle mit Personenschaden auf 323, dennoch zählt diese Unfallart weiterhin zu den gefährlichsten im Land.
Eine weitere Zahl, die nachdenklich stimmt: 13,8 Prozent der getöteten Verkehrsteilnehmer waren ohne Sicherheitsgurt unterwegs. Das Innenministerium kündigte an, dieses Verhalten noch konsequenter kontrollieren zu wollen. Der Sicherheitsgurt gehört nach wie vor zu den einfachsten und wirksamsten Schutzmaßnahmen im Straßenverkehr.
Auch das Thema Unfallflucht bleibt ein Problem. Zwar blieb die Gesamtzahl der Fälle nahezu unverändert, doch bei Unfallfluchten mit Personenschaden gab es einen Anstieg um sieben Prozent. Wer sich nach einem Unfall vom Ort des Geschehens entfernt, lässt im schlimmsten Fall verletzte Menschen zurück – entsprechend deutlich fiel die Kritik des Ministers aus.
Bei den Ursachen dominieren weiterhin bekannte Risikofaktoren: zu geringer Sicherheitsabstand, nicht angepasste Geschwindigkeit, Vorfahrtfehler und riskante Überholmanöver. Besonders häufig waren Unfälle mit Personenschaden wegen unzureichenden Abstands – hier wurden 743 Fälle registriert. Die Zahl der Unfälle infolge überhöhter oder nicht angepasster Geschwindigkeit stieg um 9,2 Prozent auf 710 Fälle. Vorfahrtverstöße gingen leicht zurück, blieben mit 738 Fällen aber ebenfalls auf hohem Niveau.
Auffällig ist zudem die Entwicklung bei einzelnen Altersgruppen. Unfälle, die von unter 18-Jährigen verursacht wurden, nahmen um 14,4 Prozent zu. Bei den über 75-Jährigen lag der Anstieg bei 7,9 Prozent. Auch bei jungen Erwachsenen wurden mehr Fälle registriert. Die Gruppe der 35- bis 45-Jährigen stellte mit 830 Unfallverursachern ebenfalls einen deutlich größeren Anteil als im Vorjahr.
Weniger Wildunfälle wurden 2025 zwar registriert, dennoch bleibt auch dieses Thema relevant: 16.943 Unfälle mit Wildbeteiligung machen rund 31 Prozent aller Unfälle aus. Zwei Menschen kamen dabei ums Leben.
Die Bilanz zeigt damit ein widersprüchliches Bild: Zwar steigen nicht alle Werte dramatisch, doch in mehreren besonders sensiblen Bereichen verschärft sich die Lage. Mehr Unfälle mit Personenschaden, deutlich mehr getötete Fußgänger und steigende Zahlen bei Radfahrenden sowie E-Scootern sind Entwicklungen, die nicht als bloße Randnotiz abgetan werden sollten.

















