(stm/red)
Wilder Müll ist in Schwerin längst mehr als ein lästiges Randproblem. Wie aus der Beantwortung einer Anfrage des Stadtvertreters Henning Foerster hervorgeht, werden in der Landeshauptstadt jedes Jahr Hunderte Fälle erfasst. Die Beseitigung kostet die Stadt Zehntausende Euro. Wirklich belangt werden aber nur die wenigsten Verursacher.
Die Zahlen sind eindeutig. Nach Angaben der Stadt wurden 2023 insgesamt 246 Fälle wilder Müllablagerungen registriert. 2024 stieg die Zahl sogar auf 322 Fälle. 2025 waren es immer noch 271 Fälle. Das heißt im Klartext: Das Problem ist weder klein noch vorübergehend. Es gehört inzwischen offenbar zum Schweriner Alltag, dass Müll dort landet, wo er nicht hingehört.
Für die Stadt ist das teuer. Wie aus der Antwort weiter hervorgeht, beliefen sich die Kosten für die Beseitigung 2023 auf 42.500 Euro, 2024 auf 53.000 Euro und 2025 auf 47.500 Euro. Macht zusammen 143.000 Euro in nur drei Jahren. Geld, das nicht in Spielplätze, Grünflächen oder andere öffentliche Aufgaben fließt, sondern dafür draufgeht, den Dreck anderer Leute wegzuräumen.
Zuständig ist im öffentlichen Raum nach Angaben der Stadt vor allem der Eigenbetrieb SDS. Auch der Kommunale Ordnungsdienst und das Ideen- und Beschwerdemanagement wirken bei der Erfassung entsprechender Fälle mit. Auf privaten oder nicht öffentlichen städtischen Grundstücken liegt die Verantwortung grundsätzlich bei den Eigentümern.
Richtig unerquicklich wird es beim Blick auf die Konsequenzen. Denn obwohl Jahr für Jahr Hunderte Fälle erfasst werden, konnten laut Stadt 2023 nur in sechs Fällen Verursacher festgestellt werden, 2024 in 15 Fällen und 2025 in 12 Fällen. Noch bemerkenswerter ist die Höhe der verhängten Verwarn- und Bußgelder: 283,50 Euro im Jahr 2023, 822 Euro im Jahr 2024 und 482,60 Euro im Jahr 2025. Das ist gemessen an den Gesamtkosten für die Allgemeinheit nicht einmal ein Tropfen auf den heißen Stein.
Die Stadt erklärt die vergleichsweise geringen Summen damit, dass in solchen Fällen häufig dann doch noch eine Beräumung durch den Verursacher erfolge. Das mag die niedrigen Beträge formal erklären. Politisch und praktisch bleibt trotzdem ein schaler Eindruck: Schwerin zahlt Jahr für Jahr einen hohen Preis für wilden Müll, während die Folgen für die Verursacher überschaubar bleiben.
Wie schnell die Stadt auf wilde Müllablagerungen reagiert, lässt sich laut Verwaltung nicht genauer beziffern. Eine gesonderte statistische Erfassung gebe es nicht, die Bearbeitung erfolge, so die Stadtverwaltung „unverzüglich“. Das klingt ordentlich, ist aber unerquicklich ungenau. Denn ohne belastbare Zahlen bleibt offen, ob „unverzüglich“ überall in Schwerin dasselbe bedeutet. Ein Blick auf das Meldeportal klarschiff-sn.de zeigt dass einige Müllplätze seit Monaten gemeldet sind bzw noch nicht mal in Bearbeitung sind.
Zur Vorbeugung verweist die Stadt auf Öffentlichkeitsarbeit, den Frühjahrsputz, den „Ratgeber für ein sauberes Schwerin“, Informationen im Internet und die Unterstützung bürgerschaftlicher Reinigungsaktionen. Das ist sinnvoll – aber die vorliegenden Zahlen legen nahe, dass Aufklärung allein das Problem nicht löst.
Unterm Strich bleibt damit ein schlichtes, aber klares Bild: Schwerin hat beim wilden Müll kein Erkenntnisproblem, sondern ein Durchsetzungsproblem. Die Fälle sind da, die Kosten auch. Was fehlt, ist eine spürbare Abschreckung. Solange am Ende vor allem die Allgemeinheit zahlt, bleibt die Rechnung für die falschen Leute offen.
Dieser Tag läuft der Schweriner Frühjahrputz. Man draf gespannt sein was da alles zusammenkommt.















