(MEINUNG/Kommentar: stm)

Die Plakate nerven, die Phrasen klingen alle gleich. Wer am Sonntag keinen Bock auf die OB-Wahl hat, ist kein schlechter Mensch und auch keine Gefahr für die Demokratie – sondern vielleicht einfach nur erschöpft. Ein Plädoyer für das verständlichste Gefühl dieses Wahlkampfs: gepflegte Gleichgültigkeit.

Wir müssen mal ehrlich sein: Es ist vollkommen okay, wenn euch die Wahl am Sonntag einfach nur hart auf den Keks geht.

Die Miete frisst das halbe Gehalt, an der Kasse beim Discounter reibt man sich jedes Mal aufs Neue die Augen, der Bus fährt wieder nicht, wenn man ihn braucht, und nach einer langen, harten Arbeitswoche (Aktivistenwoche – die niemand bezahlt) will man eigentlich nur eins: verdammt noch mal seine Ruhe haben. Und dann grinsen einen von jeder Laterne in Schwerin diese Gesichter an. Leute im feinen Zwirn oder mit aufgesetztem Kumpel-Lächeln, die einem versprechen, dass ab Montag die Sonne heller scheint, wenn man ihnen nur den Schlüssel fürs Rathaus in die Hand drückt.

Dass man da irgendwann einfach abschaltet, ist keine Ignoranz. Es ist menschlich.

Der stumme Mittelfinger an den Betrieb

Wenn man sich auf der Straße, in den Pausenräumen oder abends beim Bier umhört, trifft man selten auf feurige politische Debatten. Man trifft auf ein tiefes, resigniertes Ausatmen. Für viele ist die Entscheidung, am Sonntag nicht ins Wahllokal zu gehen, längst keine Faulheit mehr. Es ist ein leises, aber sehr deutliches „Lasst mich in Ruhe“ in Richtung des gesamten Politikbetriebs.

Es ist ein stummer Mittelfinger an ein System, bei dem viele das Gefühl haben: Die da oben machen am Ende doch eh, was sie wollen – egal, wem ich da mein Kreuzchen gebe. Ob inks ASK, oder recht CDU/AfD….

Und ganz ehrlich? Wer kann es euch verdenken? Wer seit Jahren das Gefühl hat, dass die eigenen Alltagssorgen im Stadthaus ohnehin keine Rolle spielen, dem fehlt irgendwann schlichtweg die Fantasie, warum ausgerechnet diese Wahl jetzt alles anders machen soll.

Das Recht auf Sofa und Selbstschutz

In diesen Tagen überschlagen sich die Parteien wieder mit moralischen Appellen. Es heißt dann, wer nicht wähle, würde die Falschen unterstützen. Man müsse seine bürgerliche Pflicht tun.

Aber lasst euch kein schlechtes Gewissen einreden. Demokratie bedeutet auch die Freiheit, eine Entscheidung abzugeben. Wenn ihr das Gefühl habt, dass die Auswahl auf dem Zettel ohnehin nur aus Pest, Cholera und ein paar Bauchschmerzen besteht, dann ist es euer gutes Recht, auf dem Sofa sitzen zu bleiben. Wer am Sonntag Netflix schaut statt Wahlzettel zu falten, sagt damit einfach nur: „Sollen doch die hochmotivierten Nachbarn unter sich ausmachen, wer den Laden hier die nächsten Jahre führt. Mir reicht’s, ich klinke mich aus.“

Das ist kein Verrat an der Stadt. Das ist oft einfach nur reiner, emotionaler Selbstschutz. Wenn einem schlichtweg alles egal ist, kann man am Wahlabend wenigstens nicht enttäuscht werden.

Wir übernehmen das für euch

Ob ihr am Sonntag nun doch noch loszieht, zähneknirschend das kleinste Übel wählt, oder ob ihr den Tag einfach nutzt, um endlich mal wieder durchzuatmen: Es ist eure Entscheidung und beide Wege sind absolut in Ordnung.

Macht euch keinen Stress. Wir von schwerin.news tun uns das Spektakel für euch an. Wir schauen uns am Sonntagabend im Demmler-Saal an, wer jubelt und wer lange Gesichter zieht, und liefern euch die Ergebnisse direkt aufs Handy. Ganz entspannt. Und am Montag geht die Sonne über Schwerin so oder so wieder auf.

Dies ist natürlich sarkastisch gemeint.



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