Nachtreport vom Schlachtermarkt –  Ja, es gibt Reibereien. Aber bleibt bitte auf dem Teppich.

(stm) Der Gassenreporter war in der Nacht von Freitag auf Samstag mehrere Stunden am Schlachtermarkt und auf dem Marktplatz unterwegs. Nicht als Feiernder, sondern als Beobachter. Und ja: wurde selbst angegriffen, recht fies…

Das könnte jetzt der Moment sein, an dem man einen großen Aufreger daraus macht. Gewalt, Verwahrlosung, Jugend außer Kontrolle – Schlagzeilen gäbe es genug. Nur: Sie würden dem, was in dieser Nacht tatsächlich zu beobachten war, nicht gerecht.

Denn natürlich gibt es am Schlachtermarkt Idioten. Menschen, die pöbeln, provozieren, schubsen oder meinen, andere angreifen zu müssen. Das ist nicht lustig, kein „Jugendstreich“ und auch nichts, das man mit einem Schulterzucken abtun sollte. Wer andere angreift, bedroht oder mit Gegenständen bewirft, überschreitet eine Grenze. Punkt. Auch eine Flasche flog durch die Gegend. Auch solche Situationen wurden vor Ort nicht einfach hingenommen, sondern von anderen Besuchern entsprechend kommentiert und eingeordnet. Aber genau hier beginnt das Problem der aktuellen Diskussion: Aus einzelnen Idioten wird schnell ein vermeintliches Gesamtbild.

Dabei saßen und standen gleichzeitig Hunderte Menschen auf dem Platz. Junge Leute, überwiegend. Sie redeten, lachten, tranken, hörten Musik, sangen teilweise gemeinsam oder saßen einfach zusammen. Zwischen etwa 21 und 3 Uhr waren nach unserer Einschätzung mindestens 700 bis 1.000 Menschen dort unterwegs. Und bei dieser Größenordnung muss man auch einmal nüchtern feststellen: Die Konflikte waren die Ausnahme.

Das macht sie nicht weniger ärgerlich. Es macht sie aber zu dem, was sie waren: einzelne Ausfälle in einer ansonsten erstaunlich friedlichen Nacht. Ich (Schreiberling) hätte nach einem eigenen Angriff allen Grund, hier deutlich härter zu urteilen. Vielleicht sogar härter, als es andere tun würden. Trotzdem wäre es journalistisch falsch, jeden Jugendlichen, jede Gruppe und jeden Menschen, der abends am Schlachtermarkt sitzt, zum Problem zu erklären. Fairness bedeutet schließlich nicht, Fehlverhalten schönzureden. Fair zu sein bedeutet manchmal auch, eine Gesellschaft nicht nach ihren schlechtesten zehn Minuten zu beurteilen.

Wer Mist baut, muss mit Konsequenzen rechnen. Polizei muss einschreiten, wenn Grenzen überschritten werden. Und ja, wer andere angreift, hat sich diese Konsequenzen selbst zuzuschreiben. Aber wer friedlich am Schlachtermarkt sitzt, mit Freunden redet, lacht und seinen Abend verbringt, ist deswegen noch lange kein Teil irgendeines Problems. Vielleicht sollten wir deshalb beides gleichzeitig aushalten können: Die Probleme ernst nehmen, ohne aus ihnen eine Katastrophe zu machen.

Denn wenn Hunderte Menschen über Stunden friedlich zusammenkommen und es dazwischen einige Reibereien gibt, dann ist das zunächst einmal genau das: Reibereien. Und wenn man den Schlachtermarkt mit dem vergleicht, was andernorts nach einem Fußballspiel in der sogenannten dritten Halbzeit passiert, muss sich Schwerin jedenfalls nicht verstecken.

Hart gegen diejenigen, die Grenzen überschreiten. Fair gegenüber allen anderen. Und vielleicht ein bisschen gnädiger mit einer jungen Generation, die nicht automatisch schlechter ist, nur weil sie abends auf einem öffentlichen Platz sitzt. Das ist jedenfalls der Eindruck eines Beobachters – NDR, SNO, Nordkurier etc. waren nicht da. Die kommen wohl nur, wenn es skaliert …


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