(stm)
Am Anfang dieser Woche wurde das alternative Kulturzentrum „Komplex“ in der Schweriner Innenstadt mit einer akuten Bedrohung konfrontiert. Ein anonymes Schreiben kündigte einen rechts motivierten Anschlag während einer geplanten Veranstaltung am Freitag, den 24.11.2023, an. Die Inhalte des Schreibens weisen nach Aussage des Komplex Schwerin eindeutig auf eine Verortung im extrem rechten Spektrum hin. Die Schweriner Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen und bewerte die Situation fortlaufen. Das Komplex Schwerin hat nun aufgrund der Bedrohungslage beschlossen, dass die betroffene Veranstaltung nun erst einmal verschoben wird.
Das „Komplex“ ist nicht nur ein alternativer Lebens- und Kulturort, sondern hat sich auch zu einem Bildungsträger im Zentrum Schwerins entwickelt. In den letzten Jahren hat es sich zu einem wichtigen Ort für Konzerte, Theateraufführungen und Informationsveranstaltungen verschiedenster Art entwickelt.
Nicht die ersten Bedrohungen
Vor etwa zwei Monaten wurde ein Hakenkreuz auf einer Toilettenwand der Veranstaltungsräume eingeritzt. Kurz darauf wurde an der Hauswand die bedrohliche Aufschrift „Das Haus muss fallen“ entdeckt. Diese Vorfälle, obwohl beunruhigend, wurden zuerst nicht öffentlich bekannt gemacht. Es ist unklar, ob sie in direktem Zusammenhang mit der aktuellen Bedrohung stehen, doch sie zeigen die verstärkte Aktivität aus dem rechten Spektrum und die vermehrte Aufmerksamkeit, die das Komplex aus dieser Richtung bekommt.
Komplex lässt sich nicht einschüchtern
Trotz der ernsten Bedrohungslage lassen sich die Bewohnenden nicht einschüchtern. Die Solidarität in der Schweriner Bevölkerung und darüber hinaus ist deutlich spürbar. Zahlreiche Kommentare auf dem Instagram-Beitrag des Komplex zeigen Unterstützung und klare Positionierungen gegen rechte Gewalt. Die Bewohnenden betonen, dass sie sich nicht beirren lassen wollen.
Hier kann die Pressemitteilung des Komplex Schwerin eingesehen werden.
Komplex: Wir werden den aktuellen Bedrohungen nicht nachgeben
Das Komplex nutzte diesen Vorfall um auf rechte Bestrebungen und Gefahren, auch weit über das Komplex hinaus hinzuweisen. In der Pressemitteilung des Komplex heißt es dazu: „Das Mittel gegen rechte Gewalt heißt Solidarität“.
Der Kontext dieser Bedrohung sei nach Ansicht des Komplex eingebettet in eine Geschichte von rechtsextremer Gewalt und Aktivitäten in Deutschland. Die Morde an Walter Lübcke, die rassistischen Anschläge in Hanau und die Enttarnung von rechtsextremen Gruppen wie „Nordkreuz“ in Mecklenburg-Vorpommern verdeutlichen die Relevanz des Themas. Rechte Gewalt zielt darauf ab, alternative Projekte, zivilgesellschaftliche und politische Akteure einzuschüchtern und zum Schweigen zu bringen. In einer Demokratie ist es jedoch entscheidend, verschiedene Räume für den Austausch zu schaffen und zu erhalten, wie es das „Komplex“ in Schwerin tut.
Hier kann die Pressemitteilung des Komplex Schwerin eingesehen werden.
Erste Meldungen aus der Stadtpolitik
Als eine der ersten Solidarisierungen kam eine Beitrag des Stadtvertreter Hoog, er schrieb in einem Beitrag auf der ASK Internetseite: „Das Kulturzentrum „Komplex“ ist stets ein Ort, der Rechtsradikale und Faschisten allein durch seine bloße Präsenz herausfordert. Antifaschistische und antirassistische Veranstaltungen, Musik und Theater, die jenseits der Hochkultur und ihrer Vermarktung stattfinden, sowie ein Haus- und Wohnprojekt, das Diversität zulässt und im Alltag lebt, stellen ein rotes Tuch für Hierarchiedenken und nationalistische Phantasien dar.“ Man müsse jetzt an der Seite des Komplex stehen.
Solidaritätsbekundungen aus ganz Deutschland
Die Solidarität gegenüber dem „Komplex“ ist weitreichend, sowohl lokal als auch aus anderen Städten. Die Forderungen reichen von verstärkten Schutzmaßnahmen durch die Polizei bis zu einer breiteren gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit rechtsextremen Strukturen. Die Menschen betonen, dass diese Bedrohung ernst genommen werden muss, nicht nur für das „Komplex“, sondern als Teil eines umfassenderen Kampfes gegen rechte Gewalt.
In nur wenigen Stunden gab es knapp 1000 Reaktionen zu dem Insta-Beitrag des Komplex.

Kommentar:
Die aktuelle Bedrohung gegen das „Komplex“ ist nicht nur ein lokales Problem, sondern ein weiteres Beispiel für die wachsende Gefahr rechtsextremer Strukturen in Deutschland. Die Bewohnenden des „Komplex“ zeigen sich entschlossen, dieser Bedrohung standzuhalten, und hoffen auf anhaltende Solidarität aus der Bevölkerung. Dieser Vorfall erfordert eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Wurzeln und Erscheinungsformen von Rechtsextremismus in unserer Gesellschaft, um gemeinsam einen Beitrag zu einem demokratisches und vielfältiges Zusammenleben zu ermöglichen. Die Entscheidung des Komplex Schwerin, so offensiv mit der Bedrohung von rechts umzugehen, ist nicht nur mutig, sondern stellt auch ein starkes Signal gegen rechte Gewalt da.
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