(stm/Kommentar)
Es galt als so gut wie sicher, dass die altehrwürdige Paulshöhe, eines der dienstältesten Fußballstadien Norddeutschlands mit exklusivem Wohnraum und einer Schule, hinter vorgehaltener Hand war klar, einer Waldorfschule bebaut werden soll. Doch all diese Planungen geraten durch einen Antrag der CDU ins wanken und eröffnen eine völlig neue Perspektive.
Waldorfschule wird von SPD gepusht
Hinter verschlossenen Türen hatten Teile der Stadtpolitik, hauptsächlich mit einem SPD-Parteibuch, daran gearbeitet, das Stadion zu schließen und der Waldorfschule Bauland zu sichern. Zuvorderst steckten hinter den Bestrebungen der SPD-Chef Daniel Meslien, der als Vorsitzender des Ortsbeirates Ostorf gar rein „nicht öffentliche“ Treffen mit Vertreterinnen und Vertretern der Waldorfschule arrangierte, über die die Mitglieder des Beirates nicht einmal informiert wurden, und zu deren Sitzung erst zwei Tage später eine Einladung versendet wurde.
Ebenso aktiv zu den Planungen, die nach wie vor vorsehen, der Waldorfschule Bauland zu kredenzen, ist der Oberbürgermeister Dr. Rico Badenschier, der Angehörige auf der Waldorfschule hat, zu nennen. Ob es um „kreative“ Umdeutungen von Stadtvertreterbeschlüssen, einen „unter Wert“ Verkauf von an das Stadion angrenzenden Sporthallen an die Waldorfschule, oder aktuell die Vermietung der freistehenden Sportflächen an einen Schäfer, dessen Kinder auf die Waldorfschule gehen, geht. Stück für Stück haben sich diese Herren und gewiss weitere daran gemacht, eine Zwangslage herzustellen, die am Ende der Waldorfschule ihr Baugrundstück sichern soll. Dazu gehören auch günstige Ausweichquartiere für die höheren Klassenstufen der Waldorfschule unterhalb des SVZ-Sportplatzes, um es den Waldorf-Verantwortlichen zu ermöglichen, mehr Schüler aufzunehmen und einen Platzmangel im aktuellen Schulgebäude zu provozieren, der argumentativ die „Notlage“ schafft, dass die Waldorfschule sich vergrößern muss. (Nach SPD-Wunsch natürlich auf Paulshöhe, immerhin gehören die Hallen ja schon der Waldorfschule.)
Waldorfschule neben exklusivem Wohnraum stört CDU
Das Interesse an Bauland auf dem altehrwürdigen Stadiongelände scheint ungebrochen. Neben der SPD, die sich auf die Waldorfschule eingeschossen hat, gibt es weitere Protagonisten, die sich um das Bauland aktiv bemühen. Hier ist Frau Silvia Rabethge von der CDU zu nennen. Seit Jahren ist sie aktiv dabei, exklusives Bauland zu ermöglichen. Dies zeigt sich nicht nur durch ihre klare Positionierung gegen sozialen, günstigen, bezahlbaren Wohnraum, sondern auch durch den neusten Antrag, den die CDU in Schwerin eingebracht hat. So beantragt die CDU aktuell, dass es auf der Paulshöhe „KEINE“ Schule geben soll. Ziel dahinter: Mehr exklusives Bauland, ohne den störenden Lärm einer Schule. Wer baut schon für teures Geld, wenn er bis zu 600 Schülerinnen und Schüler, nebst Elterntaxi und Nachmittagsbeschäftigung vor der Nase hat?
CDU will bestehende Beschlusslage aufheben
Doch die CDU geht noch weiter. Das von vielen Befürwortern eines (Teil-)Erhaltes kritisierte Dialogforum wird von der CDU ebenfalls in Frage gestellt. So möchte die CDU alle bestehenden Beschlüsse auf den Prüfstand stellen. So sollen die „künftigen Akteure und Nutzer“ des Quartiers nach einem regionalen Interessenbekundungsverfahren von der Stadtvertretung bestimmt werden. Deutlich schreibt die CDU, dass sie sich gegen eine Waldorfschule ausspricht. Die Stadt soll demnach einen städtebaulichen Planungswettbewerb durchführen und dabei soll „auf Planung und Bau“ einer Schule im Wohnpark Paulshöhe verzichtet werden.
Pattsituation auf Paulshöhe
Die SPD hat es in der Vergangenheit geschafft, die Grünen und die Linke hinter ihre Pläne einer Waldorfschule auf Paulshöhe zu vereinen. Die CDU würde mit ihrem Antrag, der im Hintergrund zwar hauptsächlich exklusives Bauland vorsieht, das Thema Paulshöhe wieder öffnen und eine völlig neue Diskussion eröffnen. Zu der Diskussion könnte auch ein Teilerhalt oder ein Erhalt gehören. Zwar ist dies nicht das Ziel der CDU, könnte aber von Befürworterinnen und Befürwortern eines Teilerhalts des Stadions als Chance gesehen werden. Und der Teilerhalt ist inzwischen erklärtes Ziel der UB, ASK und – auch Teilen der AfD.
Paulshöhe als Thema im Kommunalwahlkampf?
Rein rechnerisch stehen sich hier also zwei Blöcke gegenüber. Der Waldorfblock (SPD; Grüne, Linke), die 21 Plätze haben, und der andere Block, der ebenfalls aus knapp über 20 Personen besteht. Einige Stadtvertreter, beispielsweise die drei von der Tankstelle, haben sich mal so und dann wieder anders entschieden. Im Juni 2024 wird in Schwerin ein neues Stadtparlament gewählt. Es ist nicht davon auszugehen, dass der SPD- bzw. CDU-Block bis dahin derartig weitreichende Beschlüsse „durch“ bekommen, die zu einem sofortigen Baustart führen.
Da die CDU die Büchse „Paulshöhe“ wieder öffnen will, kann mit der Paulshöhe wieder völlig neu umgegangen werden. Auch ein Teilerhalt muss demzufolge wieder in Betracht gezogen werden dürfen.
Alles, auch Reaktivierung und Teilerhalt scheinen theoretisch möglich
Eines ist zum Jahreswechsel 2023 durch den neuen Antrag der CDU klar – Die Zukunft der Paulshöhe ist alles andere als in trockenen Tüchern. Je nach Ausgang der Kommunalwahl am 09. Juni 2024 könnte sich die Zusammensetzung in der Stadtvertretung so gravierend ändern, dass alles mit der Paulshöhe möglich wird. Eine Waldorfschule, reines Bauland, oder eben doch ein Teilerhalt.
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