(stm)

In Schwerin-Wüstmark könnte bald ein neues Holzheizkraftwerk entstehen – doch welche Folgen hätte das für die Klimabilanz und die Energieversorgung der Landeshauptstadt? Ein Unternehmer plant demnach, eine Biomasseanlage zu errichten, die regionales Holz zur Erzeugung von Wärme und Strom nutzt. Auf Initiative der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/Die PARTEI wurden dazu konkrete Fragen an Oberbürgermeister Dr. Rico Badenschier gestellt. Die Antworten geben Aufschluss über den aktuellen Planungsstand und bringen die Stadtverwaltung an die Grenzen für kreatives zurechtformulieren von Antworten.

Wie klimafreundlich ist Holz als Energieträger wirklich?

Laut Stadtverwaltung würde das Biomassekraftwerk zur Reduzierung von Treibhausgasen beitragen. Bäume nehmen während ihres Wachstums CO₂ auf und binden es in der Biomasse. Bei der Verbrennung wird dieses CO₂ wieder freigesetzt, was einen weitgehend neutralen Kreislauf ermöglicht. „Die Emissionen, die durch Transport und Verarbeitung entstehen, sind vergleichsweise gering“, so die Stadtverwaltung.

Allerdings warnen Kritiker vor anderen Emissionen wie Feinstaub oder Methan, die bei der Verbrennung von Holz freigesetzt werden können. Auch das Bundesumweltministerium weist darauf hin, dass die CO₂-Emissionen pro Wärmeeinheit teilweise höher sind als bei fossilen Energieträgern wie Kohle oder Gas. Die Stadtverwaltung könnte also mit der Einschätzung falsch liegen, dass die regionale Biomassenutzung insgesamt die Klimabilanz der Stadt stützen würde.

Unterstützt das Projekt Schwerins Energie- und Klimaziele?

Schwerin hat ehrgeizige Ziele in der Energiepolitik und will mittelfristig CO₂-Neutralität erreichen. Ein Biomassekraftwerk könnte dabei helfen, den Verbrauch fossiler Brennstoffe zu reduzieren und weitgehend emissionsarme Wärme und Energie bereitzustellen. Laut Stadtverwaltung wären die energie- und klimapolitischen Ziele durch die Nutzung der Biomasse erreichbar. Ob diese Ziele im angestrebten Umfang erreicht werden können, hängt jedoch auch von den technischen Möglichkeiten ab, die das Kraftwerk zur Emissionsminderung bietet. Die Nutzung regionaler Ressourcen wie Holz soll zudem Emissionen durch lange Transportwege vermeiden und so zu den Klimazielen beitragen – sagt die Stadt

Wo würde die erzeugte Wärme genutzt werden?

Ein möglicher Vorteil des Standorts Wüstmark sei demnach die Nähe zum bestehenden Heizkraftwerk Süd, das bereits das städtische Fernwärmenetz versorgt. Die Stadtverwaltung prüft, ob die im Biomassekraftwerk erzeugte Wärme direkt ins städtische Fernwärmenetz eingespeist werden kann, um den Erdgasanteil zu senken. Das würde Schwerin unabhängiger von fossilen Brennstoffen machen und die lokale Energieversorgung absichern. Die technische und wirtschaftliche Umsetzbarkeit müsse jedoch noch gemeinsam mit den Stadtwerken geklärt werden. Auch der Betreiber des geplanten Biomassekraftwerks müsste eine Anbindung ans Fernwärmenetz sicherstellen, damit Schwerin von dieser Ressource profitieren kann.

Aktueller Genehmigungsstand – Vorgespräche laufen Antrag noch nicht gestellt.

Aktuell ist das Projekt nach Angaben der Stadt in der Vorabstimmung. Ein formeller Antrag bei der zuständigen Genehmigungsbehörde, dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg, wurde demnach noch nicht gestellt. Da es sich um eine genehmigungspflichtige Anlage nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz handelt, sind strenge Vorgaben zu erfüllen. Erste Gespräche mit den zuständigen Behörden hätten aber bereits stattgefunden, doch eine konkrete Genehmigung steht noch aus. Sobald der Antrag eingereicht wird, wird auch die Stadt Schwerin offiziell beteiligt.

Ein Schritt zu mehr nachhaltiger Energieversorgung?

Insgesamt bewertet die Stadtverwaltung das Projekt positiv. Ein Biomasseheizkraftwerk könnte Schwerins Energieversorgung unabhängiger und nachhaltiger machen. Durch die Nutzung überwiegend regionaler Biomasse, was im Prinzip Bäume wären, würden lokale Ressourcen gestärkt, und die Wertschöpfung bliebe in der Region. Wann die Bauarbeiten starten könnten, bleibt jedoch noch offen. Klar ist nur, dass die Stadtverwaltung das Projekt als potenziellen Beitrag für eine klimafreundliche Energieversorgung sieht und sich eine sinnvolle Ergänzung zum bestehenden Netz verspricht.



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