(stm)

Eines vorweg: Vergessen Sie alles, was Sie bisher zum Thema Paulshöhe und den politischen Hintergründen gehört haben. Vergessen Sie bitte vor allem, dass alles in „Sack und Tüten“ sei. Denn das ist nicht mehr der Fall. Die Akte „Paulshöhe“ steht seit der Entscheidung der Waldorfschule, ihre Bebauungsabsichten endgültig zurückzuziehen, vor einer Neuordnung. Das Gelände des ältesten Stadions Mecklenburg-Vorpommerns, das seit 2022 als Schafweide genutzt wird, bleibt vorerst unbebaut. Damit wird die Zukunft der Paulshöhe erneut zum zentralen Diskussionspunkt der Stadtpolitik.

Neustart im Januar 2025

In der nächsten Sitzung der Stadtvertretung im Januar 2025 wird über den weiteren Umgang mit der Paulshöhe entschieden. Die Beschlussvorlage von Oberbürgermeister Dr. Rico Badenschier, die das „weitere Verfahren“ festlegen soll, ist dabei nur ein Teil des Ganzen. Auch die zahlreichen Ergänzungs- und Änderungsanträge, die verschiedene Fraktionen und Stadtvertretungsmitglieder eingereicht haben, zeigen: Ein Konsens über die Zukunft des Geländes ist bislang nicht in Sicht.

Die Beschlussvorlage – Ein Wettbewerb als Lösung?

Kern der Beschlussvorlage ist die Durchführung eines städtebaulich-freiraumplanerischen Wettbewerbs für das Areal. Ziel ist es, unter Einbindung der Stadtpolitik, der interessierten Öffentlichkeit sowie möglicher zukünftiger Nutzer, klare Vorgaben für die Entwicklung der Fläche zu erarbeiten. Die Vorgaben sollen laut Verwaltung auf Basis der Empfehlungen des Dialogforums Paulshöhe von 2020 erfolgen.

Das Dialogforum hatte unter anderem vorgeschlagen:

  • Die öffentliche Nutzung der Grünflächen zu sichern,
  • eine gemischte Bebauung für Wohnen, Gemeinschaft und Bewegung zu schaffen,
  • und Nachhaltigkeitsstandards wie die Zertifizierung als „nachhaltiges Stadtquartier“ zu berücksichtigen.
  • eigentlich sollten laut Dialogforum auch „Dissenspunkte“, wie ein (Teil)Erhalt mit berücksichtigt werden. Der Punkt wurde aber von OB Badenschier gestrichen.

Anträge der Fraktionen – Konflikte und Positionen

Die politischen Fraktionen haben die Beschlussvorlage durch eigene Ergänzungs- und Änderungsanträge erweitert, teils aber auch konträre Positionen eingebracht:

  1. Bündnis 90/Die Grünen und Die PARTEI
    Sie fordern, dass mindestens 25 % der Wohneinheiten als Sozialwohnungen ausgewiesen werden. Zudem soll maximal ein Viertel der Fläche für Einfamilienhäuser genutzt werden, um eine soziale Durchmischung zu gewährleisten. Nachhaltigkeit steht ebenfalls im Fokus: Neben dem DGNB-Zertifikat für Stadtquartiere soll das staatliche Qualitätssiegel „Nachhaltiges Gebäude“ angestrebt werden.
  2. CDU-Fraktion
    Die CDU setzt auf die Veräußerung der städtischen Flächen statt auf Erbbaurechte, um Investoren zu gewinnen und die Haushaltskasse zu entlasten. Die öffentliche Zugänglichkeit der Grün- und Parkflächen bleibt für die CDU hingegen eine zentrale Forderung.
  3. Ortsbeirat Gartenstadt/Ostorf
    Der Ortsbeirat fordert, dass die Entscheidung über die Verwertung der Fläche – ob Verkauf oder Erbbaurecht – erst nach Vorliegen der Wettbewerbsergebnisse von der Stadtvertretung getroffen wird. Dieser Vorschlag wird von der Verwaltung als rechtlich zulässig eingestuft.
  4. Stadtvertreterin Anita Gröger
    Sie weist darauf hin, dass auch die Dissenspunkte des Dialogforums in die weiteren Planungen einfließen sollen. Dazu gehört beispielsweise die Forderung einiger Teilnehmender nach einer Fortführung der sportlichen Nutzung der Fläche.

Ein umkämpftes Stück Schwerin

Die anhaltende Debatte um die Paulshöhe zeigt: Das Gelände ist weit mehr als ein ehemaliges Stadion. Es ist ein Stück Stadtgeschichte, ein Ort der Tradition und der potenziellen Zukunft zugleich. Einige Stadtvertreter die eins die Schließung vorangetrieben haben, bezeichnen dieses Schritt als großen Fehler. Unterschiedliche Interessen prallen hier aufeinander – vom sozialen Wohnungsbau über ökologische Stadtplanung bis hin zur Frage der finanziellen Tragfähigkeit. Es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis auch ein Teilerhalt wieder auf dem Tisch liegt.

Der städtebauliche Wettbewerb könnte ein Weg sein, die unterschiedlichen Vorstellungen in eine zukunftsfähige Planung zu überführen. Doch am Ende wird es auf die Kompromissbereitschaft der Stadtpolitik ankommen. Und vor allem, wird es darauf ankommen, eine Lösung zu finden, die allen entgegenkommt.

Fest steht: Die Entscheidung im Januar 2025 wird den Weg für die Paulshöhe neu definieren.


Hier können der Antrag der Stadt und die Empfehlung des Dialogforum heruntergeladen und eingesehen werden:


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