(stm) Stadtgeschichte

Im Jahr 1615 sorgte ein mysteriöser Fremder für Aufsehen in unserer beschaulichen Stadt Schwerin. Mit einem imposanten Auftritt, begleitet von kaiserlichen Empfehlungsschreiben, präsentierte sich Emanuel Phocas als griechischer Graf, der eine dramatische Geschichte zu erzählen hatte.

Er behauptete, von königlichem Blut zu sein, ein Nachfahre des berühmten griechischen Kaisergeschlechts der Paleologen (Palaiologen waren die letzte Kaiserdynastie des Byzantinischen Reichs). Doch sein Schicksal hatte ihn hart getroffen. Wegen seines unerschütterlichen christlichen Glaubens sei er von den Türken gefangen genommen, beraubt und nur unter der Bedingung freigelassen worden, ein stattliches Lösegeld von 20.000 Talern aufzutreiben. Seine Familie musste er als Geiseln zurücklassen – eine Tragödie, die er mit Tränen in den Augen erzählte und die Herzen der Schwerinerinnen und Schweriner erweichte.

Phocas war nicht nur ein begabter Redner, sondern auch ein Meister der Sprachen. Er sprach Griechisch, Italienisch, Latein und Deutsch fließend, eine Fähigkeit, die ihm half, angesehene Beamte des Kaisers zu beeindrucken. Sie unterstützten ihn bei seiner angeblichen Mission, das Lösegeld zusammenzutragen.

Als er in Schwerin ankam, war Herzog Albrecht Friedrich abwesend. Die Beamten, beeindruckt von Phocas‘ Erscheinung und seinen kaiserlichen Empfehlungen, erlaubten ihm, Spendenbüchsen an den Kirchtüren aufzustellen. Die Bürger der Stadt, berührt von seiner Geschichte, öffneten bereitwillig ihre Geldbeutel.

Wieviel Geld der Graf in der Zeit oin Schwerin einsammelte, ist unbekannt. Doch es dürfte so einiges gewesen sein.

Schwerins Herzog beendete den Schwindel

Phocas‘ Aufenthalt in Schwerin sollte jedoch nicht ungestört bleiben. Bei seiner Rückkehr am 9. Januar 1615 fiel Herzog Adolf Friedrich seine Geschichte sofort als Betrug auf. Er ließ Phocas in der Hofstube bewirten, während er seine Sekretäre aussandte, um das Gepäck des Grafen zu durchsuchen. Und tatsächlich, die Beweise häuften sich.

Der Prozess, der folgte, war gespickt mit Wendungen und Enthüllungen. Phocas leugnete zunächst trotzig, aber als ihm mit Folter gedroht wurde, er massiv „tractiert“ wurde brach er zusammen und gestand seinen Betrug. Er hatte das gesammelte Geld heimlich und liederlich mit seinen Komplizen verprasst.

Hinrichtung mit dem Schwert

Die Hinrichtung am 29. Januar 1616 war ein Spektakel, das weit über die Grenzen Schwerins hinaus Aufsehen erregte. Trotz Einwänden von anderen Adligen, die außerhalb Schwerins an die Echtheit des Grafen glaubten, wurde Phocas zum Tode verurteilt. Mit dem Schwert gerichtet, endete das abenteuerliche Leben des Grafen Emanuel Phocas.


Quelle unter anderem: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte Band 13.


Oder war der Graf doch echt? In einem Buch (in französischer Sprache verfasst) findet sich der Name des Emmanuel Phocas.

In dem Buch namens: „GRANDES FAMILLES DE GRECE, D’ALBANIE, ET DE CONSTANTINOPLE“ (Adligen, die aus Konstantinopel geflohen sind) findet sich folgender Eintrag: „…et Emmanuel Phocas, avec les leurs…“

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Inspiriert durch Nachlass mein Vaters Ralph Martini


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