(stm/ Kommentar) In Schwerin basiert die Berichterstattung über Kriminalität fast ausschließlich auf offiziellen Polizeimeldungen. Das führt zu einem selektiven Bild, da die Polizei vor allem über bestimmte Delikte berichtet. Sichtbare Straftaten wie Diebstahl, Körperverletzung oder Drogendelikte erscheinen häufiger in Meldungen, während Delikte wie Wirtschaftskriminalität, Betrug oder häusliche Gewalt kaum thematisiert werden, obwohl sie statistisch relevant sind. (www.schwerin.news scheint in Schwerin das einzige Magazin zu sein, dass derartige Themen wie häusliche Gewalt, Gewalt an Schulen, Nötigung in der Stadtverwaltung, Betrug durch Unternehmer thematisiert).
Zudem bleibt die Nennung der Nationalität selektiv. Nichtdeutsche Tatverdächtige werden explizit genannt, deutsche weniger oft. In einem konkreten Fall, als der Autor dieses Artikels selbst angegriffen wurde, wurde die augenscheinliche deutsche Nationalität des Tatverdächtigen nicht genannt. Ein weiteres Beispiel ist der Fall von Jens L., der auf dem Marienplatz mit Tötungsabsicht einen anderen angegriffen hatte. Die Polizei nannte seine Nationalität in der ersten Pressemeldung nicht – erst später wurde bekannt, dass es sich um einen deutschen Täter handelte, genauso war es bei der Mutter die ihr Säugling aus dem Fenster warf, oder dem Mann auf dem Dreesch, der seine Frau mit über 50 Messerstichen tötete. Auch bei dem Auounfall in Lankow, durch den eine Frau getötet wurde, wurde lange nicht die Nationalität „deutsch“ genannt. Die Polizei entscheidet also selbst, wann sie welche Informationen preisgibt, wann sie die Nationaltät der Tatverdächtigen nennt – was zu einer verzerrten öffentlichen Wahrnehmung führt, da die meisten Nachraichtenmagazine die Polizeimeldungen einfach 1:1 abschreiben.
Was sagt die Polizeistatistik
Laut der Polizeilichen Kriminalstatistik für 2023 wurden in Schwerin 6.338 Tatverdächtige erfasst, von denen 68,5 % Deutsche und 31,5 % nichtdeutsche Tatverdächtige waren. In bestimmten Deliktgruppen sind deutsche Tatverdächtige in der Mehrzahl, insbesondere bei Körperverletzung, Sachbeschädigung und Graffiti sowie Betrug und Wirtschaftskriminalität. Ein oft übersehener Punkt ist zudem, dass die Mehrheit der Straftaten von Männern begangen wird. Der Anteil an männlichen Tatverdächtigen liegt bei rund 80 %. Junge Männer zwischen 14 und 30 Jahren sind in allen Gruppen besonders häufig vertreten – unabhängig von ihrer Herkunft. Altersbedingte Risikobereitschaft, Gruppenzwang und soziale Faktoren spielen eine viel größere Rolle als die Herkunft.
Theoretische müssten also in 2 von 3 Polizeiberichten deutsche Schweriner genannt werden. Dies ist aber nicht der Fall.
Polizei antwortet selten auf Nachfragen, aus Gründen
Ein weiteres Problem der einseitigen Berichterstattung ist, dass die Polizei sich bei Detailfragen bedeckt hält. Wenn Medien wie http://www.schwerin.news genauere Informationen nachfragen, gibt es oft keine Antworten. Oft werden nachvollziehbarerweise laufende Ermittlungen als Grund angeführt. Im Fall des Angreifers, der einen afghanischen Jugendlichen attackierte, gab es trotz Nachfragen keine detaillierten Informationen. Bei der 16-jährigen Vermissten wartet http://www.schwerin.news bis heute auf eine Rückmeldung der Polizei. Viele Nachfragen zu Hintergründen oder deutschen Tatverdächtigen werden ausweichend oder gar nicht beantwortet. Der Einsatz eines Helikopters bei einer Personensuche oder Nachfragen bei Leichenfunden bleiben oft unbeantwortet oder werden nur stark zeitverzögert beantwortet.
Schwerins Lokaljournalismus gibt sich zu wenig Mühe
Polizeimeldungen dürfen nicht die alleinige Basis für Kriminalitätsberichterstattung sein. Mehr Kontext, mehr Statistik, mehr eigene Recherchen sind notwendig, um ein realistisches Bild zu zeichnen. Eine kritische Medienlandschaft sollte sich nicht nur auf die Pressemitteilungen der Polizei verlassen, sondern aktiv nachhaken und offene Fragen thematisieren. Schweriner Magazine und Nachrichtensender wie TV Schwerin, sn-aktuell und schwerin-lokal.de nutzen nahezu ausschließlich Polizeimeldungen für ihre Berichte. Kritische Nachfragen, wie sie http://www.schwerin.news des öfteren stellt, werden von der Polizei kaum oder gar nicht beantwortet.
http://www.schwerin.news versucht es
http://www.schwerin.news versucht dieser Situation durch eigene Recherchen, wie dem Vorfall an einer Schweriner Schule, bei der einem Jungen die Nase gebrochen wurde, oder wie in dem Fall einer vermissten Person zu der die Polizei kaum Angaben machte, oder eben dem Verdacht der sexuellen Nötigung in der Schweriner Stadtverwaltung, oder wie in dem Fall von Jens L. oder eben auch durch Berichte zu Wirtschaftskriminalität (WGS Chef), etwas entgegenzusetzen.
Nennung Nationalität nicht immer angebracht und notwendig
Leserinnen der Schweriner Lokalnachrichten sind dswegen gut beraten, zu schauen, wann und was die Polizei berichtet, und ob es sich bei den Nachrichten der Lokalmagazine um abgetippte Polizeiberichte, oder eigene Recherchen handelt. Hier bei http://www.schwerin.news werden die Meldungen, die 1:1 von der Polizei üernommen werden deswegen seit längerem als “ (Polizeibericht) “ gekennzeichnet. Andere Magazine tun dies oft nicht. Auch übernimmt http://www.schwerin.news nicht mehr im jeden Fall die Nennung der Nationalität, da es oft keinen kausalen Zusammenhang zwischen Nationalität und Straftat gibt. Denn der Pressekodex sagt laut Richtlinie 12.1 dass darauf zu achten ist, dass die Erwähnung der Zugehörigkeit von Tätern nicht zu einer diskriminierenden Verallgemeinerung individuellen Fehlverhaltens führt. Nur bei einem begründeten öffentlichen Interesse darf nach Pressekodex die Nationalität genannt werden – unabhängig davon, was im Polizeibericht gesagt wrde.
Die Polizeistiatistik kann überigen hier eingesehen und heruntergeladen werden:

















