Kippen und Kleinstmüll an den Haltestellen und Bahnstrecken: Stadt sieht wenig Handlungsmöglichkeiten

(stm)

An vielen Haltestellen des Nahverkehrs Schwerin (NVS) sammeln sich immer wieder Zigarettenkippen, Verpackungsmüll und anderer Kleinstabfall. Bürgerinnen und Bürger beklagen zunehmend die Verschmutzung und haben sich mit Beschwerden an die Stadt gewandt. Eine Anfrage des Stadtvertreters Henning Foerster (Die Linke) brachte nun Antworten – allerdings auch Ernüchterung.

Reinigung durch den NVS und Anliegerpflichten

Die Stadtverwaltung stellt klar, dass die Reinigung der Haltestellen nur teilweise durch den NVS erfolgt. „Diejenigen Haltestellen, welche durch die Nahverkehr Schwerin GmbH gereinigt werden sollen, sind im öffentlichen Dienstleistungsauftrag aufgeführt“, heißt es in der Antwort des Oberbürgermeisters Rico Badenschier. Diese Haltestellen würden täglich angefahren und bei Bedarf gereinigt. Für viele Haltestellen gilt jedoch die Straßenreinigungssatzung der Stadt, nach der Anlieger – ob privat oder städtisch – für die Reinigung verantwortlich sind.

Die Kosten für die Säuberung von Haltestellen und Bahnkörpern belaufen sich für den NVS jährlich auf rund 125.000 Euro – ohne Winterdienst.

Keine Sanktionen gegen Müllsünder

Ein großes Problem bleibt das achtlose Wegwerfen von Zigarettenstummeln. Das bestehende Rauchverbot an Haltestellen wird laut Verwaltung kaum durchgesetzt: „Eine vollumfängliche Einhaltung ist wünschenswert, aber nicht erzwingbar“, so Badenschier. Der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) könnte zwar Verstöße ahnden, doch dies sei nur bei einer „Feststellung auf frischer Tat“ möglich. In der Praxis geschieht dies jedoch selten.

Die Stadt sieht daher vor allem die Bürger selbst in der Verantwortung. „Jeder ist für den ordnungsgemäßen Umgang mit seinem Kleinabfall verantwortlich“, heißt es in der Antwort an Foerster.

Skepsis gegenüber einem Arbeitskreis Abfall

Die Anfrage enthielt auch die Idee, einen „Arbeitskreis Abfall“ unter Beteiligung engagierter Bürgerinnen und Bürger zu gründen, um nachhaltige Lösungen für die Müllproblematik an Haltestellen zu entwickeln. Doch die Stadt steht diesem Vorschlag zurückhaltend gegenüber. Die Ursachen des Problems lägen vor allem im Verhalten Einzelner, so die Argumentation der Verwaltung. Ein Arbeitskreis sei nur sinnvoll, wenn er sich nicht nur mit Konzepten beschäftige, sondern auch eine praktische Reinigungsaufgabe übernehme.

Abstimmungsaschenbecher – ein Hoffnungsschimmer?

Eine mögliche Maßnahme, um das Zigarettenkippenproblem in den Griff zu bekommen, ist der Einsatz sogenannter „Abstimmungsaschenbecher“. Dieses Projekt der Umweltgruppe Weststadt wurde Ende Januar 2025 umgesetzt. Dabei können Raucher ihre Kippen in spezielle Behälter entsorgen und dabei durch ihre Wahl eine Umfrage beantworten – beispielsweise wird aktuell gefragt, ab man dieses Jahr in den Schweriner Zoo gehen wolle. (wir berichteten)

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Hier kann die Anfrage, nebst Beantwortiung eingesehen und heruntergeladen werden:


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3 Antworten zu „Kippen und Kleinstmüll an den Haltestellen und Bahnstrecken: Stadt sieht wenig Handlungsmöglichkeiten“

  1. Avatar von
    Anonymous

    Der größte Teil aller Müllberge, die in die Natur gelangen wird leider durch Sturm, Wind und Wetter verweht, weil sämtliche Müllcontainer zu selten geleert werden aber auch, weil sie nicht schließbar sind. Da hat der Wind sehr häufig leichtes Spiel.

    Und ja, mit Aufklärung durch gute Beispiele ( Influencer, Aktivisten, Vorbilder und Menschen die mit gutem Beispiel voran gehen) kann man viel bewegen. Mit kurzen Videosequenzen in Bus und Bahn, Plakate an Haltestellen und Müllplätzen.

  2. Avatar von
    Anonymous

    Erziehung läuft doch. Müll trennen klappt bei der Mehrheit, Müllvermeidung ist auf dem Weg. Einigen ist alles egal. Umfeld Mc Donald und Burger Knecht, schlimm. Kippe aus dem Auto, klar. Scheiß doch gleich noch dazu. Man kann machen, aber es gibt die doch. Aufklärung? Erreicht nun mal nicht alle. Leider.

  3. Avatar von
    Anonymous

    Es ist doch eine Frage der Eziehung. Wer gelernt hat, dass Müll nicht in die Natur und auch nicht auf die Straße gehört, wird ihn mit größerer Wahrscheinlichkeit mit nach Hause nehmen bzw. in Mülleimern etc. entsorgen. Wenn wir alle beobachten, dass die Verschmutzung zunimmt, bedeutet das, dass die Erziehung zunehmend versagt oder gar nicht stattfindet.
    Da helfen auf die Dauer nur Aufklärungsmaßnahmen, die sich vor allem an Eltern und Schulen richten. Gibt es ja auch vereinzelt, aber anscheinend nicht genug.
    Richtig gute Influencer für Umweltinteressen könnten vielleicht helfen.
    Wenn Menschen die Information aufnehmen, dass eine Zigarettenkippe 1000 Liter Wasser verseuchen kann, wenn sie darauf aufmerksam gemacht werden, dass ein „Filter“ so heißt, weil er Giftstoffe aufnimmt (die sonst in die Atemwege gelangen).

    Manchmal, ganz vorsichtig, wenn man das Gefühl hat, dass es bei der beobachteten Person funktionieren könnte, hilft auch ein sanftes Kopfschütteln (mit freundlichem Gesicht), wenn man neben jemandem steht, der gerade eine Kippe weggeworfen hat. Aber nur bei Leuten, die eigentlich wissen, dass sie das nicht tun sollen. Wer einmal eine soeben weggeworfene Kippe wieder aufgehoben hat, wird so schnell keine mehr wegwerfen.

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